Sexualaufklärung für Erwachsene: Heute ebenso wichtig wie für Jugendliche?

Müssten nicht eher die Aufklärer, also Erwachsene – wie Eltern oder Lehrer – nochmal sexuell richtig aufgeklärt werden? Die klassische Aufklärung beschränkt sich ja eher auf Organbenennung und Funktionen, auf Fortpflanzung und Empfängsverhütung, auf Schutz vor sexuellen Erkrankungen … Sex ist aber weit aus mehr, oder?

Warum sollten sie das überhaupt tun?

 

maschingerSilke Maschinger: Aufklärung ist ein grosses Thema. Zum einen entwickelt sich das Wissen über Sexualität immer weiter, man denke da nur an zum Beispiel den G-Punkt oder die weibliche Ejakulation.

Aber es scheint doch auch so zu sein, dass selbst elementares Wissen über Schwangerschaftsverhütung oder das Wissen um die Sexualorgane trotz aller Aufklärung in der Schule nicht bei den Kindern ankommt oder in Erinnerung bleibt.

Zum anderen steht und fällt Qualität der Aufklärung mit der Einstellung der Lehrer/innen. Wer Kinder aufklären und zum selbstbewussten Erforschen der Sexualität ermutigen möchte, muss selbst eine entspannte und relativ offene Haltung haben.

Da sind Mitarbeiter/innen, die nur für einen Workshop kommen, und das auch hauptberuflich machen, sicherlich geeigneter als Lehrer/innen, die das aufgrund des Lehrplans machen müssen und vielleicht selbst ihre Probleme damit haben. Man darf aber auch nicht den Fehler machen, alles in der Schule behandeln zu wollen. Manche Fragen tauchen ja erst mit wachsendem Alter bzw. wachsenden Erfahrungen auf.

Und doch wäre es schön, wenn an den Schulen mehr gelehrt würde als die Funktionsweise der Sexualorgane, Verhinderung von Schwangerschaft und sexuellen Krankheiten. Sicherlich sind die Lehrpläne heutzutage schon viel weiter als vor einigen Jahrzehnten, aber es gibt immer noch viel zu tun.

 

Wo und wie können sich Erwachsene sexuell weiterbilden? Gibt es Kurse an den VHS?

Silke Maschinger: Die größte Quelle für Sexualaufklärung ist vermutlich immer noch das Internet, dort kann sich jeder zu den ungewöhnlichsten Themen Informationenen sammeln. Nur leider sind diese nicht immer von bester Qualität. Eine seriöse Webseite bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ein weiterer Ansprechpartner für weitere Informationen ist auch der Verband Pro Familia.

Auf meiner eigenen Webseite finden sich ganz viele unterschiedliche Anbieter, die in Sachen Sex Beratung und Seminare anbieten.

Eine weitere Quelle sind Bücher, die man mittlerweile ganz einfach und anonym im Internet bestellen kann. In größeren Städten gibt es vielleicht auch Vorträge, aber das eher selten und nur von sexuell engagierten Menschen, wie zum Beispiel Tantra-Anbietern oder Sexcoaches.

Es bleibt also jedem einzelnen überlassen, sich selbständig und eigenverantwortlich weiterzubilden.

 

Warum könnte es besser sein, dies in Gruppen zu tun, statt nur Einzelgespräche mit Sexualtherapeuten wie Ihnen zu führen?

Silke Maschinger: Sich in in Gruppen darüber auszutauschen, kann unter Umständen sinnvoll sein. Denn dann kann man sehen, dass andere ähnliche Probleme mit ihrer Sexualität haben bzw. kann man auch lernen, wie andere ihre Probleme gelöst haben. Und wer in Gruppen lernt, über die eigene Lust zu sprechen, dem fällt es in einer Beziehung dann vielleicht auch leichter, solche Gespräche zu führen.

Andererseits gibt es Menschen, für die ist die Öffentlichkeit in einer Gruppe so bedrohlich, dass sie niemals dorthin gehen würden. Dafür sind dann Einzelgespräche bei Sexualtherapeuten, -coaches oder -beratern sehr hilfreich. Ganz besonders dann, wenn es um tiefere intime Angelegenheiten geht. Jeder Mensch muss letztendlich selbst entscheiden, welche Form für ihn am besten geeignet ist.

Über unsere Interviewpartnerin:

Sexcoach, Sozialwissenschaftlerin, Moderatorin und Kolumnistin: Silke Maschinger. Sexcoach, Sozialwissenschaftlerin, Moderatorin und Kolumnistin. Sie schreibt in der Erotikbörse Joyclub, betreibt selber das Erotikportal Erosa und moderiert den Erotischen Salon in Berlin.

 

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