Partnersuche: Narzisstische trifft Abhängige Persönlichkeit

Foto: Südberliner, pixelio.de

Angenommen … ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung trifft auf einen anderen Menschen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung.

Welche Risiken sind bei solch einer Bindung zu erwarten? Worauf sollte man – bei dem Beispiel – achten?

Volker Drewes:
„Es ist gar nicht schwer mich zu täuschen, denn ich täusche mich so gern.“

Das etwas frei aus dem Russischen übersetzte Zitat von Puschkin beschreibt ganz schön, worum es hier geht: die Selbsttäuschung und damit auch die Täuschung meines Gegenübers.

Wohlgemerkt: hier liegt (meist) keine böse Absicht vor. Ein Mensch mit einer, wie auch immer gearteteten Persönlichkeitsstörung „weiß“ ja nichts – oder wenn, nur wenig – davon. Das macht es auch so schwer, zu Einsicht und Veränderung zu kommen.

Wie kann man sich vor unliebsamen Überraschungen schützen?

Was uns hier in erster Linie interessiert ist aber ja nicht die Frage nach Diagnose und Heilung. Sondern vielmehr die praktische, pragmatische Fragestellung, wie wir uns beim Kennenlernen bzw. Neubeginn einer potentiellen Partnerschaft etwas besser vor unliebsamen Überraschungen schützen können.

Narzisstische und abhängige Persönlichkeitsstörung

Zunächst jedoch müssen wir, wenn auch nur kurz, noch einmal umreißen, worum es bei diesen beiden Formen der Persönlichkeitsstörung geht.

Bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung steht die Suche nach Anerkennung vor dem Hintergrund einer inneren Unsicherheit im Vordergrund. Dies sind – im ausgeprägten Zustand – Menschen, die alles tun, um bestätigt zu werden, die keine Kritik ertragen können und die ihre Schuld- und Schamgefühle abwehren müssen. Sie können sehr manipulativ sein, auch sehr erfolgreich. Was sie meist nicht können: echte Empathie für ihren Partner entwickeln und zeigen.

Ein Mensch mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung ist geprägt von der Angst verlassen zu werden. Er ist unselbständig, „hängt“ sich an andere und zeigt wenig Eigeninitiative. Es gibt diese Störung in der aktiven und passiven Variante. Aktiv heißt, dass jemand Strategien entwickelt hat, um andere von seinen Abhängigkeitswünschen abzulenken. Passiv heit, dass dies offen zutage tritt und auch so gelebt wird.

Endlosschleife bis zur schmerzhaften Trennung

Wenn nun ein Mensch mit einer narzisstischen auf jemanden mit einer abhängigen Störung trifft, dann kann dies zunächst – vor allem, wenn es sich beim zweiten um die aktive Variante handelt – sehr attraktiv für die Beteiligten sein. Denn der Abhängige „sorgt“ dafür, dass der narzisstisch Gestörte die Anerkennung bekommt, die er braucht. Und umgekehrt gibt der Narzisst dem Abhängigen die Sicherheit, gebraucht zu werden – also Sicherheit vor dem Verlassenwerden. Beide ergänzen sich sozusagen negativ.

Dies bleibt aber nicht lange so. Denn nach einer gewissen Zeit, wird der Narzisst seinen Partner anfangen zu verachten für seine Kontrollwünsche. Und der Abhängige wird merken, dass das was er bekommt, nicht wirklich seinen Wünschen entspricht, also als Folge mehr zu klammern beginnen. So kann das Ganze in einer negativen Endlosschleife enden, bis es zur schmerzhaften, meist destruktiven Trennung kommt.

 Abhängige Persönlichkeit    Narzisstische Persönlichkeit 
ist ängstlich und anklammernd hat Angst vor Abhängigkeit
kann nicht alleine sein glaubt, alles alleine zu schaffen
ist emotional weich und nachgiebig ist emotional hart und kalt
wird von Gefühlen geleitet „Kopffüßler“, kaum Zugang zu Gefühlen
selbstunsicher fassadär, unecht und egoistisch
starkes Mitgefühl nur wenig echtes oder kein Mitgefühl
entwickelt leicht Schuldgefühle auf eigenen Vorteil bedacht
opfert sich in Beziehungen beutet Beziehungen aus
unterschätzt die eigenen Fähigkeiten überschätzt die eigenen Fähigkeiten
wird mitunter von Gefühlen überschwemmt (Angst, Trauer, Freude, Wut) hat keine Gefühlstiefe, außer starke Wut, reagiert im Falle der Kränkung überschäumend
Angst vor Kränkung große Angst vor Kränkung

 

Quelle: „Wege aus der Abhängigkeit – Destruktive Beziehungen überwinden“, dtv-Verlag, mit freundlicher Genehmigung von Autor Heinz-Peter Röhr

Wenn Differenz und Konflikte ausgeklammert werden…

Und wie kann ich nun in einer Kennenlernsituation solch eine Konstellation erkennen oder „erahnen“? Bei der Antwort landen wir bei unserem Eingangszitat: wir sollten uns davor hüten, uns zu täuschen durch falsche Idealisierungen!

Das bedeutet vor allem darauf zu achten, dass man sich nicht dadurch täuschen lässt, wenn scheinbar eine „große Harmonie“ herrscht, wenn es so aussieht, als sei man in allem und jedem einer Meinung, wenn „genau die gleiche Wellenlänge“ gelobt wird.

Wenn also jedwede Form von Differenz und Konflikt ausgeklammert scheint, dann ist möglicherweise ein gesundes Misstrauen am Platze, auch wenn dies schwer fallen sollte, weil man sich gerade in einem „wunderschönen Vor- Honeymoon“ wähnt.

 

Über unseren Interviewpartner:
Volker Drewes ist Diplom-Psychologe, betreibt seit fast 20 Jahren die Website beratung-therapie.de und entwickelte den Persönlichkeitstest sowie das Matchingverfahren von elitepartner.de.

 


Lesen Sie im nächsten Teil eine Antwort auf die Frage:

Welchen Einfluss haben Gesellschaft, die eigene Herkunftsfamilie und die Medien, wie Internet, bei der Partnersuche?

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