Warum sind Bindungsängstliche sexsüchtig?
Stefanie Stahl: Sex ist deshalb in bindungsphobischen Beziehungen oft so ein wichtiges Thema, weil die betroffenen Partner sich nie sicher fühlen. Es ist wie eine ständige Neueroberung: Die Unsicherheit und Angst befeuert die Leidenschaft. Bei den Bindungsängstlichen selbst muss das hingegen nicht unbedingt so sein – sie befinden sich ja häufig auf der Flucht.
Allerdings gibt es bindungsängstlich-gleichgültige Typen, die kaum oder keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben, beispielsweise narzisstisch gestörte Menschen, die nur über Sex und ähnliche Situationen Zugang zu ihren Gefühlen bekommen. Stellen Sie sich vor, ein Mensch sagt nach erfülltem Sex, er sei eins gewesen, eins mit sich selbst, statt eins mit Ihnen! Er oder sie habe sich selbst gefühlt. Dieser bindungsängstliche Mensch verwechselt dann Liebe mit Sex, glaubt Sie zu lieben, obwohl er in Wirklichkeit gespürt hat, sich selbst zu lieben. Solche Menschen haben große Angst vor zu viel Nähe, vor allem zu sich selbst und zu anderen Menschen. Und dann werden sie regelrecht süchtig nach dem “Stoff”, in dem Falle Sex. Jede Abspaltung von sich selbst führt in eine Abhängigkeit (volkstümlich auch als “Sucht” bezeichnet) mit stoffgebundenen Süchten wie Alkohol, Drogen oder in eine Co-Abhängigkeit mit nicht stoffgebundenen Süchten wie nach Liebe, Beziehung, Sex, oder Sport, Fernsehen, Arbeit oder vielem anderen.
Lesen Sie dazu auch im Interview mit der Berliner Psychologin und Buchautorin Dr. Barabara Kiesling:
“Welche Rolle spielt die Sexsucht bei Beziehungsabhängigkeit?”
Lesen Sie im nächsten und letzten Teil des Interviews, der am Freitag erscheint:
“Hoffnung für Ex-Partner von bindungsängstlichen Menschen”
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3 Kommentare zu “Warum sind Bindungsängstliche sexsüchtig?”
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Guten Tag
Sind eigentlich bindungsunfähige Menschen therapierbar? weil sie wissen selber ja nicht dass sie eigentlich eine störung haben, das ist das tragische. Die werden nehme ich an Beziehungen zu diesen Menschen haben die sie nicht lieben, obwohl der andere meint, dass er es ernst mit ihr meint. Und wie entsteht diese Störung, durch Eltern oder schlechte Erfahrung mit einer Frau ?
Hallo,
in der Interviewreihe mit Stefanie Stahl erhalten Sie Antworten auf Ihre ersten Fragen (http://liebesfibel.de/kategorie/serien/bindungsangst/).
Ich empfehle zudem Stefanie Stahls Buch: “Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen.” Darin finden Sie einfach und anschaulich erklärt, woher Bindungsangst kommt, nämlich vornehmlich aus der Kindheit und dem Elternhaus. Schlechte Erfahrungen machen wir alle mal und werden vorsichtiger. Aber Bindungsangst ist eine sehr ernst zu nehmende Angststörung, hinter der sich andere Störungen verbergen (http://liebesfibel.de/bindungsangst-was-ist-das-wie-zeigt-sie-sich/).
Ganz vereinfacht gesprochen sind immer neue, erotische und sexuelle Eroberungen ja eine prima Möglichkeit, nicht in einer Beziehung auszuharren. Wer nicht in einer Beziehung bleiben kann, fühlt sich oft aber schlecht und kann sich mit neuen Eroberungen wieder beweisen, wie toll er (oder sie!) eigentlich dennoch ist.