Schreiben gegen Trennungsschmerzen

Katzenkinder
Foto: Markus Eymann, pixelio.de

Es gibt ja bekanntlich die vielfältigsten Strategien, um eine Trennung zu überwinden. Manche Menschen stürzen sich in Arbeit, andere flüchten in den Alkohol oder stürzen sich ins nächste Abenteuer.

Was mir persönlich immer gut getan hat, weil es vermutlich in der Familie liegt: Schreiben. Geschichten, Gedichte, Abschiedsbriefe (die ich aber nicht immer abgeschickt habe).

Ist es mal wieder zu einer Trennung mit einer flüchtigen Internet-Bekanntschaft gekommen, hole ich die alten Sachen hervor und muss so manches Male schmunzeln über die „schwere Kost“, die ich mal verfasst habe. Was man nicht alles tut, um die Ex zu vergessen… 😉

Heute fand ich beim stöbern auf meiner Festplatte ein altes Gedicht, das ich mal vor Jahren nach einer Trennung mit Kontaktabbruch geschrieben habe. Es heißt „Katzenkinder“ und zeigt, dass man(n) ruhig auch mal wütend sein darf. Ich widme es allen frisch Getrennten – vor allem Männern.

Frohe Ostern! Frohe Weihnachten!
Schöne Adventstage!

Was auch immer, Trennungen sind sch…. vor allem vor Feiertagen!


 

Katzenkinder

Ich bin Ich.
Und Du bist Du.
Wenn wir uns begegnen
ist das schön.

Wenn nicht,
kann ich das nicht ändern.
Und das ist auch schön.

Wer suchet, der findet nicht.
Es findet das zueinander,
was gerade im Leben passt.
Leben ist laufende Veränderung.
Und der Ruhepol, die Heimat,
in Deinem eigenen Herzen.

Die Freiheit und der Sinn
ist Dein Leben selbst.
Liebe, die größte Kraft.
Nur die Wahrheit ist’s,
die Wissen schafft.

Wenn Du nicht lieben kannst,
kannst Du auch nicht hassen.
Wenn Du nicht hassen kannst,
kannst Du auch nicht vergeben.
Wenn Du nicht vergeben kannst,
lebst Du weiter in Unfrieden.
Mit altem Schmerz
aus der Vergangenheit.
Und gibst ihn weiter
an Deinen nächsten.

Wenn Du nicht vertrauen kannst,
bist Du selber nicht treu.
Auch anderen nicht,
selbst, wenn Du das glaubst.
Untreue fängt im Kopf an,
nicht erst im feuchten Schritt.
Voller Wut in Deinem kleinen Profil,
ob hier oder dort im Netz.
Voller Wut über den Ex.
Die ich nicht brauche.
Es ist deine Wut.
Und vor allem nicht meine Rache.

Wenn Du Dich nicht traust,
dann fehlt Dir der Mut.
Dem ehrlichen Mut,
Dir selber zu vertrauen.
Du hast Angst vor anderen,
vor allem vor Dir selbst und
Deiner Schwäche ein Mensch zu sein.
Lügst mich an, aus Angst,
enttarnt zu werden.
Angst, verletzt oder
gekränkt zu werden.
Kannst Dich nicht fallen lassen.
Fühlst Dich innerlich wertlos.
Verloren oder niemals empfunden:
keine Hingabe zur Liebe.
Dein „Danke“ klingt gequält.
Entschuldigst Dich für Dich,
wenn ich nicht sofort reagiere.
Vertrauen und Treue,
nur eine leere Phrase.
Wenn Du Dir selber nichts wert bist,
kannst Du andere auch nicht wertschätzen.
Lass es – und bitte die Finger von mir.

Wenn Du leidenschaftliche Liebe mit
Liebe verwechselt, leidest Du lieber.
Ohne die Freude der Liebe zu teilen.
Bleibst lieber stehen, statt zu wachsen.
Ein Leben lang ein Kind.
Das glaubt, erwachsen zu sein.
Bedürftig, abhängig und trotzig.
Von einer Lust-Schmerz-Beziehung
in die nächste.

Manchmal sahen wir bei anderen die Schuld.
Wir armen Opfer. Die längst Täter wurden.
Andere emotional missbrauchten,
sie mit alten Schmerzen schmerzten,
mit unseren eigenen Schmerzen,
Ihnen Erlösung abforderten,
und sie gnadenlos ausbeuteten.

Liebe ist eine Wohltat.
Eine Quelle des Seins.
Wer sich selber liebt,
mit allen Tiefen und Untiefen,
mit der eigenen Verletzlichkeit,
ohne nur selbstverliebt zu sein,
kann andere lieben.
Das lieben, was Du an Dir
selbst liebst.
Mit ehrlichem Wert.

Wenn Du ähnlich fühlst,
schreibe mir.
Ich teile und wachse
mit Dir, wenn es passt.
Wenn nicht, sind wir noch
die, die so sein mögen
wie sie sind: Kinder.
Spielend. Bedürftig.
Kratzend und beißend.
Wie Katzenkinder, die
miteinander spielen.

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