Artikel zum Thema:
'Co-Abhängigkeit'

Dienstag, 19.Mai 2009

Online-Umfrage zur Beziehungssucht

von Jürgen

Barbara Michorl, Studentin der Psychologie an der Universität Klagenfurt, in Kärnten, bat mich um Mithilfe. Sie schreibt an einer Diplomarbeit zum Thema „Weibliche Beziehungssucht – eine empirische Studie” und führt derzeit eine anonyme Online-Umfrage unter Frauen durch.

Wenn Sie am Thema interessiert und selber betroffen sind, tragen Sie mit Ihren anonymen Angaben zu einer weiteren Verbreitung und Erforschung des Themas bei.

Die Umfrage wird drei Monate im Netz erreichbar sein, also bis zirka Ende August 2009. Nach der Auswertung wird Barbara Michorl ihre Ergebnisse im Web veröffentlichen.

Hier geht es zur Online-Umfrage zur „Weibliche Beziehungssucht



von Jürgen

Die Artikelserie zum Thema ‘Beziehungssucht, Beziehungsabhängigkeit’ ist nun auch als Dossier im Format PDF erschienen.

Download


  Beziehungssucht
'Gesunde und ungesunde Liebe - Schmerzvolle Beziehungen': Ein Dossier aus einer Artikelserie zum Thema 'Beziehungssucht', in der Herausgeber Jürgen Christ 12 Fragen an die Paarberaterin Dr. Barbara Kiesling stellte. Format: PDF, 21 Seiten.
» Größe:  125.4 KiB
» Datum: 18. April 2009
» Abrufe: 2,206



Donnerstag, 16.April 2009

Selbstheilung oder Fremdtherapie?

von Dr. Barbara Kiesling

Können sich Betroffene selber helfen, zum Beispiel durch Information oder durch das Lesen von Büchern? Oder ist immer eine Therapie notwendig?

Das Informieren über die Zusammenhänge, die das partnerschaftliche Leben bestimmen, scheint mir von großer Bedeutung. Anderenfalls würden wir Menschen blind durch die Welt gehen. Das Wissen um die theoretischen Hintergründe ist besonders für diejenigen, die in Abhängigkeitsbeziehungen leben, wichtig, damit sie sich in ihren zeitweilig unverständlichen Reaktionen besser verstehen können. Oft lehnen sich diese Menschen ohnehin schon ab. Wenn sie sich nun auch noch Vorwürfe wegen ihres Verhaltens machen müssten, besteht die Gefahr, dass sie sich selbst immer mehr ablehnen. Das kann zu regelrechtem Selbsthass führen.

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von Dr. Barbara Kiesling

Was kann man tun, um seine seelischen Strukturen zu verändern, damit man zu einer glücklichen Beziehung fähig ist?

Foto: Photocase.com

Foto: Stefan Willuda (Photocase.com)

Der Erwachsene hat kaum Möglichkeiten, seine seelischen Strukturen ohne Fremdhilfe zu beeinflussen. Sie sind weitgehend durch unsere Kindheitserlebnisse festgelegt. Der bekannte Neurobiologe Joachim Bauer erklärt, dass sämtliche Erfahrungen, die der Säugling durch seine Mutterfigur macht, vom Gehirn in bioelektrische Impulse umgewandelt und eingespeichert werden. Dies führt zur Entstehung von Nervenzell-Verknüpfungen, sogenannten Synapsen. Die „Konstruktion“ der Nervenzell-Netzwerke hängt also von den Erfahrungen, insbesondere von den Beziehungserfahrungen ab. Durch diese Vorgaben wird im Verlaufe der Kindheit im Gehirn ein Programm aufgebaut, nach dem der Mensch später seine eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen gestaltet. Das Erleben und Verhalten in seinen Beziehungen folgt also überwiegend einem früh angelegten, automatisch angewandten Programm.

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von Dr. Barbara Kiesling

Warum wird eine – destruktive – Beziehungsabhängigkeit nicht international als Krankheit anerkannt?

Ich kenne die offizielle Debatte leider nicht. Ich kann mir lediglich im Einzelfall vorstellen, dass es schwierig für einen Betroffenen sein wird, seine Beziehungsabhängigkeit als Krankheit anerkennen zu lassen. Eine Beziehungsabhängigkeit verläuft anders als andere Suchterkrankungen. Jeder andere Suchtkranke ist in der Regel permanent von seinem Suchtstoff abhängig. Beziehungsabhängige können aber – beispielsweise wenn sie doch einmal die Trennung von ihrem Partner geschafft haben – völlig unauffällig und „normal“ leben. Die Beziehungssucht ist an eine Voraussetzung gebunden: Es muss ein Partner existieren, von dem die Betroffenen abhängig sind. Fehlt ein Partner, würde niemand vermuten, dass sie unter einer Abhängigkeit leiden. Ihnen ist das nicht anzumerken. Die zuweilen erkennbaren Symptome wie zum Beispiel Depressionen lassen sich schließlich auch bei einem Großteil der Bevölkerung diagnostizieren.

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