Schuld zuweisen – Verantwortung ablehnen

Wenn Liebe brennt, verbrennt sie vielleicht. Foto: Bernd Kasper, pixelio.de
Foto: Bernd Kasper, pixelio.de
Am scheitern einer Beziehung trägt nie Einer die ganze Schuld. Zum gelingen einer Partnerschaft sind immer Zwei verantwortlich.

Kommt es in einer Beziehung zum Streit oder gar einer Trennung, hagelt es häufig an gegenseitigen Vorwürfen. Es steht vorschnell fest: Der Partner oder der Ex ist schuld. Abgesehen davon: nach einer Trennung wartet in der nächsten Internet-Singlebörse ja schon der nächste potentielle Partner! So meine bisherigen Erfahrungen…

Das Szenario:

Der Ex-Mann nörgelte vielleicht eh nur rum, trank zuviel und hatte kaum Zeit. Und sie war zu kontrollierend, ständig eifersüchtig, zettelte bei kleinster Kritik immer einen Streit an – und rannte dann weg. Und ihr Tussi-Gehabe ging ihm ohnehin auf die Nerven – und für sie hatte er keine Zeit mehr für Zärtlichkeiten.

Argumente für Schuldzuweisungen finden sich immer leicht. Ein falsches Wort des Partners reicht dafür – manchmal sogar nur eine kleine Pfütze im Bad, die der Partner nach dem Duschen hinterlassen hat.

Dann noch ein paar Blicke in Internet-Foren oder Zeitschriften, Gespräche mit den besten Freundinnen, ein paar deutsche Schlager – und die eigenen Unbehaglichkeiten, was den Partner betrifft, werden nicht nur bestätigt, sie werden sogar noch richtig bekräftigt. Zeit für Schuldvorwürfe?

„Schuld zuweisen – Verantwortung ablehnen“ weiterlesen

Projektionen in Liebesbeziehungen: Mein Partner als Spiegeldbild

Bei manchen Beziehungskonflikten machte ich meiner Partnerin Vorwürfe und war wütend auf sie. In Wirklichkeit aber war die Kritik an mich selbst adressiert, etwas störte mich an mir selbst oder ich hatte mich über eine andere Personen geärgert, vielleicht sogar über eine Ex aus der Vergangenheit.

Auch erlebte ich, dass sich eine Ex-Partnerin plötzlich bei mir meldete und mir erneut Vorwürfe machte, mich kritisierte – obwohl sie in Wirklichkeit wütend auf ihren Neuen war.

Oder, dass die neue Affäre plötzlich heftig auf mir rumhackte, obwohl kein Grund existierte. Später stellte sich heraus, dass sie immer noch wütend auf ihren Ex war.

Oder, dass ich etwas ganz bestimmtes an einer neuen Frau liebte, später dann realisierte, dass ich genau das an mir selber liebe – und die neue Frau in Wirklichkeit gar nicht zu mir passte.

Psychologen sprechen in solchen Fällen – als Laie formuliert – von „Projektion“. Zu diesem Thema stieß ich vor einigen Jahren im Internet mal auf die „4 Spiegelgesetze“. Ich kenne den Urheber leider nicht, aber die „4“ kursieren seit vielen Jahren im Netz und werden immer wieder gerne zitiert.

Diese vier einfachen „Richtlinien“ helfen bei negativen – oder auch positiven – Gefühlen für andere Menschen, vor allem für den Lebenspartner, zu erkennen, ob nicht eine Spiegelung stattfindet. Vielleicht erkennst Du Dich selbst wieder und vermeidest damit Ärger, Streit – oder gar falsch verstandene Liebe.

Hier die „4 Spiegelgesetze“, sprachlich nur ein wenig von mir angepasst:

„Projektionen in Liebesbeziehungen: Mein Partner als Spiegeldbild“ weiterlesen

Die Vorteile eines altmodischen Briefs

Foto: birgitH, pixelio.de

E-Mail, SMS, Mobiltelefon – wir können heute jederzeit und überall leicht sowie schnell miteinander kommunizieren. Was in vielen Bereichen Vorteile hat, kann für Beziehungen auch Nachteile bringen.

Lebt man nicht zusammen und hat sich gestritten, sendet man mal schnell eine wütende SMS oder eine verletzende E-Mail, die man später bereut. Vielleicht herrscht irgendwann sogar Funkstille.

Wie wäre es mal, auf die elektronischen Mittel zu verzichten, auch wenn sie noch so verlockend sind? Und es stattdessen mal mit einem klassischen Brief und Geduld zu versuchen.

„Die Vorteile eines altmodischen Briefs“ weiterlesen

Treue und Untreue bei Frauen und Männern

Illustration von Barbara Kiesling
Illustration von Barbara Kiesling

 

Wie entsteht eigentlich Untreue?

Die Co-Autorin der Liebesfibel und Autorin unserer Serie zum Thema Beziehungssucht, Dr. Barbara Kiesling, stellt uns dazu freundlicherweise einen Auszug aus ihrem Buch ‚Seid möglichst glücklich miteinander‚ zur Verfügung.

„Treue und Untreue bei Frauen und Männern“ weiterlesen

Beziehungssucht: Was kann ich selbst dagegen tun?

Was kann man tun, um seine seelischen Strukturen zu verändern, damit man zu einer glücklichen Beziehung fähig ist?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Der Erwachsene hat kaum Möglichkeiten, seine seelischen Strukturen ohne Fremdhilfe zu beeinflussen. Sie sind weitgehend durch unsere Kindheitserlebnisse festgelegt. Der bekannte Neurobiologe Joachim Bauer erklärt, dass sämtliche Erfahrungen, die der Säugling durch seine Mutterfigur macht, vom Gehirn in bioelektrische Impulse umgewandelt und eingespeichert werden. Dies führt zur Entstehung von Nervenzell-Verknüpfungen, sogenannten Synapsen. Die „Konstruktion“ der Nervenzell-Netzwerke hängt also von den Erfahrungen, insbesondere von den Beziehungserfahrungen ab. Durch diese Vorgaben wird im Verlaufe der Kindheit im Gehirn ein Programm aufgebaut, nach dem der Mensch später seine eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen gestaltet. Das Erleben und Verhalten in seinen Beziehungen folgt also überwiegend einem früh angelegten, automatisch angewandten Programm.

„Beziehungssucht: Was kann ich selbst dagegen tun?“ weiterlesen

Beziehungssucht: Als Krankheit anerkannt?

Warum wird eine – destruktive – Beziehungsabhängigkeit nicht international als Krankheit anerkannt?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Ich kenne die offizielle Debatte leider nicht. Ich kann mir lediglich im Einzelfall vorstellen, dass es schwierig für einen Betroffenen sein wird, seine Beziehungsabhängigkeit als Krankheit anerkennen zu lassen. Eine Beziehungsabhängigkeit verläuft anders als andere Suchterkrankungen. Jeder andere Suchtkranke ist in der Regel permanent von seinem Suchtstoff abhängig. Beziehungsabhängige können aber – beispielsweise wenn sie doch einmal die Trennung von ihrem Partner geschafft haben – völlig unauffällig und „normal“ leben. Die Beziehungssucht ist an eine Voraussetzung gebunden: Es muss ein Partner existieren, von dem die Betroffenen abhängig sind. Fehlt ein Partner, würde niemand vermuten, dass sie unter einer Abhängigkeit leiden. Ihnen ist das nicht anzumerken. Die zuweilen erkennbaren Symptome wie zum Beispiel Depressionen lassen sich schließlich auch bei einem Großteil der Bevölkerung diagnostizieren.

„Beziehungssucht: Als Krankheit anerkannt?“ weiterlesen

Beziehungssucht und Sexsucht – Gehört dies zusammen?

Gehört zu einer Beziehungsabhängigkeit nicht auch die Sexsucht? Oder ist guter Sex gleich Liebe? 

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Abhängigkeiten jeder Art entstehen – wie bereits mehrfach erwähnt – auf der Basis traumatischer Kindheitserfahrungen. Bei traumatisierten Menschen kann sich eine Vielzahl unterschiedlicher Störungsbilder entwickeln. Welche dies im Einzelnen sind, hängt von verschiedenen, nahezu unüberschaubaren Faktoren ab. Gegenüber den sogenannten substanzgebundenen Süchten, bei denen der Suchtkranke von Substanzen wie Drogen, Alkohol oder Nikotin abhängig ist, und den sogenannten prozessgebundenen Süchten wie Spiel- oder Arbeitssucht, hat die Sexsucht aus meiner Sicht eine ganz besondere Bedeutung. Zeigt sich doch darin sehr anschaulich, woran diese Menschen kranken: nämlich an der Sehn-Sucht nach einem tiefen Austausch mit einem anderen Menschen. Letztlich ist es die Sehn-Sucht nach Liebe. Allerdings wird Liebe mit Sexualität verwechselt.

„Beziehungssucht und Sexsucht – Gehört dies zusammen?“ weiterlesen