Hilft das Hormon Oxytocin gegen Bindungsangst?

Das Hormon Oxytocin wird auch als Bindungs- oder Kuschelhormon bezeichnet. Gibt es künstliches Oxytocin, das die Bindungsangst verringern könnte? Oder kann man die Oxytocin-Ausschüttung selbst manipulieren und damit die Bindungsangst verringern, beispielsweise durch Massagen, Licht, Singen, Reittherapie, Tanzen, Theater spielen, Yoga, Meditation oder mit Klängen wie von Klangschalen?

Dazu habe ich den Arzt Dr. Dr. Herbert Mück – Mitautor der Liebesfibel – sowie unsere Interviewpartnerin, Psychotherapeutin und Buchautorin Stefanie Stahl befragt:

Dr. Dr. Herbert Mück: Ja, es gibt künstlich hergestelltes Oxytocin, zum Beispiel als Nasenspray. Auch wenn die Substanz Bindungen verstärken mag, ist sie vermutlich nicht in der Lage, „schwere Bindungsangst“ zu überwinden. Da würde ich lieber auf eine Psychotherapie zurückgreifen.


Stefanie Stahl bestätigte diese Aussage: „Ohne eine entsprechende Psychotherapie wird sich nichts ändern!“

US-Anbieter wie Vero Labs preisen Oxytocin als Spray für Singles, Verkaufsleute und Manager an. Sie locken mit großen Versprechungen wie: „Vertrauen in einer Flasche“. Verolabs stellt künstliches Oxytocin auch in Kombination mit Pheromonen her, die der biochemischen Kommunikation zwischen Lebewesen einer Spezie dienen, beispielsweise Insekten bei der Paarung. Oxytocin als Nasenspray ist bei Vero Labs ab rund 30 Dollar, in Verbindung mit Pheromonen ab rund 80 Dollar erhältlich.

Ich habe es mal bestellt und werde einen Testbericht veröffentlichen. PS: es soll bei einem selbst helfen, nicht dabei, andere Menschen zu manipulieren!

Oxytocin – Was ist das? Wie erzeugt der Körper es?

In der neurochemischen Forschung wird Oxytocin beim Menschen mit psychischen Zuständen wie Liebe, Vertrauen und Ruhe, aber auch defensive Aggression gegenüber Außenseitern in Zusammenhang gebracht. Diese Annahmen beruhen auf Experimenten, wie sie von Michael Kosfeld an der Universität Zürich durchgeführt wurden. Kosfeld ließ Probanden ein Investorenspiel mit echten Geldgewinnen durchführen, wobei bei einem Teil der Testpersonen durch ein Nasenspray ein erhöhter Oxytocinspiegel erzeugt wurde. Es zeigte sich, dass die Personen mit einem erhöhten Oxytocinspiegel mehr Vertrauen ihren Spielpartnern gegenüber an den Tag legten. Die Arbeitsgruppe von Beate Ditzen erforschte den Einfluss von Oxytocin, indem sie Ehepartner dazu aufforderte, ein Thema zu diskutieren, über das sie sich häufig streiten. Die Ergebnisse der Studie legen eine beruhigende und deeskalierende Wirkung des Neuropeptids nahe.

Die sexuell stimulierende Wirkung von Oxytocin ist bei Tieren wiederholt beschrieben worden, eine luststeigernde Wirkung wurde aber auch beim Menschen sowohl für Männer als auch für Frauen nachgewiesen. Die beim Orgasmus freigesetzten hohen Oxytocindosen bewirken danach eine Phase der Entspannung und Müdigkeit. „Auf jeden Fall ist es vermutlich am Gefühl der engen persönlichen Verbundenheit nach einer befriedigenden sexuellen Begegnung beteiligt, so ähnlich wie es die Bindung zwischen der stillenden Mutter und ihrem Säugling verstärkt.“

Zudem bewirkt „die moderate Ausübung taktiler Reizung auf das Hautorgan in rhythmischen Abständen, mit anderen Worten: das Streicheln“ (siehe auch haptische Wahrnehmung) eine Freisetzung von Oxytocin „und führt zu einer Beruhigung und einem Wohlgefühl, das die Bindung der beteiligten Personen verstärkt.“

Oxytocin wird bei angenehmen Körperkontakten wie Umarmungen und Zärtlichkeiten sowie Massagen ausgeschüttet, ebenso beim Singen. Forschungen deuten darauf hin, dass eine Freisetzung von Oxytocin durch angenehme Sinneswahrnehmungen wie Berührungen und Wärme, durch Nahrungsaufnahme, durch Geruchs-, Klang- und Lichtstimulation sowie durch rein psychologische Mechanismen ausgelöst werden kann, insbesondere infolge einer entsprechenden Konditionierung; im Gehirn wird es zudem bei Stress freigesetzt.

Quelle: Wikipedia


Lesen Sie im letzten Teil des Interviews mit Stefanie Stahl, der am Mittwoch erscheint:
Warum sind Bindungsängstliche sexsüchtig?

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