Warum stöhnen Menschen beim Sex?

Auf der Website Beautiful Agony – Motto: „Facetten des kleinen Todes“ – sind nur schmerzverzerrte Gesichter von Menschen während eines Orgasmus zu sehen. Was ist so schmerzhaft daran? Und warum stöhnen Menschen eigentlich beim Sex? Tut das weh?

maschingerSilke Maschinger: Der Orgasmus wird im Französischen nicht deswegen kleiner Tod genannt, weil er wehtut, sondern weil der Herzschlag nach dem Sex langsamer wird und der Körper sich entspannt und man danach meist erstmal etwas geschafft ist. Einige schlafen nach dem Sex vor lauter Entspannung ja auch mal gerne ein.

Dass einige Gesichter anscheinend schmerzverzerrt aussehen, liegt aber nicht am Schmerz, sondern daran, dass man die Anzeichen falsch deutet.

Beim Sex wird im ganzen Körper Spannung aufgebaut, die sich dann durch den Orgasmus entlädt. Deswegen ist Sex unter anderem auch so schön, weil man danach so entspannt ist. Die Gesichter zeigen also nur die erotische Spannung, die im gesamten Körper aufgebaut wird.

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Was ist überhaupt so „schmutzig“ am „schmutzigen Sex“?

"Männer sind Schweine - "Foto: Janusz Klosowski, pixelio.de
Foto: Janusz Klosowski, pixelio.de

Schmutziger Sex ist für manche Menschen besonders gut. Wir möchten gerne vom Sexualcoach Silke Maschinger wissen, was denn überhaupt so „schmutzig“ an „schmutzigem Sex“ ist, und was überhaupt guten Sex ausmacht.

maschingerSilke Maschinger: Mach dich nicht schmutzig, fass das nicht an, wasch dir die Hände, spring nicht in die Pfütze. Diese Sprüche hat garantiert jedes Kind mehrfach gehört. Einerseits sind das natürlich auch wichtige Hygiene-Regeln, andererseits nimmt es einem auch die Lebendigkeit, die Lust, im Feuchten zu wühlen, mit den Händen dahin zu fassen, wo es schmatzt und knatscht. So lernt das Kind, was schmutzig ist, hält sich zurück und lernt Sauberkeit.

Wie immer kommt es darauf an, in welchem Maße man zur Sauberkeit erzogen wird. Doch wenn aus Sauberkeit Sterilität wird, kann es dazu führen, dass auch die sexuelle Lust als schmutzig empfunden wird, denn beim Sex geht es feucht zu: Fremde Haut, vielleicht Schweiß, Feuchtigkeit bei der Frau, Lusttropfen bzw. das Ejakulat beim Mann.

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Sexualaufklärung für Erwachsene: Heute ebenso wichtig wie für Jugendliche?

Müssten nicht eher die Aufklärer, also Erwachsene – wie Eltern oder Lehrer – nochmal sexuell richtig aufgeklärt werden? Die klassische Aufklärung beschränkt sich ja eher auf Organbenennung und Funktionen, auf Fortpflanzung und Empfängsverhütung, auf Schutz vor sexuellen Erkrankungen … Sex ist aber weit aus mehr, oder?

Warum sollten sie das überhaupt tun?

 

maschingerSilke Maschinger: Aufklärung ist ein grosses Thema. Zum einen entwickelt sich das Wissen über Sexualität immer weiter, man denke da nur an zum Beispiel den G-Punkt oder die weibliche Ejakulation.

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‚Make Love & Sex:‘ Ist Sex gleich Liebe? Kann man Sex lernen?

Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion
Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion

 

Der Mitteldeutsche Rundfunk (mdr) startet heute Abend mit einer fünfteiligen Sex-Aufklärungsdoku um 22.20 Uhr. Nicht unbedingt mit neuen Bilder, aber mit einer ungewohnten Offenheit, echtem Sex und zeitgemäßen Computeranimationen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Warum wurde so ein normales, natürliches Sexualverhalten nicht schon früher gezeigt?

 

Sexcoach, Sozialwissenschaftlerin, Moderatorin und Kolumnistin: Silke Maschinger.
Sexcoach, Sozialwissenschaftlerin, Moderatorin und Kolumnistin: Silke Maschinger.

Silke Maschinger: Ich habe bisher ja nur den Trailer der Sendung gesehen. Aber ich glaube gar nicht mal, dass die Inhalte von „Make love“ noch nie im Fernsehen gezeigt wurden. Es gab immer wieder Sendungen zum Thema Sexualität, wie zum Beispiel Wa(h)re Liebe und Liebe Sünde, in denen auch über Sexualität gesprochen und über Praktiken aufgeklärt wurde. Auch die Aufklärungsfilme von Oswald Kolle wurden bereits im Fernsehen gezeigt.

Ohne diese ganzen vielen Vorreiter wäre auch dieses Format nicht möglich gewesen. Insofern sehe ich die Sendung als Fortsetzung der anderen Sendungen in einer neuen und vielleicht besseren bzw. zeitgemäßen Form.

Ich finde den Trailer sehr gut gemacht, mich begeistert die heitere und entspannte Art, mit der Ann-Marlen Henning auf die Menschen zugeht. Durch den gut geschriebenen Inhalt des gleichnamigen Buches „make love“ und dadurch dass es ihr gelungen ist, ihr Buch auf der Titelseite des STERN zu platzieren, wurde ihr Buch zum Bestseller. Diese Medienaufmerksamkeit kommt ihr bei der Produktion und der aktuellen Medienresonanz zu Gute.

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‚Make Love & Sex‘: Kurzes Interview mit Silke Maschinger

Bild aus der mdr-Doku 'Make Love'. Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion
Echter Sex in der mdr-Doku ‚Make Love‘?
Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion

Heute Abend startet die TV-Doku ‚Make Love – Liebe machen kann man lernen“, eine fünfteilige Aufklärungsserie im mdr, die junge Erwachsene anspricht – basierend auf dem Buch „Make Love – ein Aufklärungsbuch“ der dänischen Neuropsychologin und Sexualtherapeutin Ann-Marlen Henning, die eine Praxis in Hamburg betreibt.

 

Unsere neue, kurze Blogserie: ‚Make Love & Sex‘

 

maschingerWir sprechen zum Thema „Sex & Liebe“ mit der Berliner Sexualtherapeutin und Sozialwissenschaftlerin Silke Maschinger, stellen ihr unter anderem Fragen zur gesellschaftlichen und medialen Entwicklung, zur Renaissance der weiblichen Sexualität – und was Männer daraus lernen können. Maschinger moderiert – neben ihrer Tätigkeit als Sexualtherapeutin – den erotischen Salon in Berlin, schreibt als Kolumnistin für die Erotikbörse Joyclub und betreibt das Erotikportal Erosa.

Unsere Serie richtet sich an Erwachsene und ist zur Aufklärung für Jugendliche weniger geeignet!

Fernsehtipp ‚Make Love‘:
Sex-Aufklärungsdoku im mdr

Vorgänge, Nervenbahnen in einer Frau. Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion
Vorgänge, Nervenbahnen in einer Frau.
Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion

Wir leben in einer Zeit der „Generation Porno“. Mit Jugendlichen, die vor ihrem ersten Sex bereits einen Porno im Internet gesehen haben. Und Manche kennen nicht mal den Unterschied zwischen einer Harnröhre und ihrer eigenen Klitoris. Oder sie verwechseln Sex mit ausschließlich vögeln.

TV-Sendungen der 90er – wie „Liebe Sünde“ oder „Wa(h)re Liebe“ – machten die ersten Schritte, uns von einem Laster der Moral vergangener Zeit – vor allem kirchlicher Fesseln – zu befreien. Vor allem auch dank Alfred Kinsey, dem ersten Menschen, der unsere Sexualität frei und offen erforschte (in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts). PS: Er war im übrigen Zoologe und auf Gall-Wespen spezialisiert 🙂

„Oversexed and underfucked“

Insbesondere die Nordamerikaner zeigen mit ihrer Medienkultur, wie zufriedener Sex auf Dauer garantiert nicht funktioniert: Moralistisch im TV – und parallel dazu die größte Pornoindustrie (DVD, Internet) der Welt, die teilweise abstruse Lügen und Illusionen über Sex in ihren Filmen verbreitet.

Wir leben in einer Zeit von „oversexed and unterfucked“, wie die Berliner Zeitung Zitty mal schrieb. Wir wissen zuviel – und gleichzeitig so wenig. Sex wurde zum Konsum, zum kurzen und schnellen Kick – aber nicht mehr das, was Sex ursprünglich ist: Die schönste Nebensache der Welt. Raum für Entspannung, intime Berührung und Nähe, fallen lassen und einfach Mensch sein.

„Fernsehtipp ‚Make Love‘:
Sex-Aufklärungsdoku im mdr“
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