‚Wer passt zum Wem?‘: Kriterien bei der Partnerwahl

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Welche bewussten aber auch unbewussten Kriterien spielen bei der Partnerwahl eine Rolle?

Volker Drewes: Bei der Partnerwahl spielen sehr viele unterschiedliche Kriterien eine Rolle. Welche dies sind und welchen Stellenwert sie jeweils haben, ist seit Jahrzehnten eine immer wieder neu aufgegriffene Fragestellung, vor allem der Sozialpsychologie, aber auch der Evolutionspsychologie, einer Wissenschaftsrichtung, die Erkenntnisse aus dem biologischen und dem psychologischen Bereich zusammenbringt.

Zunächst einmal läßt sich sagen, dass die Kriterien bei der Partnerwahl auch immer vom gesellschaftlichen Kontext abhängig sind, so dass eben auch kulturelle Aspekte – je nach Einfluß auf das Individuum – eine große Bedeutung haben.

In unseren westlichen Gesellschaften werden Ehen (fast) gar nicht mehr „angebahnt“, während in Ländern wie z.B. Indien dies immer noch üblich ist. Aber auch hier entwickelt sich eine aufstrebende und aufgeklärte Mittelschicht, in der der Einzelne mehr und mehr versucht zu bestimmen, mit wem er eine Partnerschaft eingehen will.

Foto: Benjamin Thorn, pixelio.de

Was die evolutions-
psychologische Ebene betrifft, kann man allerdings festhalten, dass hier immer noch Kriterien gelten, die bereits seit Urzeiten die Partnerwahl beeinflußt haben. Dies sind bestimmte Ausstattungsmerkmale bei Mann und Frau und die Anziehung über den Geruch.

Die Wahl der Partner läuft bei den Ausstattungsmerkmalen und der Anziehung unbewusst ab und konzentriert sich auf bestimmte Ausstattungsmerkmale (z.B. Größe, Körperschema, aber auch soziale Stellung) bei Mann und Frau; bei der „Geruchswahl“ wird ein Partner bevorzugt, dessen genetische Ausstattung der eigenen genau entgegengesetzt ist.


Anmerkung zum Geruch:

„Dies ist auch ein Grund, weswegen eine schnelle, „sinnliche“ Begegnung wichtig ist, wenn man jemanden kennenlernen möchte. Erst im realen Kontakt – und nicht nur „online“ – kann das eigene Unterbewusste beurteilen, ob ein Partner in Frage kommt, oder eben nicht. Dies geschieht bereits in den ersten Minuten eines solchen „Anziehungstests“.“

Volker Drewes


 

Wer glaubt, mit viel Parfum oder gar künstlichen Hormonen wie Oxytocin (in den USA übers Internet für rund 40 Dollar erhältlich), punkten zu können, erlebt später u.U. eine böse Überraschung. Angenehm riechende Parfums kann man sich für einen späteren Theater- oder Kinobesuch aufheben! Wenn man weiß, was dem Anderen gefällt…

Ich habe das künstliche Oxytocin persönlich getestet. Oxytocin dient einerseits der Mutter-Kind-Bindung, wird aber auch beim Orgasmus zwischen Mann und Frau ausgeschüttet und soll der Bindung helfen. Wirkt vielleicht bei den ersten Treffen, aber nicht mehr.

Ein weiterer, wichtiger Faktor sind Haare, Intimbehaarung. Da heute Haare eher nicht mehr angesagt sind, wird auch die Partnersuche erschwert. Leben intimbehaarte Menschen in Sachen Partnersuche zufriedener?

Redaktion liebesfibel.de


Volker Drewes: Desweiteren ist anzumerken, dass die Rolle der „Persönlichkeit“ – was den Erfolg einer Partnerschaft betrifft – in den letzten Jahren deutlich nachgelassen hat.

Man hat festgestellt, dass eher die Bereiche „Motivation“ (im Sinne von Lebenseinstellungen) und Interessen – als eher „bewusste“ Kriterien – eine große Rolle bei der Partnerwahl spielen. Dies soll nicht heißen, dass die Persönlichkeiten der Beteiligten keine Rolle spielen. Sie sind nur sehr viel schwieriger einzuschätzen – und führen deswegen auch häufig zu späteren Problemen in einer Beziehung.

Was die Motivation und das Interesse angeht, gilt hier das Prinzip, dass Gleich und Gleich sich gern gesellt. Ähnlichkeiten in den Lebenszielen und Anschauungen, z.B. im Kinderwunsch oder der Sportlichkeit erhalten einer immer wichtigere Rolle, da heutzutage die Partner hohe Ansprüche an das Gegenüber stellen.

Dies gilt natürlich auch für die Interessen. Ein Mann, der unbedingt sein Leben auf seinem Segelboot verbringen will – wenn er es sich denn leisten kann – braucht eine Frau, die nicht wasserscheu ist. Und eine Frau, die als Journalistin im Ausland arbeiten möchte, braucht einen Mann, der vielleicht ein ähnliches Interessen-bzw. Arbeitsgebiet hat oder aber flexibel und reiselustig ist.

Hier docken Partnerbörsen erfolgreich an, denn sie sind in der Lage, solche Informationen im Vorfeld zur Verfügung zu stellen, wozu man „früher“ sehr viel mehr Aufwand betreiben mußte.

Über unseren Interviewpartner:
Volker Drewes ist Diplom-Psychologe, betreibt seit fast 20 Jahren die Website beratung-therapie.de und entwickelte den Persönlichkeitstest sowie das Matchingverfahren von elitepartner.de.

 


Lesen Sie im nächsten Teil eine Antwort auf die Frage:

Wie kann man erkennen, ob ein Dating-Partner lügt?

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