Beziehungssucht: Bin ich schuld?

Die oft gestellte Frage in Beziehungen, die Schuldfrage: Bin ich es, der an einer unglücklichen, süchtigen Beziehungen schuld ist?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Das ist eine sehr bedeutsame Frage. Die meisten Menschen in unglücklichen Beziehungen fragen sofort: Wer ist schuld? Schließlich möchte niemand selbst schuld sein. Wer sich selbst die Schuld gibt, muss quälende Schuldgefühle aushalten. Um das zu vermeiden wird versucht, die alleinige Schuld auf den anderen zu schieben. Das schafft Entlastung.

Doch wenn wir uns mit dem Wesen der Schuld beschäftigen, werden wir zu völlig anderen Erkenntnissen kommen.Nehmen wir das Beispiel des „Alkoholiker-Paares“: Ist er schuld daran, ein Alkoholiker zu sein? Und ist sie schuld daran, dass sie eine Co-Alkoholikerin ist?

Wie ich bereits betonte, sind es die psychischen Strukturen, die diese Menschen zu ihrem Handeln prädestinieren: Ihr mangelndes Selbstwertgefühl, ihre eingeschränkte Liebesfähigkeit und die damit einhergehenden ausgeprägten Konflikte. Die psychische Belastung ist in diesen Fällen oft so groß, dass die Betroffenen unbedingt Entlastung brauchen. Manche suchen diese Entlastung in Suchtmitteln; andere suchen diese Entlastung bei einem Partner.Sie haben sich nicht freiwillig für die Beeinträchtigungen und der daraus hervorgehenden Qual entschieden, das heißt, zunächst einmal können sie nichts dafür, dass sie so geworden sind, wie sie sind.

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Beziehungssucht: Ungesunde Liebe?

Ist das überhaupt noch Liebe? Kann Liebe krank machen?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Nein! Liebe kann nicht krank machen! Liebe ist die größte und schönste Kraft, die uns Menschen gegeben ist. Wie könnte sie krank machen? Im Gegenteil: Liebe heilt.  Liebe, so wie ich sie verstehe, ist nicht nur ein Gefühl. Es ist vielmehr ein Seinszustand. Im Englischen wird es deutlicher: „To be in Love“, also „in Liebe sein“.

Wer meint, durch einen Liebespartner krank geworden zu sein, befindet sich im Irrtum. Es gibt tatsächlich viele Liebesbeziehungen, die als „krank“ bezeichnet werden können. In diesen Fällen waren die Beteiligten jedoch schon vor dieser Beziehung „krank“. Mit „krank“ meine ich das Vorliegen einer Beeinträchtigung oder Einschränkung der normalen seelischen Funktionen. Das Wort „krank“ möchte ich allerdings vermeiden. Wer möchte schon gerne als seelisch krank bezeichnet werden? Und dennoch trifft dies zumindest für diejenigen zu, die in einer sogenannten Abhängigkeits- oder Misshandlungsbeziehung leben. In solchen Beziehungen kann es zu körperlichen Übergriffen kommen oder auch nicht. Kennzeichnend ist, dass sich die Partner gegenseitig verletzen und dennoch so aneinander hängen, dass sie sich nicht aus dieser Beziehung befreien können.

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Neue Serie: ‚Süchtig nach Liebe?‘

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In einer neuen Artikelserie, mit der wir am Mittwoch in diesem Blog starten,  beschäftigt sich Eheberaterin und Buchautorin Dr. Barbara Kiesling mit dem Thema:

Kann Liebe süchtig und krank machen?

In der Serie geht es um Beziehungssucht und um die Dynamik in Abhängigkeitsbeziehungen, in denen die darin verstrickten Menschen oft sehr schmerzvolle Erfahrungen machen.

Aufgrund von immer detaillierteren Fragen von Liebesfibel-Herausgeber und Autor Jürgen Christ nähert sie sich dem sensiblen Thema einfühlsam und nachvollziehbar an, beantwortet Fragen, die sich viele Betroffene nicht mal wagen, zu stellen. In mehrere Blogbeiträgen aufgeteilt, hinterfragt sie zudem alte Legenden, vorherrschende Denkmuster was Beziehungsmuster betrifft, und wagt neue Ansätze.

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