Dauergeil: Hilfe, ich bin sexsüchtig!

Für die Betroffenen dreht sich der gesamte Alltag zwanghaft nur um Sex. Sie leiden, ähnlich wie Alkoholabhängige oder Medikamentenabhängige unter ihrer Sucht. Problematisch: Sexsucht – eine nicht stoff-gebundene Sucht – wird nicht als Krankheit anerkannt.

Diese TV-Doku, in der betroffene Frauen und Männer offen reden, lief u.a. auf Phoenix.

Sich zu schnell auf neue Beziehungen einlassen

Scherben bringen nicht immer Glück. Foto: Tim Reckmann, pixelio.de
Scherben bringen nicht immer Glück. Foto: Tim Reckmann, pixelio.de

 

Lernen wir einen neuen Menschen kennen, und fühlen wir uns mit ihm geborgen und wohl, der Sex ist auch noch verdammt gut und es bestehen gemeinsame Interessen, ja, wer möchte diesen Menschen sofort wieder gehen lassen?

Lebenslanges Lernen als Voraussetzung

Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die sich fragen, warum sie nie den/die Richtige(n) finden. Dieser Beitrag richtet sich auch an die Menschen, deren Beziehungen immer wieder aufs neue zerbrechen – viele davon sehr schmerzhaft. Ebenso an die Menschen, die trotz zahlreicher sexueller Affären sich tief im Herzen sehnsüchtig einen festen Partner wünschen, aber nicht über die Bettkante hinaus kommen. Sowie an die Menschen, die Polyamorie mit Sex-Freundschaften (engl. „Fuck Buddies“) verwechseln, sich in Wirklichkeit aber Nähe und Verbindlichkeit herbei sehnen – einen einzigen Menschen, der Freund, Liebhaber und Partner zugleich sein kann. Aber auch an die Menschen, die immer wieder in Abhängigkeiten geraten, die in einem Disaster enden.

Wer sich nach einer zufriedenen, längeren Partnerschaft sehnt, muss lernen…statt nur hedonistischen Spaß zu suchen. Und sich von der Vorstellung lösen, dass eine zufriedene, stabile Partnerschaft von alleine entsteht, nur weil der Sex am Anfang gut läuft.

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Bindungsangst und Sexsucht

Warum sind Bindungsängstliche sexsüchtig?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Sex ist deshalb in bindungsphobischen Beziehungen oft so ein wichtiges Thema, weil die betroffenen Partner sich nie sicher fühlen. Es ist wie eine ständige Neueroberung: Die Unsicherheit und Angst befeuert die Leidenschaft. Bei den Bindungsängstlichen selbst muss das hingegen nicht unbedingt so sein – sie befinden sich ja häufig auf der Flucht.

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Bindungsangst: Sexsucht

Welche Rolle spielt der Sex? Kann man sexuell abhängig von Bindungsängstlichen – wie von Beziehungsabhängigen – werden?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Sex mit Bindungsphobikern hat etwas Unwiderstehliches, weil der bindungsängstliche Partner einem nie sicher ist. Die Partner von Bindungsängstlichen leben zumeist in chronischer Verlustangst. Dies befeuert die Leidenschaft ungeheuer. Die Beziehung mit Bindungsängstlichen bleibt zumeist in der Anfangsphase stecken, wobei sich diese Anfangsphase auch über viele Jahre hinziehen kann. Dies liegt daran, dass der Bindungsängstliche sich nie wirklich auf die Beziehung einlässt und sich hierdurch beim Partner nie ein Gefühl der Sicherheit einstellt.

Bekanntermaßen sind Sicherheit und Leidenschaft ja Gegenspieler, weswegen viele Paare, die in langjährigen und verbindlichen Beziehungen leben, ja häufig einen Mangel an Leidenschaft beklagen. In bindungsängstlichen Beziehungen werden die Partner ständig angefüttert, aber nie satt. Das ist so, wie wenn im Restaurant immer nur die Vorspeise serviert würde und der Hauptgang ausbleibt. Das löst ein ungeheures Verlangen nach Mehr aus, das geradezu süchtig machen kann.


Lesen Sie im nächsten Teil:
Was passiert, wenn beide Partner Bindungsstörungen aufweisen, beispielsweise der eine beziehungsabhängig und der andere bindungsängstlich ist?

Beziehungssucht und Sexsucht – Gehört dies zusammen?

Gehört zu einer Beziehungsabhängigkeit nicht auch die Sexsucht? Oder ist guter Sex gleich Liebe? 

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Abhängigkeiten jeder Art entstehen – wie bereits mehrfach erwähnt – auf der Basis traumatischer Kindheitserfahrungen. Bei traumatisierten Menschen kann sich eine Vielzahl unterschiedlicher Störungsbilder entwickeln. Welche dies im Einzelnen sind, hängt von verschiedenen, nahezu unüberschaubaren Faktoren ab. Gegenüber den sogenannten substanzgebundenen Süchten, bei denen der Suchtkranke von Substanzen wie Drogen, Alkohol oder Nikotin abhängig ist, und den sogenannten prozessgebundenen Süchten wie Spiel- oder Arbeitssucht, hat die Sexsucht aus meiner Sicht eine ganz besondere Bedeutung. Zeigt sich doch darin sehr anschaulich, woran diese Menschen kranken: nämlich an der Sehn-Sucht nach einem tiefen Austausch mit einem anderen Menschen. Letztlich ist es die Sehn-Sucht nach Liebe. Allerdings wird Liebe mit Sexualität verwechselt.

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Beziehungssucht: Ungesunde Liebe?

Ist das überhaupt noch Liebe? Kann Liebe krank machen?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Nein! Liebe kann nicht krank machen! Liebe ist die größte und schönste Kraft, die uns Menschen gegeben ist. Wie könnte sie krank machen? Im Gegenteil: Liebe heilt.  Liebe, so wie ich sie verstehe, ist nicht nur ein Gefühl. Es ist vielmehr ein Seinszustand. Im Englischen wird es deutlicher: „To be in Love“, also „in Liebe sein“.

Wer meint, durch einen Liebespartner krank geworden zu sein, befindet sich im Irrtum. Es gibt tatsächlich viele Liebesbeziehungen, die als „krank“ bezeichnet werden können. In diesen Fällen waren die Beteiligten jedoch schon vor dieser Beziehung „krank“. Mit „krank“ meine ich das Vorliegen einer Beeinträchtigung oder Einschränkung der normalen seelischen Funktionen. Das Wort „krank“ möchte ich allerdings vermeiden. Wer möchte schon gerne als seelisch krank bezeichnet werden? Und dennoch trifft dies zumindest für diejenigen zu, die in einer sogenannten Abhängigkeits- oder Misshandlungsbeziehung leben. In solchen Beziehungen kann es zu körperlichen Übergriffen kommen oder auch nicht. Kennzeichnend ist, dass sich die Partner gegenseitig verletzen und dennoch so aneinander hängen, dass sie sich nicht aus dieser Beziehung befreien können.

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