Partnerwahl: Rolle von Persönlichkeit und von Störungen

Gegenseitige Anziehung kann schnell im Sande verlaufen…
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Welche Rolle spielt die Persönlichkeit bei der Partnerwahl?

Und welchen Einfluss haben Persönlichkeitsstörungen bei der Partnersuche und in der Partnerschaft?

Volker Drewes: Wie bereits zuvor erwähnt, ist die Rolle der „Persönlichkeit“ in der Partnerwahl schwierig zu beurteilen und hat auch im Laufe der Forschung neue Einschätzungen erfahren. Dies liegt einfach an der Komplexität des Untersuchungsbereiches. Vielfach ist ja gar nicht klar, was unter „Persönlichkeit“ überhaupt verstanden werden soll – man hat zwar ein Alltagsverständnis für diesen Begriff, aber der variiert eben auch stark von Person zu Person.

 

Ähnliches Verhalten zieht an
– und wirkt sich auf den Erfolg einer Beziehung aus

So sprechen wir z.B. gleichzeitig von einer „starken Persönlichkeit“ und dann von „Persönlichkeitsstörung“. Deswegen ist es meines Erachtens sinnvoll, zunächst die Persönlichkeitseigenschaften von den so genannten Verhaltenskompetenzen zu trennen.

Mit Verhaltenskompetenzen sind Fähigkeiten gemeint, wie Konfliktfähigkeit, Empathie, Kommunikationsfähigkeit oder Fähigkeit zur Streßverarbeitung. Hier gilt, dass Ähnlichkeiten in diesen Bereichen Partner eher anziehen und sich vor allem auf den Erfolg einer Partnerschaft auswirken.

Was die Persönlichkeitseigenschaften betrifft ist es ferner sinnvoll zu versuchen, sich von einer Vorstellung zu befreien, dass wir Menschen gleichsam etwas in uns herum tragen würden – wie in einer Aldi-Tasche – in der das drin ist, was wir als Persönlichkeit bezeichnen. Denn auch die Persönlichkeit ist veränderbar, auch noch im fortgeschrittenen Alter, wie viele Untersuchungen belegen. Persönlichkeit ist also auch ein Prozess, eine Entwicklung.
Gegensätze wirken bei Konflikten anziehend

Eine schöne Annäherung an den Begriff Persönlichkeit ist der Versuch, ihn darüber zu definieren, wie Menschen sich auf bestimmten, in einer Beziehung immer wiederkehrenden Konfliktfeldern, verhalten. Diese Konfliktfelder sind z.B. „Nähe-Distanz“, „Dominanz-Unterordnung“ oder „Versorgung-Autarkie“.

Wie Sie sehen, bestehen diese Felder aus Gegensätzen. Damit ist ein wichtiger Aspekt unserer „Persönlichkeit“ skizziert: der Mensch bewegt sich in einem Raum aus Ambivalenzen mit entsprechenden Polaritäten. Sie können dazu auch für sich selbst Sätze formulieren, die beginnen mit: Einerseits … Andererseits. „Einerseits möchte ich mich binden und Geborgenheit genießen (Nähe), andererseits möchte ich mich frei bewegen und unabhängig sein (Distanz).“ Hier wird, denke ich, deutlich, wie schwierig dieser Bereich „einzufangen“ ist.

So eben auch bei der Partnerwahl. Die Art und Weise, wie wir unbewusst gestrickt sind und mit unseren (ambivalenten) Wünschen umgehen, bestimmt zu einem hohen Grad, wen wir gerade attraktiv finden, bzw. wen wir uns „aussuchen“.

Allerdings kann sich dies von Lebensphase zu Lebensphase ändern. Denn einmal sind wir vielleicht mehr bedürftig, und ein anderes Mal sind wir mehr abenteuerlustig. Nun ist ist es so, dass wir dann dabei meist nach einem Partner schauen, der uns in diesen Wünschen entgegenkommt. Ein dominanter Mensch sucht nach jemandem, der sich ihm unterordnet. Hier ist natürlich ein weites Feld für vorgezeichnete Konflikte.

Die Regel gilt: je unbewusster wir dabei vorgehen, je weniger wir uns selbst kennen und je mehr wir an einem bestimmten Wunsch unbedingt festhalten – desto größer ist der Wahrscheinlichkeit, dass es zu Schwierigkeiten in der Partnerschaft kommt.

Deswegen ist es auch so wichtig, sich bei nähernden Stürmen in der Beziehung immer zunächst an die eigene Nase zu fassen – bevor man in Vorwurfshaltung und Schuldzuweisungen verfällt 🙂

Volker Drewes

Versorgungs- und Abhängigkeitswünsche

Die Partnerwahl selbst wird dann negativ beeinflusst, wenn unsere Wünsche auf einem bestimmten Konfliktfeld der Persönlichkeit überproportional ausgeprägt und gleichzeitig unbewusst sind. Also z.B., wenn wir uns als Kind immer vernachlässigt und ungeliebt gefühlt haben und nun hohe Versorgungswünsche bzw. Abhängigkeitswünsche an den (potenziellen) Partner stellen.

Dieser wiederum wird bei der Partnerwahl trotzdem gerade darauf eingehen, weil er selbst mit dem entgegengesetzten Wunsch ein Problem hat: er möchte helfen, für den anderen da sein, sich mütterlich geben. Dahinter steckt aber meist ein eigener, verborgener Versorgungswunsch!

Diese gegenseitige (negative) Anziehung nennt man – nach Jürg Willi – auch Kollusion, von „zusammenfließen“. Hier ist es entscheidend, dass beide (späteren) Partner ihre Defizite erkennen und in einer sich gegenseitig stützenden Entwicklung davon – zumindest ein Stück – befreien. Dann kann sich auch daraus eine, vielleicht sogar besonders tiefe und positive, Beziehung entwickeln.

 

Über unseren Interviewpartner:
Volker Drewes ist Diplom-Psychologe, betreibt seit fast 20 Jahren die Website beratung-therapie.de und entwickelte den Persönlichkeitstest sowie das Matchingverfahren von elitepartner.de.

 


Lesen Sie im nächsten Teil eine Antwort auf die Frage:

Wie grenzt sich denn eine markante von einer gestörten Persönlichkeit ab? Worauf kann ich bei den ersten Dates achten?

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