Sich zu schnell auf neue Beziehungen einlassen

Scherben bringen nicht immer Glück. Foto: Tim Reckmann, pixelio.de
Scherben bringen nicht immer Glück. Foto: Tim Reckmann, pixelio.de

 

Lernen wir einen neuen Menschen kennen, und fühlen wir uns mit ihm geborgen und wohl, der Sex ist auch noch verdammt gut und es bestehen gemeinsame Interessen, ja, wer möchte diesen Menschen sofort wieder gehen lassen?

Lebenslanges Lernen als Voraussetzung

Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die sich fragen, warum sie nie den/die Richtige(n) finden. Dieser Beitrag richtet sich auch an die Menschen, deren Beziehungen immer wieder aufs neue zerbrechen – viele davon sehr schmerzhaft. Ebenso an die Menschen, die trotz zahlreicher sexueller Affären sich tief im Herzen sehnsüchtig einen festen Partner wünschen, aber nicht über die Bettkante hinaus kommen. Sowie an die Menschen, die Polyamorie mit Sex-Freundschaften (engl. „Fuck Buddies“) verwechseln, sich in Wirklichkeit aber Nähe und Verbindlichkeit herbei sehnen – einen einzigen Menschen, der Freund, Liebhaber und Partner zugleich sein kann. Aber auch an die Menschen, die immer wieder in Abhängigkeiten geraten, die in einem Disaster enden.

Wer sich nach einer zufriedenen, längeren Partnerschaft sehnt, muss lernen…statt nur hedonistischen Spaß zu suchen. Und sich von der Vorstellung lösen, dass eine zufriedene, stabile Partnerschaft von alleine entsteht, nur weil der Sex am Anfang gut läuft.

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Selbstbetrug mit Internet-Singlebörsen und Kontaktanzeigen?

Foto: Jorma Bork, pixelio.de

Wer sehnt sich nicht nach einer erfüllten Partnerschaft? Singles, die einen Partner suchen, finden in den Kontaktanzeigen in Zeitschriften, über Partnervermittlungsagenturen und Internet-Singlebörsen scheinbar die ideale Lösung. Ein Mangel an Zeit, sei es durch Beruf oder Kinder, ist dabei häufig das Hauptargument für diesen gewählten Weg.

Oder die vielen technischen Möglichkeiten, die eine Hoffnung schüren, den idealen Partner zu finden. Dabei entpuppen wir uns selber häufig als Lügner und Selbstbetrüger, ohne es zu merken (ich spreche aus meiner Erfahrung). Sowohl Suchende als auch die, die darauf antworten. Selbst dann, wenn die kommerziellen Anbieter sich redliche Mühe geben, ihr Geschäft seriös zu gestalten. Sie sind aber nichts anderes als Verkäufer von Träumen. Wie Filmregisseure oder Schriftsteller von Liebesromanen. Und wir sind die Menschen, die ihr Glück im Äußeren suchen, oder?

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Bindungsangst: Wenn beide Partner Bindungsstörungen haben

Was passiert, wenn beide Partner Bindungsstörungen haben, z.b. bindungsängstlich und beziehungsabhängig sind, oder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und ein abhängiges Beziehungsmuster an den Tag legen?

Stefanie StahlStefanie Stahl: In diesem Fall verschärft sich die Partnerschaftsdynamik noch. Es ist ja so, dass auch „normale“ Partner durch den Nähe-Distanz-Modus des Bindungsängstlichen leicht in einen Sog geraten, immer mehr um die Beziehung zu kämpfen und sich hierdurch ziemlich abhängig von ihrer bindungsängstlichen Zielperson fühlen. Das notorische „Jein!“, das Bindungsängstliche in Bezug auf die Beziehung signalisieren beziehungsweise formulieren, führt bei vielen Partnern zu einem emotionalen Kontrollverlust, das heißt, sie fühlen sich hilflos, auf das Verhalten ihres bindungsängstlichen Partners einen Einfluss nehmen zu können. Sie versuchen dann die Kontrolle über den Bindungsphobiker zu erlangen, indem sie sich immer mehr bemühen, das Jein ihres Partners in ein Ja zu verwandeln. Hierdurch gerät die Beziehung aus der Balance: Der Partner unternimmt alle möglichen Manöver, um den Bindungsängstlichen an sich zu binden und je mehr er dies tut, umso weiter läuft der Bindungsängstliche davon, weil er sich nicht festnageln lassen will. Wenn der Partner nun aber ohnehin eher abhängige Strukturen aufweist, dann verschärft sich diese Dynamik noch beziehungsweise fällt es den abhängigen Partnern besonders schwer, sich aus der Beziehung zu lösen.


Lesen Sie im nächsten Teil, der am Montag erscheint:
Passen Bindungsängstliche besser zu Bindungsängstlichen?

Bindungsangst: Sexsucht

Welche Rolle spielt der Sex? Kann man sexuell abhängig von Bindungsängstlichen – wie von Beziehungsabhängigen – werden?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Sex mit Bindungsphobikern hat etwas Unwiderstehliches, weil der bindungsängstliche Partner einem nie sicher ist. Die Partner von Bindungsängstlichen leben zumeist in chronischer Verlustangst. Dies befeuert die Leidenschaft ungeheuer. Die Beziehung mit Bindungsängstlichen bleibt zumeist in der Anfangsphase stecken, wobei sich diese Anfangsphase auch über viele Jahre hinziehen kann. Dies liegt daran, dass der Bindungsängstliche sich nie wirklich auf die Beziehung einlässt und sich hierdurch beim Partner nie ein Gefühl der Sicherheit einstellt.

Bekanntermaßen sind Sicherheit und Leidenschaft ja Gegenspieler, weswegen viele Paare, die in langjährigen und verbindlichen Beziehungen leben, ja häufig einen Mangel an Leidenschaft beklagen. In bindungsängstlichen Beziehungen werden die Partner ständig angefüttert, aber nie satt. Das ist so, wie wenn im Restaurant immer nur die Vorspeise serviert würde und der Hauptgang ausbleibt. Das löst ein ungeheures Verlangen nach Mehr aus, das geradezu süchtig machen kann.


Lesen Sie im nächsten Teil:
Was passiert, wenn beide Partner Bindungsstörungen aufweisen, beispielsweise der eine beziehungsabhängig und der andere bindungsängstlich ist?

Serie „Beziehungssucht“ – Als Dossier downloaden (PDF)

Die Artikelserie zum Thema ‚Beziehungssucht, Beziehungsabhängigkeit‘ ist nun auch als Dossier im Format PDF erschienen.

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  Beziehungssucht / Beziehungsabhängigkeit
'Gesunde und ungesunde Liebe - Schmerzvolle Beziehungen': Ein Dossier aus einer Artikelserie zum Thema 'Beziehungssucht / Beziehungsabhängigkeit', in der Herausgeber Jürgen Christ 12 Fragen an die Paarberaterin Dr. Barbara Kiesling stellte. Format: PDF, 21 Seiten. PS: Das Dossier ist in der Liebesfibel ab Version 2.9 bereits enthalten!
» Größe:  127,4 KiB
» Datum: 18. April 2009 (letzte Aktualisierung)
» Abrufe: 87.972

Beziehungssucht: Selbstheilung oder Therapie?

Können sich Betroffene selber helfen, zum Beispiel durch Information oder durch das Lesen von Büchern? Oder ist immer eine Psychotherapie notwendig?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Das Informieren über die Zusammenhänge, die das partnerschaftliche Leben bestimmen, scheint mir von großer Bedeutung. Anderenfalls würden wir Menschen blind durch die Welt gehen. Das Wissen um die theoretischen Hintergründe ist besonders für diejenigen, die in Abhängigkeitsbeziehungen leben, wichtig, damit sie sich in ihren zeitweilig unverständlichen Reaktionen besser verstehen können. Oft lehnen sich diese Menschen ohnehin schon ab. Wenn sie sich nun auch noch Vorwürfe wegen ihres Verhaltens machen müssten, besteht die Gefahr, dass sie sich selbst immer mehr ablehnen. Das kann zu regelrechtem Selbsthass führen.

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Beziehungssucht: Was kann ich selbst dagegen tun?

Was kann man tun, um seine seelischen Strukturen zu verändern, damit man zu einer glücklichen Beziehung fähig ist?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Der Erwachsene hat kaum Möglichkeiten, seine seelischen Strukturen ohne Fremdhilfe zu beeinflussen. Sie sind weitgehend durch unsere Kindheitserlebnisse festgelegt. Der bekannte Neurobiologe Joachim Bauer erklärt, dass sämtliche Erfahrungen, die der Säugling durch seine Mutterfigur macht, vom Gehirn in bioelektrische Impulse umgewandelt und eingespeichert werden. Dies führt zur Entstehung von Nervenzell-Verknüpfungen, sogenannten Synapsen. Die „Konstruktion“ der Nervenzell-Netzwerke hängt also von den Erfahrungen, insbesondere von den Beziehungserfahrungen ab. Durch diese Vorgaben wird im Verlaufe der Kindheit im Gehirn ein Programm aufgebaut, nach dem der Mensch später seine eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen gestaltet. Das Erleben und Verhalten in seinen Beziehungen folgt also überwiegend einem früh angelegten, automatisch angewandten Programm.

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