Schlechte Affären und guter Sex

30, 40, 50plus – ein tolles Alter. Vieles sieht man gelassener, macht viele Fehler nicht erneut, vor allem weiß man, was man will, beispielsweise beim Sex.

Aber weit gefehlt, wenn es um Liebe & Beziehung bei vielen Alleinstehenden geht.

Zahlreiche Singles in diesem Alter tummeln sich in Internet-Singlebörsen, oft mehrere Jahre, eine schlechte Affäre folgt der nächsten.

Über die ewige Suche nach dem „Mr. Right“ oder der „Mrs. Right“ … und ein mögliches Erfolgsrezept für eine zufriedene Partnerschaft.

 

Der Andere – die Angst vor Neuem

Kommt es, fast schon erwartungsgemäß, wieder mal zum Crash einer Affäre, die eigentlich eine Beziehung werden sollte, geht es am Ende nur noch um die Klärung der Schuldfrage. Aber die ist auch klar beantwortet: der Andere war schuld oder passte nicht, keine Frage. Ausgenommen der Andere entpuppte sich als verheiratet und hat das verschwiegen – oder hat über sich selbst und seine Lebensumstände nicht die Wahrheit gesagt. Wäre letzteres aber ein Grund sich aus dem Staub zu machen und in die nächste Affäre zu stürzen? Nach meiner Ansicht lohnt es sich mal, um eine Beziehung zu kämpfen, wenn das Herz zusagt.

Mit 40plus sind zahlreiche Menschen schon eher festgefahren in ihren Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen, wie ein kommentierender Blogleser am Wochenende anmerkte.

Diese Singles scheinen nicht bereit zu sein, schlechte Angewohnheiten abzulegen, mal bei sich innerlich richtig aufzuräumen, neue Denkweisen zu erforschen und wundern sich dann, dass nichts so richtig funktioniert bei der Partnersuche. Ich kenne das selber leider zu gut.

Menschen tun sich schwer mit Neuem. Sie haben Angst vor Veränderung. Und wenn einem mal ein Partner begegnet, der einem auch noch in vielen schlechten Angewohnheiten ähnlich ist, schauen sie quasi in einen Spiegel, entdecken ihre eigenen Probleme – und laufen davon.

Ist Partnerschaft nicht etwas, mit dem man wachsen kann?

Tief in unserem Herzen sehnen wir uns nach Liebe

Mit 40, 50plus werden zumindest einige Menschen erwachsen. Sie legen kindliche und jugendliche Unreife ab, hinterfragen festgefahrene Gewohnheiten – und ab 60 folgt dann ein gänzlich neuer Lebensabschnitt, über den ich dann schreibe, wenn es soweit ist 🙂

Tief in unserem Herzen sehnen wir uns alle nach einer liebevollen, zärtlichen und vertrauensvollen Beziehung. Manche Singles 30, 40plus sind aber offensichtlich (noch) nicht beziehungsreif – vielleicht sogar bindungsängstlich und/oder beziehunsabhängig – und wissen es nicht einmal.

Am Rande bemerkt: Viele Punkte mögen auch auf verheiratete/zusammen lebende Paare zutreffen, deren Ehe/Beziehung im Laufe vieler Jahre spröde und langweilig geworden ist. Aber auch hier ist für viele Partner klar: mein Partner muss sich ändern, nicht ich. Einige Männer reagieren dann mit dem Besuch bei einer professionellen Liebsdienstleisterin, Frauen suchen sich vielleicht einen Liebhaber auf der Arbeit – oder beenden die Beziehung.

Die ewige Suche nach „Mr. Right“ und „Mrs. Right“

Manche Singles sind bei ihrer Jagd (oder sollte ich schreiben: bei ihrem Einkauf?) im Internet sogar sehr raffiniert. Sie wechseln nach ein bis Affären nach meiner Erfahrung mit Online-Singlebörsen einfach die Plattform – oder tauchen unter anderem Benutzernamen, mit anderen Fotos auf mehreren parallel auf.

 

Es kommt dann häufig zu kurzen Affären, mit einer Dauer von zirka drei bis sechs Monaten. Anfangs mag der Sex noch schön und prickelnd sein, dann macht sich auf einmal eine große Unzufriedenheit bemerkbar.

Man wird unzufrieden, weil man vielleicht feststellt, wie inkompatibel beide Partner im Alltag sind. Man hat doch seine Angewohnheiten, Macken, Vorlieben und Abläufe. Oder ein Partner entdeckt, dass der Andere einen schlichtweg belogen und vieles nur vorgetäuscht hat.

Oder es traten Probleme (gesundheitlich, finanziell, familiär etc.) in der Beziehung auf, vor deren Lösung sich beide Partner gescheut haben, weil man sich selbst hätte verändern müssen. Ergebnis: Gegenseitige Vorwürfe per SMS oder E-Mail, die Streitigkeiten wollen nicht mehr enden. Falscher Stolz verhindert Einsicht und Lösung. Es kommt zum Bruch. Manchmal leider, wie ich aus heutiger Sicht sagen muss.

Fatale Folgen für Herz & Seele

Mit dieser ausgearteten „Affären-Sucht“ spreche ich nicht die Menschen an, die vor Beginn einer Affäre mitteilen, dass sie ein ungutes Gefühle haben und glauben, es könne nicht passen, weil die Interessen und Lebenserwartungen zu unterschiedlich sind – sich dann anständig verabschieden und „Alles Gute!“ wünschen. Das empfand ich immer als ehrlich und es wirkte so auf mich, dass diese Menschen „innerlich aufgeräumt“ sind.

Die Folge solch vieler kurzer Affären ist eher fatal – für Frauen als auch für Männer. Es entstehen immer mehr Risse im Herz und der Seele, hinterlassen ihre Narben. Besonders weh tut es, wenn Kinder mit ins Affären-Spiel gebracht werden, wie ich es leider erfahren habe.

Dennoch geben viele Frauen die Hoffnung nicht auf, dass ihr „Mr.Right“ oder der „Prinz“ irgendwann mal dabei sein wird, der perfekt zu einem passt. Oder Männer, die nach ihrem „Hotel Mama“ oder nach der problem- und willenlosen Traumfrau suchen, die gleichzeitig Hure, Heilige und eine brave Mutter der Kinder ist.

Ich lernte mal eine Frau kennen, deren „Mr. Right“ so sein sollte: sehr groß, attraktiv, reich, handwerklich begabt, treu, ein verantwortungsbewusster Vater für ihr Kind, ein guter Gesprächspartner, intelligent, ein Lebensberater, der ihre Probleme löst, ein guter Koch, lebenserfahren, ein guter Liebhaber im Bett, technikerfahren, tolles Auto, Nichtraucher usw. Und er sollte natürlich tagsüber immer viel Zeit für sie haben, am besten immer per Handy erreichbar sein.

Manchmal frage ich mich, welches Bild Medien eigentlich von uns Männern erzeugen. Sind wir Männer denn Katalogwunschprodukte? Und ich wundere mich, wie beziehungsunreif manche Menschen sind – und ich selbst früher war. 50plus ist schon ein nettes Alter.

Alternativen ab 30, 40, 50plus ?

Irgendwann geben manche der oben genannten Singles und Affären-Zapper entweder ganz auf – oder sie beschränken sich auf die schönste Nebensache der Welt: auf Sex.

Auch hier gibt es rund ein halbes Dutzend entsprechender Portale, wie beispielsweise poppen.de. Der Name ist Programm, hier wird nicht lange gefackelt und die Fotos sagen schon das aus, was man dort will. Aber auch auf solchen Portalen ist eine gewisse Sympathie von Nöten, also eine Annäherung, und wenn man sich trifft, ist neben der Sauberkeit vor allem die Höflichkeit wichtig, las ich kürzlich.

Wer eine Beziehung auf dem Umwege über das Bett erwartet, wird von solchen Online-Diensten vielleicht enttäuscht sein. Solche Portale wurden in erster Linie für die Swingerclubszene, für Fetischliebhaber – und für Seitensprungkandidaten gemacht. Wer aber als Single nach längerer Erotik-Pause einfach nur mal lieber wieder guten Sex haben möchte, sollte das Abenteuer genießen, keinen „auf Liebe machen“ und dem Sex-Partner keinen zu tiefen Einblick ins eigene Leben geben. Das erspart viel Kummer.

Ich persönlich finde Erotik in einer festen, vertrauensvollen Partnerschaft am schönsten. Und unersetzbar durch Bekanntschaften über derartige Portale im Internet. Auch sind die Besuche solcher Portale nach meiner Meinung keine gute Idee, um den oder die Ex zu vergessen.

Erfolgsrezept für eine zufriedene Partnerschaft ?

Wer eine zufriedene haltbare Beziehung ernsthaft anstrebt, statt vieler schlechter Affären zu haben, muss bei sich selbst anfangen. Dann findet einen die Liebe (fast) von selbst. Daran habe ich immer geglaubt.

Zu meinem persönlichen Rezept gehört eine Portion Selbstvertrauen, eine Prise Glaube, zwei Esslöffel Selbstdisziplin, 100 Gramm Durchhaltevermögen, ordentlich Mut, ein Bund Ehrlichkeit mit sich selbst, abgeschmeckt mit ein wenig Humor – und eine Reihe guter Freunde, die zum Essen kommen 🙂

Es gibt noch etwas, ohne dass kein Liebesgericht gelingen kann: die Beschäftigung mit der Liebe im allgemeinen. Jammern in Internet-Foren oder bei besten Freundinnen/Freunden über längst, meist schon Jahre, vergangene Beziehung ist nach meiner Erfahrung nur eine Ablenkung von der Gegenwart.

Wer liebt,
der lebt,
wer lebt,
der leidet,
wer leidet,
der liebt.
Die Gesamtheit der Gefühle spiegelt
die Menschlichkeit in uns wieder.
Ohne dies ist unser Dasein nichts wert!

Quelle: liebe.gefaelltmir.cc

Die ewige Suche ist in Wirklichkeit eine Suche nach uns selbst, nach unserem Platz im Leben, nach unserem Sinn – und die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit, nach Wärme und Geborgenheit. Ein menschlicher Reifeprozess eben … und ein echter Partner kann uns später dabei helfen, weiter zu (er)wachsen, wenn wir selber dafür bereit sind. Es setzt nach meiner Erfahrung aber voraus, dass man selbst bewusster lebt und ehrlich zu sich selbst ist, mal inne hält und seinen Alltag entschleunigt.

 

In der Intimität einer Partnerschaft sucht der Mensch das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Der Mensch ist jedoch nur zum Lieben fähig, wenn er mit sich selbst im Reinen ist. Die entfremdete Lebensweise in unserer Gesellschaft erschwert es folglich dem Einzelnen, eine gesunde Partnerschaft aufzubauen und zu erhalten. Die ausgeprägte Selbstdarstellung erfordert unterschiedliche Rollen, um die geforderte Konformität und Flexibilität zu erhalten. Unter diesem Gesichtspunkt ist es kaum verwunderlich, dass Partnerschaften in der modernen Gesellschaft nur selten von langer Dauer sind bzw. als reine Zweck- und Interessengemeinschaft funktionieren.

Erich Fromm, deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe, 1900 bis 1980.

 

Ansonsten: viel Spaß mit der nächsten Affäre, wenn Sie es brauchen 😉

 

Titelfoto aus dem Film Schnick-Schnack-Schnuck

Ein Gedanke zu „Schlechte Affären und guter Sex“

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