Psychische Probleme wegen Polyamorie?

Haben Sie in Ihrer Praxis bereits psychische Probleme wegen Polyamorie erlebt?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Aus meiner Sicht gibt es keine spezifischen Folgen von Polyamorie, sondern nur Beziehungskonflikte – und die gibt es auch bei monoamoren Paaren.

Polyamore Beziehungen sind einfach noch etwas komplexer als die üblichen Zweierbeziehungen. Und da sie in unserer Gesellschaft keine Tradition haben, haben wir noch keine Muster entwickelt, wie wir damit umgehen können. Außerdem gibt es natürlich auch in polyamoren Beziehungen Krisenzeiten, Trennungen, usw. – also alles das, womit auch normale Paare zum Therapeuten gehen würden.

Die Transzendenz von Eifersucht ist natürlich das Hauptthema für Polyamore: Liebe ich meinen Partner so sehr, dass ich mich freuen kann, wenn es ihm mit einem anderen Menschen gut geht? Außerdem gibt es logistische Probleme: wie teile ich mir die 24 Stunden des Tages ein, dass für jeden genügend Zeit da ist?

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Polyamorie – Ein neues Beziehungsmodell unserer Zeit?

Foto: Rosel Eckstein, pixelio.de
Foto: Rosel Eckstein, pixelio.de

 

Welche Menschen sind eher, welche eher nicht für Polyamorie und offene Beziehungegn geeignet? Polyamorie ist doch eher was für Hippies! Oder ist es ein neues Beziehungsmodell für das 21. Jahrhundert?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Polyamorie ist meines Erachtens vor allem für Menschen geeignet, denen es erstens passiert, und die zweitens geistig flexibel genug sind, das gesellschaftlich akzeptierte Idealbild der romantischen Zweierbeziehung zu überwinden und die drittens mutig genug sind, diese Möglichkeit mit denen, die sie lieben, auszuprobieren und auch der Umwelt gegenüber zu vertreten.

Viele Menschen kommen ja nie in die Verlegenheit, so daß sich die Frage für diese gar nicht stellt. Und von denen, die sich wieder verlieben, obwohl sie schon in einer liebevollen Beziehung leben, kommen viele nicht auf die Idee, die herrschende Ansicht zu hinterfragen.

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Polyamorie, freie Liebe und offene Beziehungen

Gibt es Unterschiede zwischen Polyamorie, freier Liebe und offenen Beziehungen?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Das Besondere an der Polyamorie ist in meinem Verständnis eine relativ dauerhafte emotionale partnerschaftliche Bindung an mehrere Menschen mit dem Einverständnis aller Beteiligten. Diese Beziehungsform orientiert auf eine gemeinsame Lebensgestaltung. Sie schließt in den meisten Fällen auch den sexuellen Austausch ein, doch muss das nicht sein und steht auch nicht im Vordergrund.

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Unsere neue Serie ‚Polyamorie‘: Vielliebhaberei als Modetrend oder als neues Beziehungsmodell im 21. Jahrhundert?

Foto: S. Hofschläger, pixelio.de
Foto: S. Hofschläger, pixelio.de

 

Polyamorie, so erscheint es mir, ist eine vorübergehende Modewelle. Beispielsweise, weil ein Mitglied der Piratenpartei das Thema in die Öffentlichkeit trug. Oder weil Psychologen jüngst vom Unsinn der Treue sprachen. Was ist überhaupt – in wenigen Worten – Polyamorie? Eine Frage an den Leipziger Psychotherapeuten Wulf Mirko Weinreich …

Weinreich 2009 original Wulf Mirko Weinreich: Es könnte sein, daß Polyamorie keine Mode, sondern ein Entwicklungstrend ist. So, wie die Kleinfamilie aus der Großfamilie entstanden ist und diese aus dem Clan. In unseren Köpfen herrscht immer noch das Idealbild der romantischen Zweierbeziehung und die Vorstellung, daß es diese schon immer gegeben hat und immer geben wird. Dabei ist diese Vorstellung, einschließlich ihrer Institutionalisierung als Kleinfamilie von Mann und Frau, keine 200 Jahre alt. Sie verlangt von den Partnern, sich gegenseitig möglichst alles zu sein. Das überfordert viele Beziehungen völlig. Was liegt näher als die Idee, mit mehreren Partnern zusammenzuleben und die Freuden und Lasten zu verteilen?

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Bedeutet eine zufriedene Partnerschaft Arbeit?

Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de
Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Heute las ich in einem provokanten Blogartikel u.a. zum Thema „Arbeit in Beziehungen/Partnerschaften“ folgende Zeilen, die mich dazu anregten nochmals nachzudenken und zu recherchieren.

PS: Weitere Meinungen aus dem Internet findest Du am Ende dieses Artikels.

Madama Vaillant erwähnt auch, dass eine Ehe „keine leichte Sache“ ist. Hätte nur noch gefehlt, dass noch kommt „Liebe / Beziehung ist Arbeit“.

Meine ganz ehrliche Meinung:

eine Beziehung, die von Liebe und Respekt getragen wird, ist niemals Arbeit. Nie, nie und nochmals nie!

Leider liest man derlei fragwürdige Statements allethalben. Für mich ausgemachter Unsinn. Denn im Gegensatz zur Arbeit, im Sinne von Broterwerb, die sich viele Leute tatsächlich nicht wirklich aussuchen können oder öde finden, sucht man sich seinen Partner ja aus.

[….]

Und das macht man, weil man sich mit diesem einen Menschen ein Leben in Liebe und Harmonie vorstellt. Niemand geht eine Beziehung zu jemanden, den er liebt ein, weil er dann „dran arbeiten“ möchte. Wenn dieser Punkt eintritt, ist die Beziehung eigentlich schon vorbei.

PS: Die Bloggerin bezog sich in ihrem Artikel auf ein Interview mit der französischen Buchautorin Maryse Vaillant.

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Partnerschaft: Was ist überhaupt erotische Liebe, was nicht?

Foto: Klaus Steves, pixelio.de
Foto: Klaus Steves, pixelio.de

Wer sich sehr oft darüber beklagt, immer an den Falschen zu geraten, macht offenbar etwas nicht richtig.

Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, wird auch in einer Partnerschaft glücklich sein, oder?

Wer stets eine perfekte, glückliche Beziehung sucht, wird auch stets enttäuscht, sich schon bald wieder verlassen fühlen, vielleicht vor Wut schnauben – und erneut den Mangel spüren, den man mit einer Beziehung (unbewusst) ausgleichen wollte.

Vielleicht die fehlende Aufmerksamkeit, die einem als Kind zu teil wurde. Ein Mangel an Liebe. Später – als Erwachsener – vor allem der Mangel an Selbstliebe. Sich selbst lieben zu lernen, ist eine schwierige Aufgabe, die viel Geduld erfordert, eine lebenslange Aufgabe, die aber keine Perfektion verlangt.

Manche Menschen ziehen es aber eher vor, in einer Traumwelt zu bleiben und beim scheitern einer neuen Beziehung dem oder der Ex alle Schuld zuzuweisen.

Und dann?
Immer wieder an die oder den Falschen …
„Same procedure as every year“.
Eine Endlosschleife!

Wer sich selbst lieben kann und – erst dann – die „Kunst der erotischen Liebe“ lernen möchte, sollte ein geduldiger Schüler sein und sich die Gedanken der Menschen anhören, die sich intensiv damit beschäftigt haben.

Einer von ihnen ist Erich Fromm, der 1957 sein Buch „Art of Loving“ (Die Kunst des Liebens) veröffentlichte. Darin benennt er fünf Formen der Liebe, unter anderem „Die erotische Liebe“.

Mit freundliche Genehmigung des Rowohlt-Verlages zitiere ich aus der deutschsprachigen Ausgabe bei uns im Blog aus diesem Kapitel. „Erotische Liebe – Was sie ist, was nicht“.

Viel Vergnügen!

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Partnersuche: Tipps für Suchende in Internet-Singlebörsen

Internet-Singlebörsen haben ihre Vor- und Nachteile.

Der ehemalige ZEIT-Redakteur Sven Hillenkamp schreibt in seinem Buch „Wie die Liebe an der Internet-Freiheit zugrunde geht“:

„Auf den ersten Blick scheint es so, als ob die Situation nie besser war: wer heute einen Partner sucht, für den sind Millionen potentieller Kandidaten nur wenige Mausklicks entfernt.

In Singlebörsen, auf Chat-Plattformen und in sozialen Netzwerken sehen wir nicht nur das Foto, sondern auch den Musikgeschmack, die Lieblingsfilme und sogar gemeinsame Freunde. Man könnte sich so auf die Suche begeben, nach dem perfekten Partner.

Aber können wir den finden?

Auch wenn wir mit jemandem zusammen sind: das Vergleichen scheint nie aufzuhören, weil es in unserer vernetzten Welt immer möglich ist. Die Folge: das Denken, man könne noch jemanden finden, der besser zu einem passt, wird allgegenwärtig – und so wird auf der Suche nach der perfekten Liebe die Liebe selbst unmöglich.“

——–

Frage an Diplom-Psychologe Volker Drewes:


Welche abschließenden Tipps würden Sie daher Menschen für die Partnersuche im Internet geben, damit die Partnerwahl nicht in einer Supermarkt- und Wegwerfmentalität endet? Sondern eher mit Nachhaltigkeit, ähnlich wie bei der Wahl von Bio-Produkten.

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