von
Jürgen Christ

Die Co-Autorin der Liebesfibel und Autorin unserer Blogserie zum Thema Beziehungssucht, Dr. Barbara Kiesling, stellt uns freundlicherweise Auszüge aus ihrem neuen Buch ‘Seid möglichst glücklich miteinander‘ zur Verfügung.
In einer ersten zweiteiligen Reihe, die wir in den nächsten Tagen veröffentlichen, beschäftigt sie sich zunächst mit den Themen Treue und Untreue.
Beschreibung des Inhalts: Wer die Voraussetzungen für eine “Himmelsbeziehung” kennt, ist eher in der Lage, selbst eine solche führen zu können. Und wer sich – wie die meisten Menschen – einen treuen Partner wünscht, müsste lediglich wissen, unter welchen Umständen ein Partner treu bleibt. Viele Paare könnten tatsächlich glücklicher sein, wenn sie mehr über das ,,Wesen Partnerschaft” wüssten. In diesem Buch werden sämtliche Antworten gegeben, die auch für Ihre Partnerschaft von Bedeutung sind. Und nicht nur für Filmfans wird die Frage beantwortet, weshalb die Liebe der schönen Scarlet O’Hara ohne Happy End geblieben ist. Das Besondere an diesem Buch ist, dass die wichtigsten Zusammenhänge durch 35 niedliche Illustrationen anschaulich gemacht sind.
Das Buch ist im NOEL-Verlag erschienen, kostet 19,90 Euro, von Dr. Barbara Kiesling und ist bei Amazon erhältlich.
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Jürgen Christ
Treue
Die meisten Menschen halten die Treue eines Partners für eine der wichtigsten Eigenschaften. Dabei ist Treue nicht so sehr eine Eigenschaft an sich, sondern treues Verhalten ist vielmehr an die Beziehung gebunden. Sie ist ein Indiz dafür, dass die Beziehung intakt ist. Denn abgesehen von den „notorischen Fremdgängern“, die mit ihren Aktionen versuchen, eine versäumte Ablösung vom Elternteil nachzuholen, sind viele Menschen durchaus treu, solange es in der Beziehung keine bedeutenden Störfelder gibt.
Das heißt, solange zwischen zwei Partnern Eintracht und Harmonie herrscht, sind sie sich in der Regel auch treu. Sie haben – bildlich gesehen – so etwas wie einen imaginären Zaun um sich herum. Ihre Beziehung ist nach außen durch eine durchlässige, aber dennoch sichere Grenzziehung relativ abgeschottet.

Illustration von Barbara Kiesling
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Jürgen Christ

Foto: JMG, pixelio.de
52% aller deutschen Paare glauben an die „ewige Liebe“. Dem gegenüber steht eine ziemlich hohe Scheidungsquote, sowie etwa 15-17 Mio. Singles und zirka 2500 Online-Singlebörsen, -Partnervermittlungsagenturen und -Seitensprungplattformen. Ist das Modell bzw. der Traum von der „ewigen Liebe“ überholt und existieren stattdessen nicht längst neue Beziehungsformen wie “Lebensabschnittsgefährten”?
Volker Drewes: Der Glaube an die “ewige Liebe” ist ja zunächst etwas, das sehr schön klingt und erst einmal positive und hoffnungsvolle Gefühle weckt. Inhaltlich hat dies zum einen mit dem Konzept der “romantischen Liebe” zu tun, die sich historisch erst im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Vorher war die Ehe eher eine Einrichtung, die rationalen Beweggründen untergeordnet war. Man heiratete, um sich versorgen zulassen, für den Nachwuchs zu sorgen oder eine Dynastie abzusichern. Die Gefühlslage der Beteiligten spielte eine untergeordnete Rolle, obwohl natürlich die Idee der Liebesheirat schon viel früher existiert hat – nur hat man dies denjenigen überlassen, die es sich leisten konnten oder seine Phantasie an Romanfiguren entzünden lassen.
Dies änderte sich vor allem im Zusammenhang mit der Emanzipation der Frau und der zunehmenden Befreiung des Individuums in den westlichen Gesellschaften. Jetzt heißt es: was für einige wenige gilt, soll auch für mich gelten.
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Jürgen Christ

Foto: Manuala Maar, pixelio.de
Welche bewussten aber auch unbewussten Kriterien spielen bei der Partnerwahl eine Rolle?
Volker Drewes: Bei der Partnerwahl spielen sehr viele unterschiedliche Kriterien eine Rolle. Welche dies sind und welchen Stellenwert sie jeweils haben, ist seit Jahrzehnten eine immer wieder neu aufgegriffene Fragestellung, vor allem der Sozialpsychologie, aber auch der Evolutionspsychologie, einer Wissenschaftsrichtung, die Erkenntnisse aus dem biologischen und dem psychologischen Bereich zusammenbringt.
Zunächst einmal läßt sich sagen, dass die Kriterien bei der Partnerwahl auch immer vom gesellschaftlichen Kontext abhängig sind, so dass eben auch kulturelle Aspekte – je nach Einfluß auf das Individuum – eine große Bedeutung haben.
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Jürgen Christ

Pinocchio. Foto: Wikimedia, Parpan
Lizenz: CC 3.0
Wie kann man erkennen, ob ein potentieller Partner, ein Dating-Kandidat, lügt bzw. nicht der ist, als der er sich ausgibt?
Volker Drewes: Dies ist eine schwierige Frage. Ich möchte zunächst unterscheiden zwischen der – eher normalen und üblichen – Tendenz, sich beim Kennenlernen von seiner “besten Seite” zeigen zu wollen, ferner einer gewissen Profilierungssucht, wie sie häufiger bei Männern vorkommt, wenn sie sich neu “vorstellen” – und einem notorischen Lügner, der sich als jemand ausgibt, der er gar nicht ist oder vollkommen falsche Angaben über seine Person macht.
Die erstere Kategorie ist leicht zu erkennen, und man wird sich sicherlich auch selbst dazu zählen dürfen. Im Gegenteil: es ist sogar ungünstig, den potenziellen Partner gleich mit allzu viel “Wahrheiten” zu konfrontieren.
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