Sich zu schnell auf neue Beziehungen einlassen

Scherben bringen nicht immer Glück. Foto: Tim Reckmann, pixelio.de
Scherben bringen nicht immer Glück. Foto: Tim Reckmann, pixelio.de

 

Lernen wir einen neuen Menschen kennen, und fühlen wir uns mit ihm geborgen und wohl, der Sex ist auch noch verdammt gut und es bestehen gemeinsame Interessen, ja, wer möchte diesen Menschen sofort wieder gehen lassen?

Lebenslanges Lernen als Voraussetzung

Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die sich fragen, warum sie nie den/die Richtige(n) finden. Dieser Beitrag richtet sich auch an die Menschen, deren Beziehungen immer wieder aufs neue zerbrechen – viele davon sehr schmerzhaft. Ebenso an die Menschen, die trotz zahlreicher sexueller Affären sich tief im Herzen sehnsüchtig einen festen Partner wünschen, aber nicht über die Bettkante hinaus kommen. Sowie an die Menschen, die Polyamorie mit Sex-Freundschaften (engl. „Fuck Buddies“) verwechseln, sich in Wirklichkeit aber Nähe und Verbindlichkeit herbei sehnen – einen einzigen Menschen, der Freund, Liebhaber und Partner zugleich sein kann. Aber auch an die Menschen, die immer wieder in Abhängigkeiten geraten, die in einem Disaster enden.

Wer sich nach einer zufriedenen, längeren Partnerschaft sehnt, muss lernen…statt nur hedonistischen Spaß zu suchen. Und sich von der Vorstellung lösen, dass eine zufriedene, stabile Partnerschaft von alleine entsteht, nur weil der Sex am Anfang gut läuft.

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Eifersucht: Gedanken eines polyamor lebenden Menschen

Foto: Kurt Michel, pixelio.de
Schwäne sind nicht treu. Ein weit verbreiteter Irrtum. Nach der Wissenschaft vögeln sie gerne mal fremd. Foto: Kurt Michel, pixelio.de

Eifersucht kennen fast alle Menschen, zumindest in westlichen Gesellschaften. Allgemeine Beschreibungen gibt es zuhauf, nichtsdestoweniger erlebt jeder Mensch sie auf seine eigene Weise. Und jeder Mensch muss auch auf seine Weise damit klar kommen. Da helfen persönliche Erfahrungen anderer meist am besten als Anregung zu einer vielleicht neuen Betrachtungsweise.

Ich habe Eifersucht immer als quälend erlebt, und vor allem in der Form der Verlustangst. Das gilt jedenfalls für die Zeit, als ich in den ersten 37 Jahren meines Lebens monogam gelebt habe. Wenn es tatsächlichen oder eingebildeten Grund zur Eifersucht gab, dann stand immer gleich die ganze Beziehung auf dem Spiel. Also konnte das gar nicht anders in Erscheinung treten, denn als Verlustangst.

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Polyamorie – Flucht aus der festen Beziehung? Oder Bindungsangst?

Foto: Juergen Jotzo, pixelio.de
Foto: Juergen Jotzo, pixelio.de

Ist Polyamorie nicht eher eine Flucht vor einer festen Bindung, vielleicht steckt gar eine Bindungsangst dahinter? Oder es tauchen Probleme in einer Beziehung auf und man wählt statt Kommunikation Polyamorie? Also, eine Flucht?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Das kann sein – muß aber nicht. Im Gegenteil: Menschen, die wirklich polyamor leben und dieses Wort nicht nur als Rechtfertigung für Promiskuität benutzen, gehen gleich mehrere feste Bindungen ein.

Bisher wird ja von vielen Therapeuten unreflektiert behauptet, wenn ein Mensch, der in einer Partnerschaft lebt, sich in einen anderen verliebt, wäre es lediglich ein Indiz, dass die alte Partnerschaft nicht in Ordnung ist. Wo gibt es einen Beweis für diesen Glaubenssatz? Meistens geschieht uns die Liebe ja aus heiterem Himmel, ohne dass wir es geplant hätten. Und sie fragt nicht danach, ob wir schon einen Partner haben. Was wäre, wenn Lieben lernen – und zwar alles und jeden – unsere wichtigste Lebensaufgabe wäre? Dann wäre Polyamorie ein möglicher Schritt dahin.

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Polyamorie im Alltag: Alles nur Illusion?

Angenommen, ein Mann hat zwei Frauen. Alle Drei sind einverstanden mit dieser Form der Beziehung. Nun werden aber beide Frauen krank. Der Mann muss sich entscheiden. Oder die Kinder der beiden Frauen haben am selben Tag einen Einschulungstermin in unterschiedlichen Schulen. Schluss mit Polyamorie?

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Leidet einer der Partner nicht eher unter Polyamorie?

Ist Polyamorie nicht eher ein Wunschdenken in Künstlerkreisen, beispielsweise bei Menschen am Prenzlauer Berg in Berlin? Es leidet doch immer ein Partner darunter, oder wie sehen Sie das?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Polyamorie ist einfach eine Realität, unabhängig von jeder Ideologie, die mal funktioniert, und mal scheitert – wie normale Beziehungen auch. Leiden geschieht eigentlich nur, wenn jemand gegen seinen Willen in eine polyamore Beziehung hineinrutscht, z.B. weil er seinen langjährigen Partner nicht verlieren will, ohne davon überzeugt zu sein. Wenn es ihm – egal aus welchen Gründen – nicht gelingt, sich für die neue Realität zu öffnen, wird er diese Beziehung verlassen. Doch wenn alle Beteiligten sich entschieden haben, polyamor zu leben – warum sollte einer darunter leiden? Das heißt nicht, daß es einfach ist. Andererseits bringt es auch neue Freiheiten und Freuden.

Über unseren Interviewpartner:

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich, Jahrgang 59, ist in eigener Praxis in Leipzig tätig. Er arbeitet vor allem mit Interventionen der Humanistischen, Systemischen und Transpersonalen Psychotherapie sowie spirituellen Methoden als Einzel- und Paartherapeut.

 


Lesen Sie im nächsten Teil:

Angenommen, ein Mann hat zwei Frauen. Alle Drei sind einverstanden mit dieser Form der Beziehung. Nun werden aber beide Frauen krank. Der Mann muss sich entscheiden. Oder die Kinder der beiden Frauen haben am selben Tag einen Einschulungstermin in unterschiedlichen Schulen. Ist Polyamorie im Alltag nur eine Illusion?

Polyamorie, freie Liebe und offene Beziehungen

Gibt es Unterschiede zwischen Polyamorie, freier Liebe und offenen Beziehungen?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Das Besondere an der Polyamorie ist in meinem Verständnis eine relativ dauerhafte emotionale partnerschaftliche Bindung an mehrere Menschen mit dem Einverständnis aller Beteiligten. Diese Beziehungsform orientiert auf eine gemeinsame Lebensgestaltung. Sie schließt in den meisten Fällen auch den sexuellen Austausch ein, doch muss das nicht sein und steht auch nicht im Vordergrund.

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Unsere neue Serie ‚Polyamorie‘: Vielliebhaberei als Modetrend oder als neues Beziehungsmodell im 21. Jahrhundert?

Foto: S. Hofschläger, pixelio.de
Foto: S. Hofschläger, pixelio.de

 

Polyamorie, so erscheint es mir, ist eine vorübergehende Modewelle. Beispielsweise, weil ein Mitglied der Piratenpartei das Thema in die Öffentlichkeit trug. Oder weil Psychologen jüngst vom Unsinn der Treue sprachen. Was ist überhaupt – in wenigen Worten – Polyamorie? Eine Frage an den Leipziger Psychotherapeuten Wulf Mirko Weinreich …

Weinreich 2009 original Wulf Mirko Weinreich: Es könnte sein, daß Polyamorie keine Mode, sondern ein Entwicklungstrend ist. So, wie die Kleinfamilie aus der Großfamilie entstanden ist und diese aus dem Clan. In unseren Köpfen herrscht immer noch das Idealbild der romantischen Zweierbeziehung und die Vorstellung, daß es diese schon immer gegeben hat und immer geben wird. Dabei ist diese Vorstellung, einschließlich ihrer Institutionalisierung als Kleinfamilie von Mann und Frau, keine 200 Jahre alt. Sie verlangt von den Partnern, sich gegenseitig möglichst alles zu sein. Das überfordert viele Beziehungen völlig. Was liegt näher als die Idee, mit mehreren Partnern zusammenzuleben und die Freuden und Lasten zu verteilen?

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