Sich digitale Auszeiten nehmen

Es scheint so, als ob wir ohne unser Smartphone nicht mehr leben können. Bei zu häufiger Nutzung reden wir persönlich kaum mehr miteinander – und sind verloren in einer Welt der Konzerne, die davon profitieren. Fühlen uns nach längerem Gebrauch verloren und ausgebrannt.

Eine Partnerschaft und Beziehung auf Dauer funktioniert nicht per WhatsApp, Facebook & Co. – sie will mit allen menschlichen Sinnen gelebt werden.

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Liebe (mit-)teilen

Foto: Gerhard Hermes  / pixelio.de
Foto: Gerhard Hermes / pixelio.de

Liebe fühlt sich gut an, man wünscht sich in solchen Momenten, dass sie nie vergeht. Aber was ist das eigentlich – Liebe? Liebe, so jedenfalls ist bekannt, lebt nicht nur im Herzen und im Magen, durch den bekanntlich die Liebe geht, es ist vor allem der Solarplexus, in dem man die Liebe spürt. Er vibriert, wenn man liebt, vor allem, wenn man frisch verknallt ist. Das zum Körpergefühl.

Liebe ist also „toll“, macht uns verrückt, ein „gutes“, scheinbar positives Gefühl, das uns regelrecht verzaubert. Ist das aber wirklich Liebe? Spüren wir nicht wesentlich mehr Gefühle, etwa auch Angst, Wut, Schmerz und Traurigkeit, wenn wir lieben?

Geteiltes Leid ist halbes Leid – und geteilte Freude doppelte Freude.

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Haben Sie selber Erfahrungen mit Polyamorie gesammelt?

Es klingt so einfach, wenn Therapeuten etwas sagen oder schreiben. Haben Sie denn persönliche Erfahrung mit Polyamorie gemacht? Schöne Erfahrungen? Oder tat es manchmal weh, sich eine(n) Partner(in) zu teilen?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Ich mache gerade polyamore Erfahrungen. Ich habe es nie gewollt, aber die neue Liebe passierte mir halt. Ich sah darin aber keinen Grund, warum ich meine langjährige Lebenspartnerin deshalb nicht mehr lieben sollte. Beide Frauen sind sehr, sehr verschieden. Deshalb war ich ziemlich hin- und hergerissen. In dieser Not habe ich von einem Freund ein Buch über Polyamorie geliehen bekommen, was mir geholfen hat, meine Beziehungsvorstellungen in Frage zu stellen.

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Eifersucht: Gedanken eines polyamor lebenden Menschen

Foto: Kurt Michel, pixelio.de
Schwäne sind nicht treu. Ein weit verbreiteter Irrtum. Nach der Wissenschaft vögeln sie gerne mal fremd. Foto: Kurt Michel, pixelio.de

Eifersucht kennen fast alle Menschen, zumindest in westlichen Gesellschaften. Allgemeine Beschreibungen gibt es zuhauf, nichtsdestoweniger erlebt jeder Mensch sie auf seine eigene Weise. Und jeder Mensch muss auch auf seine Weise damit klar kommen. Da helfen persönliche Erfahrungen anderer meist am besten als Anregung zu einer vielleicht neuen Betrachtungsweise.

Ich habe Eifersucht immer als quälend erlebt, und vor allem in der Form der Verlustangst. Das gilt jedenfalls für die Zeit, als ich in den ersten 37 Jahren meines Lebens monogam gelebt habe. Wenn es tatsächlichen oder eingebildeten Grund zur Eifersucht gab, dann stand immer gleich die ganze Beziehung auf dem Spiel. Also konnte das gar nicht anders in Erscheinung treten, denn als Verlustangst.

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Polyamorie – Flucht aus der festen Beziehung? Oder Bindungsangst?

Foto: Juergen Jotzo, pixelio.de
Foto: Juergen Jotzo, pixelio.de

Ist Polyamorie nicht eher eine Flucht vor einer festen Bindung, vielleicht steckt gar eine Bindungsangst dahinter? Oder es tauchen Probleme in einer Beziehung auf und man wählt statt Kommunikation Polyamorie? Also, eine Flucht?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Das kann sein – muß aber nicht. Im Gegenteil: Menschen, die wirklich polyamor leben und dieses Wort nicht nur als Rechtfertigung für Promiskuität benutzen, gehen gleich mehrere feste Bindungen ein.

Bisher wird ja von vielen Therapeuten unreflektiert behauptet, wenn ein Mensch, der in einer Partnerschaft lebt, sich in einen anderen verliebt, wäre es lediglich ein Indiz, dass die alte Partnerschaft nicht in Ordnung ist. Wo gibt es einen Beweis für diesen Glaubenssatz? Meistens geschieht uns die Liebe ja aus heiterem Himmel, ohne dass wir es geplant hätten. Und sie fragt nicht danach, ob wir schon einen Partner haben. Was wäre, wenn Lieben lernen – und zwar alles und jeden – unsere wichtigste Lebensaufgabe wäre? Dann wäre Polyamorie ein möglicher Schritt dahin.

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Polyamorie im Alltag: Alles nur Illusion?

Angenommen, ein Mann hat zwei Frauen. Alle Drei sind einverstanden mit dieser Form der Beziehung. Nun werden aber beide Frauen krank. Der Mann muss sich entscheiden. Oder die Kinder der beiden Frauen haben am selben Tag einen Einschulungstermin in unterschiedlichen Schulen. Schluss mit Polyamorie?

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Leidet einer der Partner nicht eher unter Polyamorie?

Ist Polyamorie nicht eher ein Wunschdenken in Künstlerkreisen, beispielsweise bei Menschen am Prenzlauer Berg in Berlin? Es leidet doch immer ein Partner darunter, oder wie sehen Sie das?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Polyamorie ist einfach eine Realität, unabhängig von jeder Ideologie, die mal funktioniert, und mal scheitert – wie normale Beziehungen auch. Leiden geschieht eigentlich nur, wenn jemand gegen seinen Willen in eine polyamore Beziehung hineinrutscht, z.B. weil er seinen langjährigen Partner nicht verlieren will, ohne davon überzeugt zu sein. Wenn es ihm – egal aus welchen Gründen – nicht gelingt, sich für die neue Realität zu öffnen, wird er diese Beziehung verlassen. Doch wenn alle Beteiligten sich entschieden haben, polyamor zu leben – warum sollte einer darunter leiden? Das heißt nicht, daß es einfach ist. Andererseits bringt es auch neue Freiheiten und Freuden.

Über unseren Interviewpartner:

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich, Jahrgang 59, ist in eigener Praxis in Leipzig tätig. Er arbeitet vor allem mit Interventionen der Humanistischen, Systemischen und Transpersonalen Psychotherapie sowie spirituellen Methoden als Einzel- und Paartherapeut.

 


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Angenommen, ein Mann hat zwei Frauen. Alle Drei sind einverstanden mit dieser Form der Beziehung. Nun werden aber beide Frauen krank. Der Mann muss sich entscheiden. Oder die Kinder der beiden Frauen haben am selben Tag einen Einschulungstermin in unterschiedlichen Schulen. Ist Polyamorie im Alltag nur eine Illusion?