Polyamorie, freie Liebe und offene Beziehungen

Gibt es Unterschiede zwischen Polyamorie, freier Liebe und offenen Beziehungen?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Das Besondere an der Polyamorie ist in meinem Verständnis eine relativ dauerhafte emotionale partnerschaftliche Bindung an mehrere Menschen mit dem Einverständnis aller Beteiligten. Diese Beziehungsform orientiert auf eine gemeinsame Lebensgestaltung. Sie schließt in den meisten Fällen auch den sexuellen Austausch ein, doch muss das nicht sein und steht auch nicht im Vordergrund.

„Polyamorie, freie Liebe und offene Beziehungen“ weiterlesen

Unsere neue Serie ‚Polyamorie‘: Vielliebhaberei als Modetrend oder als neues Beziehungsmodell im 21. Jahrhundert?

Foto: S. Hofschläger, pixelio.de
Foto: S. Hofschläger, pixelio.de

 

Polyamorie, so erscheint es mir, ist eine vorübergehende Modewelle. Beispielsweise, weil ein Mitglied der Piratenpartei das Thema in die Öffentlichkeit trug. Oder weil Psychologen jüngst vom Unsinn der Treue sprachen. Was ist überhaupt – in wenigen Worten – Polyamorie? Eine Frage an den Leipziger Psychotherapeuten Wulf Mirko Weinreich …

Weinreich 2009 original Wulf Mirko Weinreich: Es könnte sein, daß Polyamorie keine Mode, sondern ein Entwicklungstrend ist. So, wie die Kleinfamilie aus der Großfamilie entstanden ist und diese aus dem Clan. In unseren Köpfen herrscht immer noch das Idealbild der romantischen Zweierbeziehung und die Vorstellung, daß es diese schon immer gegeben hat und immer geben wird. Dabei ist diese Vorstellung, einschließlich ihrer Institutionalisierung als Kleinfamilie von Mann und Frau, keine 200 Jahre alt. Sie verlangt von den Partnern, sich gegenseitig möglichst alles zu sein. Das überfordert viele Beziehungen völlig. Was liegt näher als die Idee, mit mehreren Partnern zusammenzuleben und die Freuden und Lasten zu verteilen?

„Unsere neue Serie ‚Polyamorie‘: Vielliebhaberei als Modetrend oder als neues Beziehungsmodell im 21. Jahrhundert?“ weiterlesen

Ist ewige Treue und Partnerschaft überholt?

Foto: JMG, pixelio.de

52% aller deutschen Paare glauben an die „ewige Liebe“. Dem gegenüber steht eine ziemlich hohe Scheidungsquote, sowie etwa 12 bis 17 Mio. Singles und zirka 2500 deutschsprachige Online-Singlebörsen, -Partnervermittlungsagenturen und -Seitensprungplattformen. Ist das Modell bzw. der Traum von der „ewigen Liebe“ überholt und existieren stattdessen nicht längst neue Beziehungsformen wie „Lebensabschnittsgefährten“?

Volker Drewes: Der Glaube an die „ewige Liebe“ ist ja zunächst etwas, das sehr schön klingt und erst einmal positive und hoffnungsvolle Gefühle weckt. Inhaltlich hat dies zum einen mit dem Konzept der „romantischen Liebe“ zu tun, die sich historisch erst im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Vorher war die Ehe eher eine Einrichtung, die rationalen Beweggründen untergeordnet war. Man heiratete, um sich versorgen zulassen, für den Nachwuchs zu sorgen oder eine Dynastie abzusichern. Die Gefühlslage der Beteiligten spielte eine untergeordnete Rolle, obwohl natürlich die Idee der Liebesheirat schon viel früher existiert hat – nur hat man dies denjenigen überlassen, die es sich leisten konnten oder seine Phantasie an Romanfiguren entzünden lassen.

Dies änderte sich vor allem im Zusammenhang mit der Emanzipation der Frau und der zunehmenden Befreiung des Individuums in den westlichen Gesellschaften. Jetzt heißt es: was für einige wenige gilt, soll auch für mich gelten.

„Ist ewige Treue und Partnerschaft überholt?“ weiterlesen