Bindungsangst und Sexsucht

Warum sind Bindungsängstliche sexsüchtig?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Sex ist deshalb in bindungsphobischen Beziehungen oft so ein wichtiges Thema, weil die betroffenen Partner sich nie sicher fühlen. Es ist wie eine ständige Neueroberung: Die Unsicherheit und Angst befeuert die Leidenschaft. Bei den Bindungsängstlichen selbst muss das hingegen nicht unbedingt so sein – sie befinden sich ja häufig auf der Flucht.

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Hilft das Hormon Oxytocin gegen Bindungsangst?

Das Hormon Oxytocin wird auch als Bindungs- oder Kuschelhormon bezeichnet. Gibt es künstliches Oxytocin, das die Bindungsangst verringern könnte? Oder kann man die Oxytocin-Ausschüttung selbst manipulieren und damit die Bindungsangst verringern, beispielsweise durch Massagen, Licht, Singen, Reittherapie, Tanzen, Theater spielen, Yoga, Meditation oder mit Klängen wie von Klangschalen?

Dazu habe ich den Arzt Dr. Dr. Herbert Mück – Mitautor der Liebesfibel – sowie unsere Interviewpartnerin, Psychotherapeutin und Buchautorin Stefanie Stahl befragt:

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Bindungsangst: Ist sie heilbar?

Ist Bindungsangst heilbar? Besteht Hoffnung? Oder ist Bindungsangst – ähnlich wie Abhängigkeit – unheilbar und kann nur zum Stillstand gebracht werden? Kontrolliertes Trinken ist für einen alkoholkranken Menschen ja auch unmöglich, verhält es sich mit der Bindungsangst ähnlich? Kann ein bindungsängstlicher Mensch sich überhaupt jemals binden – oder gibt es auch Bindungsängstliche mit unheilbarem Hirnschaden?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Wenn der Bindungsängstliche motiviert ist, an seinem Problem zu arbeiten, kann man schon eine Menge bewirken. Allerdings haben die größeren Erfolgschancen jene, die auch einen persönlichen Leidensdruck verspüren. Das sind zumeist jene, die auch tatsächlich ihre Ängste als solche fühlen. Diejenigen hingegen, die eher Gleichgültigkeit in Bezug auf ihren Partner und Liebesbeziehungen im Allgemeinen empfinden, weisen weniger Leidensdruck auf und sind auch therapeutisch schwerer zu erreichen. Die Bindungsängstlichen vom gleichgültigen Typus haben allgemein wenig Zugang zu ihren Gefühlen. Ihre emotionale Amplitude ist flach. Dies erschwert die therapeutische Veränderung. Allerdings kann man auch bei ihnen noch einiges bewirken.


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Kann das Hormon Oxytocin gegen Bindungsangst helfen?

Bindungsangst und das Selbstwertgefühl

Offenbar mangelt es bindungsängstlichen Menschen an Selbstwertgefühl. Wie kann man das eigentlich lernen?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Oh je, diese Frage ist so komplex, das ich ein ganzes Buch hierüber geschrieben habe. Wichtig ist, dass man sich mit seinen Schwächen akzeptiert und nicht ständig einem Idealselbst hinterherläuft, nach dem Motto: Ich muss noch schöner, klüger und fähiger werden. An dieser Selbstakzeptanz muss man arbeiten, diese stellt sich natürlich nicht bloß durch einen guten Vorsatz ein.

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Bindungsängstliche Menschen: Beruflich erfolglos?

Warum sind bindungsängstliche Menschen erfolglos und lieblos, auch in ihrem Berufsleben?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Bindungsängstliche sind nicht zwangsläufig beruflich erfolglos. Im Gegenteil, manche von ihnen sind sogar sehr erfolgreich, weil sie sich in ihrer Karriere nicht von persönlichen Bindungen und Familie aufhalten lassen. Andere hingegen sind tatsächlich aufgrund ihres Problems auch beruflich wenig erfolgreich, weil ihr Widerwillen sich festzulegen und Erwartungen anzupassen, sie dazu verleitet, auch in beruflichen Beziehungen immer wieder auszubrechen beziehungsweise abzubrechen.

Mit der Freundschaft verhält es sich ähnlich: Bei manchen Bindungsängstlichen wird ihr Problem nur in Liebesbeziehungen virulent und sie können gute und verbindliche Freunde sein. Andere tun sich hingegen auch in Freundschaften schwer, sich verbindlich zu verhalten und gewisse Erwartungen, die auch in Freundschaften nicht ausbleiben können, zu erfüllen. Wie gesagt, sind Bindungsängstliche beständig um ihre persönliche Autonomie und Freiheit besorgt. Diese Ich-Angst kann ihnen auch Freundschaften erschweren. Der Mechanismus – beruflich und freundschaftlich – ist stets der Gleiche: Du willst, dass ich die Vase links hinstelle, also stelle ich sie nach rechts!


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Die Bindungsangst und das Selbstwertgefühl

Können Bindungsängstliche wieder eine Beziehung eingehen?

Wenn ein bindungsängstlicher Mensch seine Bindungsangst erkannt und auch akzeptiert hat: Darf er oder sie nie wieder eine Beziehung eingehen?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Das wäre ja eine unsinnige Forderung. Wichtig ist, sein Problem zu reflektieren. Wenn ich schon erkannt habe, dass ich unter Bindungsangst leide und verstehe, wie sich dies auf mein Verhalten auswirkt, dann bin ich ja schon einen großen Schritt weiter. Viele Betroffene gehen dann zum Beispiel die nächste Beziehung sehr viel offener an, indem sie die Karten von Anfang an auf den Tisch legen und ihrem – zukünftigen – Partner ihr Problem mitteilen. Hierdurch entsteht Transparenz und der Partner weiß schon mal, worauf er sich einlässt. Gleichwohl ist die Erkenntnis des Problems noch nicht dessen ganze Heilung. Folglich bemühen sich viele Bindungsängstliche, wenn sie ihrem Problem auf die Schliche gekommen sind, um Veränderung. Ich bekomme ständig Anfragen für Psychotherapie beziehungsweise Anfragen, ob ich Psychotherapeuten in der Nähe des Wohnortes empfehlen kann. Allerdings kann es auch, zumindest vorübergehend, eine vernünftige Lösung sein, sich von Liebesbeziehungen fernzuhalten, wenn man genau weiß, dass man ohnehin wieder davonlaufen beziehungsweise den Partner verletzen wird.


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Warum sind Bindungsängstliche in ihrem Leben erfolglos und lieblos?

Bindungsangst: Was ist passive Aggressivität?

Aktive Aggressionen sind bekannt, beispielsweise in Form von körperlicher Gewalt. Aber passive Aggressionen als Ausdruck von Bindungsangst? Ein Kommunikationsexperte sprach einmal von Mord z.B. bei Schweigen … Was ist passive Aggressivität?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Psychologisch kann man zwischen aktiven und passiven Aggressionen unterscheiden. Unter aktiven Aggressionen verstehen wir solche, die auch für Außenstehende klar als Aggression zu erkennen sind: Sei es durch verbale Angriffe, Beleidigungen, Streit oder auch körperliche Gewalt. Die passive Aggression zeigt sich hingegen nicht offen, sondern versteckt. Das Wort „mauern“ bezeichnet gut das Wesen der passiven Aggression. Nicht-reagieren, Zuspätkommen, Trödeln, Vergesslichkeit, Schweigen, sexuelle Verweigerung sind typische Verhaltensweisen, mit denen passive Aggression ausgelebt werden. Eine weitere Methode, um passive Aggression zu leben, die Bindungsängstliche gern verwenden, ist die Flucht. Flucht in die Arbeit, Flucht in Hobbys, Flucht in sexuelle Abenteuer usw. Bei der passiven Aggression geht es darum, dem Gegenüber etwas zu verweigern, ohne für dieses „Nein“ eine klare Verantwortung zu übernehmen. Der passiv-Aggressive zeigt dem Konfliktpartner seine Verweigerung, seine Wut nicht, sondern er lässt ihn auflaufen beziehungsweise am gestreckten Arm verhungern. Dies bringt das Opfer in eine hilflose Position, die es sehr wütend machen kann. Das Opfer empfindet dann jene Wut, die der passiv-Aggressive in sich trägt.


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Können Bindungsängstliche sich jemals wieder auf eine enge Beziehung einlassen?