von
Jürgen Christ
Welche Hoffnung möchten Sie persönlich Partnern oder Ex-Partnern von Bindungsängstlichen – nach einer Trennung – mit auf ihren Weg geben? Nach Erich Fromm gehört zu einem authentischen Leben: Glaube und Mut, oder?
Stefanie Stahl: An Liebeskummer stirbt man nicht. Der verheilt mit der Zeit. Und dies umso schneller, je weniger Selbstmitleid man sich gönnt. Man sollte im Auge behalten, dass Liebeskummer viel mit persönlicher Kränkung zu tun hat, will heißen: War ICH nicht schön, toll, gut genug? Zu 90% weint man um sich selbst. Es geht also gar nicht so sehr um den oder die Angebeteten, wie man es zu fühlen meint. Ein wesentlicher Anteil der Leidenschaft für Menschen, die man nicht bekommen kann, ist, dass man sie nicht bekommen kann.
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von
Jürgen Christ
„Wir sind hier, weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er wird allein sein.
Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unseren Nächsten? Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet. In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein – wie im Tod – sondern lebendig als Mensch unter Menschen.”
Richard Beauvais (1964)