Ist ewige Treue und Partnerschaft überholt?

Foto: JMG, pixelio.de

52% aller deutschen Paare glauben an die „ewige Liebe“. Dem gegenüber steht eine ziemlich hohe Scheidungsquote, sowie etwa 12 bis 17 Mio. Singles und zirka 2500 deutschsprachige Online-Singlebörsen, -Partnervermittlungsagenturen und -Seitensprungplattformen. Ist das Modell bzw. der Traum von der „ewigen Liebe“ überholt und existieren stattdessen nicht längst neue Beziehungsformen wie „Lebensabschnittsgefährten“?

Volker Drewes: Der Glaube an die „ewige Liebe“ ist ja zunächst etwas, das sehr schön klingt und erst einmal positive und hoffnungsvolle Gefühle weckt. Inhaltlich hat dies zum einen mit dem Konzept der „romantischen Liebe“ zu tun, die sich historisch erst im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Vorher war die Ehe eher eine Einrichtung, die rationalen Beweggründen untergeordnet war. Man heiratete, um sich versorgen zulassen, für den Nachwuchs zu sorgen oder eine Dynastie abzusichern. Die Gefühlslage der Beteiligten spielte eine untergeordnete Rolle, obwohl natürlich die Idee der Liebesheirat schon viel früher existiert hat – nur hat man dies denjenigen überlassen, die es sich leisten konnten oder seine Phantasie an Romanfiguren entzünden lassen.

Dies änderte sich vor allem im Zusammenhang mit der Emanzipation der Frau und der zunehmenden Befreiung des Individuums in den westlichen Gesellschaften. Jetzt heißt es: was für einige wenige gilt, soll auch für mich gelten.

Der Glaube an die „ewige Liebe“ hat zum anderen aber auch etwas mit dem Glauben an das Schicksal zu tun. Frei nach dem Motto: „Wenn mich Armor einmal geküsst hat, dann verlässt er mich auch nicht mehr.“ Das ist ein gefährlicher Irrtum. Denn Armor verschickt seine Pfeile immer wieder neu, vorzugsweise dorthin, wo es spannend und aufregend ist. Armor ist ein Freund der Veränderung!

Der Irrglaube von der stets harmonischen,
und anhaltenden romantischen Liebe

„Veränderung in einer Partnerschaft setzt aber auch Konfliktbereitschaft und Wachstum voraus. Dafür muss ein Paar etwas tun.“

Der Glaube also an das Wachstum sollte mindestens genauso ausgeprägt sein, wie der Glaube an das Schicksal, das einem einmal hold gewesen ist.

Dass nun viele Menschen Schwierigkeiten mit Veränderung und den damit einhergehenden Herausforderungen haben, ist der Hauptgrund für das Scheitern von Beziehungen und eben auch der Grund für eine hohe Scheidungsrate.

Insofern möchte ich die Frage nach dem Traum von der ewigen Liebe auch so beantworten: Romantik ist schön, wenn sie von einer angemessenen Portion Realismus begleitet wird. Dann steigt die Chance auf eine sich festigende und lange Beziehung bzw. Ehe.

 

Über unseren Interviewpartner:
Volker Drewes ist Diplom-Psychologe, betreibt seit fast 20 Jahren die Website beratung-therapie.de und entwickelte den Persönlichkeitstest sowie das Matchingverfahren von elitepartner.de.

 


Lesen Sie im nächsten Teil eine Antwort auf die Frage:

Welche bewussten aber auch unbewussten Kriterien spielen bei der Partnerwahl eine Rolle?

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