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'Serien'

von Jürgen Christ

Herzschmerz. Foto von: Simone Hainz, pixelio.de

Herzschmerz.
Foto von: Simone Hainz, pixelio.de

In unserem vorletzten Teil der Serie über Bindungsangst veröffentlichen wir einen redigierten, zusammen gefassten und genehmigten Beitrag von einem Nutzer des Online-Forums Nexusboard – ein Forum für Bindungsangst, Verlustangst und Eifersucht.

Diese praktischen Tipps helfen Partnern bei Trennungen – nicht nur von bindungsängstlichen Menschen. Egal, ob von einer Frau – wie in diesem Falle – oder von einem Mann: “Was zählt, bist DU!”

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von Jürgen Christ

Welche Hoffnung möchten Sie persönlich Partnern oder Ex-Partnern von Bindungsängstlichen – nach einer Trennung – mit auf ihren Weg geben? Nach Erich Fromm gehört zu einem authentischen Leben: Glaube und Mut, oder?

Stefanie Stahl: An Liebeskummer stirbt man nicht. Der verheilt mit der Zeit. Und dies umso schneller, je weniger Selbstmitleid man sich gönnt. Man sollte im Auge behalten, dass Liebeskummer viel mit persönlicher Kränkung zu tun hat, will heißen: War ICH nicht schön, toll, gut genug? Zu 90% weint man um sich selbst. Es geht also gar nicht so sehr um den oder die Angebeteten, wie man es zu fühlen meint. Ein wesentlicher Anteil der Leidenschaft für Menschen, die man nicht bekommen kann, ist, dass man sie nicht bekommen kann.

Letztlich kann man an einer gescheiterten Beziehung wachsen, indem man versucht sich selbst besser zu verstehen: Nach welchen Kriterien wähle ich meine Partner? Wie viel persönliche Eitelkeit spielt hierbei eine Rolle? Was erwarte ich von einer Partnerschaft? Ganz wichtig ist, dass man lernt, sich soweit in sich selbst zu beheimaten, dass man auch ohne Partnerschaft ein erfülltes Leben führen kann. Dies ist auch die beste Voraussetzung, damit eine Liebesbeziehung gelingen kann.

Meiner Meinung nach ist hierfür das Gefühl der „großen Verliebtheit“ am Anfang der Beziehung auch gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger für den langfristigen Erhalt ist, dass man wirklich gut zusammen passt, was die persönlichen Einstellungen, Interessen und Vorlieben betrifft.

Danke für Ihre Zeit!

Stefanie Stahl
Stefanie Stahl ist Psychotherapeutin, Buchautorin und Gerichtsgutachterin in Trier. Ihr neuestes Buch, “Leben kann auch einfach sein! So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl”, erschien im Herbst.

Lesen Sie in den letzten beiden Teilen unserer Serie:
Trennung von einem bindungsängstlichen Ex-Partner überwinden: “Was jetzt zählt, bist nur DU!”

sowie:

“Krankhafter Narzissmus und Beziehungsabhängigkeit: Sprengstoff für zwei Seelen.”

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Mittwoch, 30.November 2011

Warum sind Bindungsängstliche sexsüchtig?

von Jürgen Christ

Stefanie Stahl: Sex ist deshalb in bindungsphobischen Beziehungen oft so ein wichtiges Thema, weil die betroffenen Partner sich nie sicher fühlen. Es ist wie eine ständige Neueroberung: Die Unsicherheit und Angst befeuert die Leidenschaft. Bei den Bindungsängstlichen selbst muss das hingegen nicht unbedingt so sein – sie befinden sich ja häufig auf der Flucht.

Allerdings gibt es bindungsängstlich-gleichgültige Typen, die kaum oder keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben, beispielsweise narzisstisch gestörte Menschen, die nur über Sex und ähnliche Situationen Zugang zu ihren Gefühlen bekommen. Stellen Sie sich vor, ein Mensch sagt nach erfülltem Sex, er sei eins gewesen, eins mit sich selbst, statt eins mit Ihnen! Er oder sie habe sich selbst gefühlt. Dieser bindungsängstliche Mensch verwechselt dann Liebe mit Sex, glaubt Sie zu lieben, obwohl er in Wirklichkeit gespürt hat, sich selbst zu lieben. Solche Menschen haben große Angst vor zu viel Nähe, vor allem zu sich selbst und zu anderen Menschen. Und dann werden sie regelrecht süchtig nach dem “Stoff”, in dem Falle Sex. Jede Abspaltung von sich selbst führt in eine Abhängigkeit (volkstümlich auch als “Sucht” bezeichnet) mit stoffgebundenen Süchten wie Alkohol, Drogen oder in eine Co-Abhängigkeit mit nicht stoffgebundenen Süchten wie nach Liebe, Beziehung, Sex, oder Sport, Fernsehen, Arbeit oder vielem anderen.

Lesen Sie dazu auch im Interview mit Dr. Barabara Kiesling:
“Welche Rolle spielt die Sexsucht bei Beziehungsabhängigkeit?”


Lesen Sie im nächsten und letzten Teil des Interviews, der am Freitag erscheint:
Hoffnung für Ex-Partner von bindungsängstlichen Menschen

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von Jürgen Christ

Das Hormon Oxytocin wird auch als Bindungs- oder Kuschelhormon bezeichnet. Gibt es künstliches Oxytocin, das die Bindungsangst verringern könnte? Oder kann man die Oxytocin-Ausschüttung selbst manipulieren und damit die Bindungsangst verringern, beispielsweise durch Massagen, Licht, Singen, Reittherapie, Tanzen, Theater spielen, Yoga, Meditation oder mit Klängen wie von Klangschalen?

Dazu habe ich den Arzt Dr. Dr. Herbert Mück – Mitautor der Liebesfibel – sowie unsere Interviewpartnerin, Psychotherapeutin und Buchautorin Stefanie Stahl befragt:

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Freitag, 25.November 2011

Bindungsangst: Ist sie heilbar?

von Jürgen Christ

Ist Bindungsangst heilbar? Besteht Hoffnung? Oder ist Bindungsangst – ähnlich wie Abhängigkeit – unheilbar und kann nur zum Stillstand gebracht werden? Kontrolliertes Trinken ist für einen alkoholkranken Menschen ja auch unmöglich, verhält es sich mit der Bindungsangst ähnlich? Kann ein bindungsängstlicher Mensch sich überhaupt jemals binden – oder gibt es auch Bindungsängstliche mit unheilbarem Hirnschaden?

Stefanie Stahl: Wenn der Bindungsängstliche motiviert ist, an seinem Problem zu arbeiten, kann man schon eine Menge bewirken. Allerdings haben die größeren Erfolgschancen jene, die auch einen persönlichen Leidensdruck verspüren. Das sind zumeist jene, die auch tatsächlich ihre Ängste als solche fühlen. Diejenigen hingegen, die eher Gleichgültigkeit in Bezug auf ihren Partner und Liebesbeziehungen im Allgemeinen empfinden, weisen weniger Leidensdruck auf und sind auch therapeutisch schwerer zu erreichen. Die Bindungsängstlichen vom gleichgültigen Typus haben allgemein wenig Zugang zu ihren Gefühlen. Ihre emotionale Amplitude ist flach. Dies erschwert die therapeutische Veränderung. Allerdings kann man auch bei ihnen noch einiges bewirken.


Lesen Sie im nächsten Teil, der am Montag erscheint:
Kann das Hormon Oxytocin gegen Bindungsangst helfen?

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Mittwoch, 23.November 2011

Die Bindungsangst und das Selbstwertgefühl

von Jürgen Christ

Offenbar mangelt es bindungsängstlichen Menschen an Selbstwertgefühl. Wie kann man das eigentlich lernen?

Stefanie Stahl: Oh je, diese Frage ist so komplex, das ich ein ganzes Buch hierüber geschrieben habe. Wichtig ist, dass man sich mit seinen Schwächen akzeptiert und nicht ständig einem Idealselbst hinterherläuft, nach dem Motto: Ich muss noch schöner, klüger und fähiger werden. An dieser Selbstakzeptanz muss man arbeiten, diese stellt sich natürlich nicht bloß durch einen guten Vorsatz ein.

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von Jürgen Christ

Stefanie Stahl: Bindungsängstliche sind nicht zwangsläufig beruflich erfolglos. Im Gegenteil, manche von ihnen sind sogar sehr erfolgreich, weil sie sich in ihrer Karriere nicht von persönlichen Bindungen und Familie aufhalten lassen. Andere hingegen sind tatsächlich aufgrund ihres Problems auch beruflich wenig erfolgreich, weil ihr Widerwillen sich festzulegen und Erwartungen anzupassen, sie dazu verleitet, auch in beruflichen Beziehungen immer wieder auszubrechen beziehungsweise abzubrechen.

Mit der Freundschaft verhält es sich ähnlich: Bei manchen Bindungsängstlichen wird ihr Problem nur in Liebesbeziehungen virulent und sie können gute und verbindliche Freunde sein. Andere tun sich hingegen auch in Freundschaften schwer, sich verbindlich zu verhalten und gewisse Erwartungen, die auch in Freundschaften nicht ausbleiben können, zu erfüllen. Wie gesagt, sind Bindungsängstliche beständig um ihre persönliche Autonomie und Freiheit besorgt. Diese Ich-Angst kann ihnen auch Freundschaften erschweren. Der Mechanismus – beruflich und freundschaftlich – ist stets der Gleiche: Du willst, dass ich die Vase links hinstelle, also stelle ich sie nach rechts!


Lesen Sie im nächsten Teil, der am Mittwoch erscheint:
Die Bindungsangst und das Selbstwertgefühl

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