‚Mayday‘: SM-Selbsthilfe

Foto: Etienne Rheindahlen, pixelio.de
Foto: Etienne Rheindahlen, pixelio.de

Lust und Schmerz – gehören sie wirklich zusammen? Du hast erste SM-/BDSM-Erfahrungen gesammelt, bist verwirrt – oder lange dabei und möchtest aus der SM-/BDSM-Szene aussteigen? Hast viele Fragen? ‚Mayday‘ hat Antworten!

Bei meinen Recherchen in der SM-Online-Szene habe ich Sven kennen gelernt, der das Thema sehr behutsam aus eigener Erfahrung angeht – und Menschen mit seiner Initiative Mayday helfen kann.

Hier das Interview mit ihm – nicht nur von Interesse für SM- und BDSMler – auch für „Normalos“ mit tiefer gehenden Beziehungsproblemen. Lust & Schmerz – hängen manchmal mehr zusammen, als Du denkst.

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Sadomasochismus: Ruft das Internet verstärkt SM und andere Praktiken hervor?

Hat das Internet nach Ihrer Ansicht durch die Anonymität und Entfremdung von Körper und Gefühlen SM und andere Praktiken hervorgerufen, bestärkt oder beschleunigt? Belügen wir uns – online – nicht eher selbst? Alles nur ein Mittel gegen Einsamkeit?

racRobert Coordes: Sicherlich ist das Internet als fast unbegrenztes Kommunikationsmedium daran maßgeblich beteiligt, „SM und andere Praktiken“ zu bestärken und deren Verbreitung zu beschleunigen; hervorgerufen hingegen hat es sie nicht. Es ist eindeutig nachweisbar, dass SM älter ist als das junge Internet.

Unsere Gesellschaft ist durch eine zunehmende Beziehungslosigkeit und Selbst-Entfremdung zu beschreiben. Sicherlich ist die Frage danach, ob das Internet maßgeblichen Beitrag dazu leistet oder umgekehrt, ob das Internet selbst nur Ausdruck der individuellen Themen unserer Zeit ist, sehr berechtigt. Doch bringt die Antwort uns wirklich weiter, wenn wir nach therapeutischen Methoden und nach Entwicklungswegen suchen?

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Hat sich unsere Gesellschaft heimlich zu einer hedonistischen SM-Gesellschaft entwickelt?

Foto: D.Braun, pixelio.de
Foto: D.Braun, pixelio.de

Wir leben in einer immer stärker wachsenden hedonistischen Gesellschaft, die ihre Genüsse, Freuden und Lüste auslebt. Beispielsweise die Kitkatclubs – und deren anderweitige Ausdehnung deutschlandweit. Es gibt kaum mehr eine Stadt, in denen nicht solche Partys mit großem Zulauf stattfinden.

Nach meinen Recherchen in der Szene schreiben aber – im Gegensatz – zum Hedonismus – einige Besucher solcher Partys von Sinnentleerung, tiefer Einsamkeit, kaum mehr anderen Wegen zu ihren Gefühlen – und vor allem von tiefen Schmerzen, denen sie sich selber immer wieder aussetzen. Ist unsere Gesellschaft heimlich zu einer hedonistischen SM-Gesellschaft geworden?

bvuBettina Uzler: Hedonismus wird uns vielleicht als Zeitgeist verkauft, wir leben stattdessen allerdings in einer Zeit und in einer Gesellschaft, in der Sexualität und Beziehung wie eine Ware an jeder Ecke feilgeboten werden. Mit Genuss, Überschwang und Lebensfreude hat dies in der Regel herzlich wenig zu tun. Die Anzahl der Singles, die verbindliche Beziehungen meiden und sich hin- und wieder (sexuelle) Kicks besorgen, steigt massiv an. Sex wird dort zur Verdienstquelle und zum beliebten Konsumartikel, wo Menschen sich abgeschnitten und fremdbestimmt fühlen und eben nicht so einfach mit anderen in Beziehung treten können.

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Sadomasochismus:
Wann ist eher eine Therapie angesagt?

Wann würden Sie in einer „normalen“ Paartherapie das Thema SM zum Thema machen? Und wie würden sie es angehen?

racRobert Coordes: In unserer Praxis arbeiten wir normalerweise mit den Themen, die Paare mitbringen.

Diese können offensichtlich sein, häufiger jedoch sind unterschwellige Machtkämpfe, destruktives Beziehungsverhalten, emotionaler Missbrauch und Gewalttendenzen zu beobachten.

Wenn sich diese Themen im Laufe einer Therapie zeigen, ob nun bei Einzelklienten oder bei Paaren, arbeiten wir daran, diese Themen ans Licht zu holen, damit die Auseinandersetzung auf einer direkten und bewussten Ebene stattfinden kann. Die Schattenseiten, die eine Beziehung meist maßgeblich beeinflussen, sind in der Regel tabuisiert. Dadurch entziehen sich diese Aspekte dem Einfluss der Partner und zeigen sich in der Regel kindlich und archaisch.

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Sadomasochismus:
Worin liegt die Unterscheidung zwischen „normal“ und „ungesund“?

Worin liegt die Unterscheidung zwischen „normal“ und „ungesund“ (oder gar „krank“) – und skurril oder verrückt?

bvuBettina Uzler: Was in einer bestimmten Kultur und Epoche als „normal“, was als „ungesund, unnormal oder verrückt“ gilt wird in der Regel gesellschaftlich und kulturell definiert, vom Geist der Zeit bestimmt und von den jeweiligen angesagten Wissenschaftlern festgelegt.

In einigen Staaten in Afrika und in manchen arabischen Ländern könne noch heute Todesurteile über schwule Männer verhängt werden, zumindest jedoch sehr lange Haftstrafen. Das in Ländern mit dieser Gesetzeslage Homosexualität als etwas Krankhaftes, als von der Norm abweichendes Sexualverhalten gesehen wird, scheint klar. Auch bei uns war bis zur Version 10 des ICD (International Classification of diseases) 1992 Homosexualität als psychisches Krankheitsbild gelistet.

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Sind Sadomasochisten gestörte Persönlichkeiten?

Sind Sadisten oder Masochisten durch besondere psychologische Merkmale gekennzeichnet, beispielsweise durch Persönlichkeitsstörungen wie krankhaften Narzissmus?

racRobert Coordes: Auf der Internetseite datenschlag.org, einer Informationsplattform für SM-Interessierte, findet man unter der Rubrik „Die Psychologie des Sadomasochismus“ folgende Anmerkung: „…es keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass SM-Anhänger irgendeine gemeinsame Psychopathologie oder gemeinsame Symptome haben.“

Aus der klinischen Literatur ist kein konsistentes Bild von SM-Anhängern hervorgegangen. Es hat einige begrenzte Versuche gegeben, psychologische Tests zur Unterscheidung einer SM-Stichprobe und einer Kontrollgruppe anzuwenden, doch wurden keine nennenswerten Unterschiede festgestellt (Gosselin & Wilson 1980; Miale 1986; Moser 1979).

In der psychologischen Typisierung nach A. Lowen findet sich ein masochistischer Charakter – dieser ist allerdings nicht einer sexuellen Präferenz gleichzusetzen. Sadomasochismus selbst ist als Teil des Formenkreises der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen als Störung der Sexualpräferenz im ICD 10 unter der Schlüsselnummer F65.5 gelistet – d.h. Sadomasochismus selbst gilt unter gewissen Umständen als psychopathologisch relevantes Störungsmuster.

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Sadomasochismus: Sexualität eng mit Kindheit und Jugend verbunden

Foto Gabriele Remscheid, pixelio.de
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Ich habe bei meinen Recherchen Menschen kennen gelernt, die emotionale und verbale Formen von SM praktizieren, die Lust dabei empfinden, wenn sie andere Menschen mit Worten oder beispielsweise ausbleibenden Handlungen, z.B. Unzuverlässigkeit – oder durch gezielte Untreue verletzen. Ist das überhaupt noch SM? Wie geht man damit als Freund oder Partner um?

bvuBettina Uzler: In der SM-Szene gibt es eine Regel die sich Safe, Sane and Consensual, kurz SSC nennt, zu deutsch „sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“.

Grob gesagt bedeutet dies, dass die Spielpartner keine gesundheitlichen Risiken eingehen die sie nicht überschauen können, dass sie Fantasie von der Realität unterscheiden können und das alles in gegenseitigem Einvernehmen geschieht. Die Rahmenbedingungen werden vor dem Spiel besprochen. Es gibt ein „Safeword“ mit dem das Spiel beendet wird, wenn etwas zu weit geht.

All diese Dinge zu klären und zu besprechen bevor man sich auf ein Spiel mit SM-Elementen einlässt bedeutet, dass alle Beteiligten um einen bewussten Umgang mit dieser Situation bemüht sind und dass sie sich mit ihren Fantasien und Wünschen offen auseinander setzen.

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