Partnersuche: Tipps für Suchende in Internet-Singlebörsen

Internet-Singlebörsen haben ihre Vor- und Nachteile.

Der ehemalige ZEIT-Redakteur Sven Hillenkamp schreibt in seinem Buch „Wie die Liebe an der Internet-Freiheit zugrunde geht“:

„Auf den ersten Blick scheint es so, als ob die Situation nie besser war: wer heute einen Partner sucht, für den sind Millionen potentieller Kandidaten nur wenige Mausklicks entfernt.

In Singlebörsen, auf Chat-Plattformen und in sozialen Netzwerken sehen wir nicht nur das Foto, sondern auch den Musikgeschmack, die Lieblingsfilme und sogar gemeinsame Freunde. Man könnte sich so auf die Suche begeben, nach dem perfekten Partner.

Aber können wir den finden?

Auch wenn wir mit jemandem zusammen sind: das Vergleichen scheint nie aufzuhören, weil es in unserer vernetzten Welt immer möglich ist. Die Folge: das Denken, man könne noch jemanden finden, der besser zu einem passt, wird allgegenwärtig – und so wird auf der Suche nach der perfekten Liebe die Liebe selbst unmöglich.“

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Frage an Diplom-Psychologe Volker Drewes:


Welche abschließenden Tipps würden Sie daher Menschen für die Partnersuche im Internet geben, damit die Partnerwahl nicht in einer Supermarkt- und Wegwerfmentalität endet? Sondern eher mit Nachhaltigkeit, ähnlich wie bei der Wahl von Bio-Produkten.

 

Volker Drewes: Nun, zu dem Zitat von Herrn Hillenkamp möchte ich folgendes anmerken. Die Menschen prägen den Zeitgeist und der Zeitgeist kommt über die Menschen. Das hat nichts Dämonisches.

Es ist jeweils immer eine Entscheidung des Einzelnen, ob er sich diesem Geist ausliefern möchte oder nicht. Das ist schon immer so gewesen, in allen Kulturen, zu allen Zeiten.

Der Grund dafür ist einfach der, dass der Mensch zwischen Individuum und Gruppe hin- und herschwankt. „Wer bin ich?“ fragt er. Aber auch: „Wer sind die Anderen?“ und: „Wie sehe ich die Anderen, wie sehen mich die Anderen?“

Nun kann man sich wohlfeil über den Zeitgeist beklagen, darüber, dass er uns manipuliert oder eben gerade zu sehr in Ruhe lassen würde (solche Klagen gibt es auch!). Das bringt alles nichts.

Also: wenn ich eine Internetbörse betrete, um darüber einen Partner zu suchen, dann bin ich immer noch selbst dafür verantwortlich, was hinten dabei herauskommt. Denn die Idee, sich selbst optimieren zu müssen, um geliebt und anerkannt zu werden – oder umgekehrt: Ansprüche an mein Gegenüber zu stellen im Sinne einer Optimierung für mich, das geschieht auch in der nicht-virtuellen Welt, das passiert auch, wenn Menschen sich im Sportstudio oder an der Bartheke kennenlernen.

Natürlich: im Netz treffe ich von vornherein eine gewisse Auswahl nach bestimmten Vorlieben oder Abneigungen. Aber was macht denn ein Mensch in einer Kennenlernsituation sonst? Er versucht doch auch herauszufinden, ob jemand zu ihm „passt“. Dass es nun Missverständnisse gibt, was dieses „Passen“ angeht – das ist meinetwegen zu beklagen und zu untersuchen, sicher aber nicht „Schuld“ des Internets oder seiner Dienstleister.

Die Menschen neigen allgemein dazu, ihre Beziehungen zu ökonimisieren. Dies wirkt sich dann auf die Liebe aus. Aber in früheren Jahrhunderten war dies noch sehr viel mehr der Fall. Beziehungen wurden fast ausschließlich auf ökönomischer Basis geschlossen; die „romantische Liebe“ war daneben etwas für Romangestalten und eher die Ausnahme.

Jedenfalls gab es schon immer diesen Konflikt: ich liebe jemanden, der vielleicht nicht zu mir passt. An dieser Stelle kann ich einen Aspekt der Kritik annehmen: das schnelle Wechseln zum nächsten Partner birgt natürlich das Problem, dass ich nie irgendwo „ankomme“. Wir laufen weg, wenn wir mit scheinbar unüberwindlichen Problemen konfrontiert werden und hoffen auf mehr Leichtigkeit woanders. Aber auch das muss ja manchmal sein, man kann nicht alles lösen in einer Beziehung. Ob die Liebe hält und man sich gemeinsam weiterentwickelt – das ist immer die große Herausforderung. Die Mühe geben sollte man sich aber schon.

 


 

Damit beenden wir unsere Serie „Wer passt zu Wem?“ mit dem Diplom-Psychologen Volker Drewes und sagen „Danke!“.

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