Artikel zum Thema:
'Selbstliebe'

von Jürgen Christ

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich besinnliche und erholsame Feiertage sowie ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2012.

Im neuen Jahr starten wir auch mit einer neuen Serie:
“Ich selbst und ‘mein inneres Kind’”:
Liebe leben – mit mir selbst und mit meinem Partner”

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von Jürgen Christ

Welche Hoffnung möchten Sie persönlich Partnern oder Ex-Partnern von Bindungsängstlichen – nach einer Trennung – mit auf ihren Weg geben? Nach Erich Fromm gehört zu einem authentischen Leben: Glaube und Mut, oder?

Stefanie Stahl: An Liebeskummer stirbt man nicht. Der verheilt mit der Zeit. Und dies umso schneller, je weniger Selbstmitleid man sich gönnt. Man sollte im Auge behalten, dass Liebeskummer viel mit persönlicher Kränkung zu tun hat, will heißen: War ICH nicht schön, toll, gut genug? Zu 90% weint man um sich selbst. Es geht also gar nicht so sehr um den oder die Angebeteten, wie man es zu fühlen meint. Ein wesentlicher Anteil der Leidenschaft für Menschen, die man nicht bekommen kann, ist, dass man sie nicht bekommen kann.

Letztlich kann man an einer gescheiterten Beziehung wachsen, indem man versucht sich selbst besser zu verstehen: Nach welchen Kriterien wähle ich meine Partner? Wie viel persönliche Eitelkeit spielt hierbei eine Rolle? Was erwarte ich von einer Partnerschaft? Ganz wichtig ist, dass man lernt, sich soweit in sich selbst zu beheimaten, dass man auch ohne Partnerschaft ein erfülltes Leben führen kann. Dies ist auch die beste Voraussetzung, damit eine Liebesbeziehung gelingen kann.

Meiner Meinung nach ist hierfür das Gefühl der „großen Verliebtheit“ am Anfang der Beziehung auch gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger für den langfristigen Erhalt ist, dass man wirklich gut zusammen passt, was die persönlichen Einstellungen, Interessen und Vorlieben betrifft.

Danke für Ihre Zeit!

Stefanie Stahl
Stefanie Stahl ist Psychotherapeutin, Buchautorin und Gerichtsgutachterin in Trier. Ihr neuestes Buch, “Leben kann auch einfach sein! So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl”, erschien im Herbst.

Lesen Sie in den letzten beiden Teilen unserer Serie:
Trennung von einem bindungsängstlichen Ex-Partner überwinden: “Was jetzt zählt, bist nur DU!”

sowie:

“Krankhafter Narzissmus und Beziehungsabhängigkeit: Sprengstoff für zwei Seelen.”

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von Jürgen Christ

„Wir sind hier, weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er wird allein sein.

Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unseren Nächsten? Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet. In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein – wie im Tod – sondern lebendig als Mensch unter Menschen.”

Richard Beauvais (1964)

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