Verlaufen erotische Beziehungen im Internet-Zeitalter nach einem Muster?

Foto: Erwin Lorenzen, pixelio.de

 

Erotische Beziehungen im Internet-Zeitalter verlaufen nach meiner persönlichen Erfahrung sehr häufig nach einem Muster: Es beginnt mit Sympathie, vielleicht folgt eine körperliche Anziehung, man „macht zusammen Liebe“, teilt gemeinsame Interessen.

Nach etwa 6-12 Wochen kommt dann ein markanter Zeitpunkt, bei dem man sich mehr wünscht oder sich Fragen stellt wie:

„Passt der oder die überhaupt zu mir?“„Ist er oder sie vielleicht untreu, oder doch bereits vergeben?“

Wie sehen Sie das, Herr Drewes? Existieren solche Muster/Prozesse überhaupt?

 

Volker Drewes: Natürlich kann es sein, dass man sich selbst in einem sich wiederholenden „Muster“ oder „Prozess“ erlebt.

Aber – mit Verlaub – wie kommen Sie auf 6-12 Wochen, werter Herr Christ?

Ah ja, die eigene Erfahrung 🙂 Damit ist das Stichwort gegeben. Nur durch unsere eigene Erfahrung bekommen wir die notwendige Rückmeldung, die uns sagt, was für ein Typ wir sind, wer zu uns passt und wo möglicherweise unsere Schwachstellen liegen.


Nur das Bett – oder das Bett und die Suppe miteinander teilen?

Volker Drewes: Man muss eben auch Erfahrungen sammeln, dagegen ist doch nichts einzuwenden. Und wenn dies eben die Erfahrung ist, dass man nach 6 bis 12 Wochen immer wieder feststellt, dass die erotische Anziehung nachlässt bzw. die Frage nach der „Passung“ aufkommt – dann sollte man sich fragen, welche Wünsche denn außerdem noch vorhanden sind.

Affären auf Gegenseitigkeit – warum nicht?

Volker Drewes: Ich meine die Wünsche neben den bereits befriedigten, nämlich dem sich wiederholenden Erfolg, jemanden ins Bett bekommen zu haben. Es gibt ja auf bestimmten griechischen Inseln Strichlisten bei den männlichen Einwohnern, die über diesen Erfolg bei den weiblichen Touristen pro Saison Auskunft geben und die am Ende der Saison ausgetauscht werden. Wenn man genau das will und nichts anderes, ist doch dagegen nichts einzuwenden. Und die Touristinnen machen es umgekehrt vielleicht genauso.

Entscheiden und Verantwortung übernehmen?

Volker Drewes: Schwierig wird es also bei der eigenen „Wunschproduktion“. Was will ich denn noch? Will ich das wirklich – mich fest binden, heiraten, Kinder usw. usw.? Da muss man sich schon mal entscheiden und Verantwortung übernehmen. Und dann hat man schon ein vielleicht bestehendes Muster durchbrochen und kann weiterschauen. Unabhängig davon existieren meines Erachtens keine bestimmten „Zeitabschnitte“, in die man den Kennenlernprozess und sein Vorankommen einteilen und die man verallgemeinern könnte.

 

 

Über unseren Interviewpartner:
Volker Drewes ist Diplom-Psychologe, betreibt seit fast 20 Jahren die Website beratung-therapie.de und entwickelte den Persönlichkeitstest sowie das Matchingverfahren von elitepartner.de.

 


Lesen Sie im nächsten Teil eine Antwort auf die Frage:

Erich Fromm schreibt in seinem Buch „Art of Loving“, dass es keine Do-it-Yourself-Rezepte für die Liebe gibt.

Welche Eigenschaften sind bei Männern und Frauen überhaupt erforderlich, um lieben zu können?

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