Sind Männer eher sadistisch und Frauen eher masochistisch?

'Foto: Ich und Du', pixelio.de
‚Foto: Ich und Du‘, pixelio.de

„Sind Männer eher sadistisch, Frauen eher masochistisch?“

Im zweiten Teil unserer neuen Serie zum Thema ‚Sadomasochismus‘ richten wir die Frage wieder an die Diplom-Sozialpädagogin Bettina Uzler und an den Diplom-Psychologen Robert Coordes.

bvuBettina Uzler: Nein, diese eindeutige Zuordnung im Sinne von Frau= rezeptiv=masochistisch oder Mann=dominant=sadistisch, lässt sich in unserer Praxis nicht bestätigen. Sicher ist für Männer eine Neigung in Richtung „Sadismus“ nach wie vor eher sozial erwünscht und auch für Frauen gilt in einigen Regionen weiterhin eher der gesellschaftliche Anspruch, sich dem Manne „Untertan zu machen“ und sich der männlichen Führung hinzugeben. Eine masochistische Neigung bei Männern wurde gesellschaftlich eher zwiespältig betrachtet und tabuisiert, eine dominante bei der Frau ebenfalls. In unserer sexual- und paartherapeutischen Praxis berichten allerdings ebenso Männer von der Sehnsucht nach Hingabe wie auch Frauen von der Fantasie, sich dominant zu betätigen und z.B. Männer zu unterwerfen. Auch die verschiedenen Studien, die im Bereich der BDSM-Subkultur durchgeführt wurden, lassen keine eindeutigen Aussagen darüber zu, dass Masochismus eher weiblich und Sadismus eher männlich ist.

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Ist Sadomasochismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen?

Foto: Espressolia, pixelio.de
Foto: Espressolia, pixelio.de

In Deutschland wurde Sadomasochismus bzw. BDSM in den letzten Monaten zu einem Thema, das offenbar in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist. Frauen bekannten sich in der BILD am Sonntag im Frühjahr offen zu ihrer SM-Neigung. Ausgelöst durch die Trilogie von „Shades of grey“, deren Bücher sich in Deutschland bisher rund 6 Mio. verkauft haben? Oder steckt in uns Allen ein wenig Sado-Maso?

Unsere erste Frage in der neuen Serie ‚Sadomasochismus‘ an die Diplom-Sozialpädagogin Bettina Uzler und an den Diplom-Psychologen Robert Coordes…

 

rac Robert Coordes: Ja, der Erfolg der Shades of Grey-Trilogie zeigt, dass sado-masochistische Neigungen offensichtlich gesellschaftsfähig geworden sind und das heute weitaus freizügiger darüber gesprochen werden kann als vielleicht jemals zuvor.

Unser Bild von Sexualität ist immer auch gesellschaftlich und kulturell beeinflusst. Was uns sexuell erlaubt ist und was nicht, worüber wir sprechen dürfen und worüber nicht, was als normal und was als abnorm gilt, was für Männer und Frauen sexuell erstrebenswert scheint, ist abhängig von gesellschaftlichen Konventionen und kulturellen Werthaltungen.

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