Partnerwahl: Rolle von Familie, Gesellschaft – und Internet

Foto: Tomizak, pixelio.de

Welchen Einfluss haben Gesellschaft, die eigene Herkunftsfamilie und die Medien, vor allem das Internet, bei der Partnersuche?

Volker Drewes: Partnersuche ist immer eingebettet gewesen in das soziale Umfeld und war nie allein von biologischen Faktoren abhängig. Das ist wirklich ein weites Feld.

Zunächst definiert ja die Gesellschaft ihre Rollenerwartungen an die zugehörigen Individuen.

So gab es ja im vorletzten Jahrhundert zwar die romantische Liebe in der Literatur – in der Lebensrealität herrschte aber das Ökonomieprinzip vor. Man heiratete, weil man mußte, weil es sich so gehörte (ungewollte Schwangerschaft), um Vorsorge für das Alter zu treffen, um eine Sippe vor Machtverlust zu schützen etc. etc.

So wurde eben auch ein Lebenspartner ausgesucht oder zugeführt; man selbst hatte eigentlich wenig Freiheiten, erwartete dies aber auch nicht. Die Geschlechterrollen sorgten für ein Übriges.

 

Das Internet- und Medienzeitalter:
Immer mal wieder an die Falschen

Nun, im Zeitalter der Postpostmoderne ist alles möglich. Jetzt beklagt man sich eher über fehlende Bevormundung, im Sinne von zu wenig Orientierung oder Identitätsstiftung.

Natürlich hat die Gesellschaft nach wie vor einen Einfluss dadurch, dass wir in unserer persönlichen Entwicklung von vielerlei Faktoren geprägt werden. Dies macht die Idee einer „freien Wahl“ bis zu einem gewissen Grade obsolet – man glaubt trotzdem daran.

Das Unbewusste belehrt einen hinterher dann eines besseren – wenn wir festgestellt haben, dass wir schon wieder an den Falschen / die Falsche geraten sind. Wie konnte das bloß wieder passieren?

„Spieglein, Spieglein an der Wand“

Die Herkunftsfamilie ist sicherlich in dörflichen Gegenden, oder überhaupt da, wo noch ein großer Familienzusammenhalt herrscht, nicht ganz ohne Einfluss. Aber wie kann man das genau denn definieren? Das fällt mir schwer. Am ehesten würde ich noch den Einfluss der Medien heranziehen. Hier wird ja viel an „Bedeutung“ vermittelt.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste / der Klügste / der Reichste / der Erfolgreichste etc. im ganzen Land?“ Da kommt keiner ungeschoren davon.

Der Konsummensch lernt eben auch den Partner / die Partnerin zu konsumieren, wenn ich das einmal etwas salopp ausdrücken darf. Das ist nicht schön!

Man muß schon viel Bewusstseinsarbeit leisten, um diese Manipulationen zu duchschauen und sich einigermaßen von ihnen frei zu machen.

 

Über unseren Interviewpartner:
Volker Drewes ist Diplom-Psychologe, betreibt seit fast 20 Jahren die Website beratung-therapie.de und entwickelte den Persönlichkeitstest sowie das Matchingverfahren von elitepartner.de.

 


Lesen Sie im nächsten Teil eine Antwort auf die Frage:

Könnte man im Zeitalter von Internet und IT nicht den perfekten Persönlichkeitstest entwickeln, der 100% garantiert, dass zwei Menschen zusammen passen?

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