Sadomasochismus:
Worin liegt die Unterscheidung zwischen „normal“ und „ungesund“?

Worin liegt die Unterscheidung zwischen „normal“ und „ungesund“ (oder gar „krank“) – und skurril oder verrückt?

bvuBettina Uzler: Was in einer bestimmten Kultur und Epoche als „normal“, was als „ungesund, unnormal oder verrückt“ gilt wird in der Regel gesellschaftlich und kulturell definiert, vom Geist der Zeit bestimmt und von den jeweiligen angesagten Wissenschaftlern festgelegt.

In einigen Staaten in Afrika und in manchen arabischen Ländern könne noch heute Todesurteile über schwule Männer verhängt werden, zumindest jedoch sehr lange Haftstrafen. Das in Ländern mit dieser Gesetzeslage Homosexualität als etwas Krankhaftes, als von der Norm abweichendes Sexualverhalten gesehen wird, scheint klar. Auch bei uns war bis zur Version 10 des ICD (International Classification of diseases) 1992 Homosexualität als psychisches Krankheitsbild gelistet.

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Sind Sadomasochisten gestörte Persönlichkeiten?

Sind Sadisten oder Masochisten durch besondere psychologische Merkmale gekennzeichnet, beispielsweise durch Persönlichkeitsstörungen wie krankhaften Narzissmus?

racRobert Coordes: Auf der Internetseite datenschlag.org, einer Informationsplattform für SM-Interessierte, findet man unter der Rubrik „Die Psychologie des Sadomasochismus“ folgende Anmerkung: „…es keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass SM-Anhänger irgendeine gemeinsame Psychopathologie oder gemeinsame Symptome haben.“

Aus der klinischen Literatur ist kein konsistentes Bild von SM-Anhängern hervorgegangen. Es hat einige begrenzte Versuche gegeben, psychologische Tests zur Unterscheidung einer SM-Stichprobe und einer Kontrollgruppe anzuwenden, doch wurden keine nennenswerten Unterschiede festgestellt (Gosselin & Wilson 1980; Miale 1986; Moser 1979).

In der psychologischen Typisierung nach A. Lowen findet sich ein masochistischer Charakter – dieser ist allerdings nicht einer sexuellen Präferenz gleichzusetzen. Sadomasochismus selbst ist als Teil des Formenkreises der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen als Störung der Sexualpräferenz im ICD 10 unter der Schlüsselnummer F65.5 gelistet – d.h. Sadomasochismus selbst gilt unter gewissen Umständen als psychopathologisch relevantes Störungsmuster.

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