Bedeutet eine zufriedene Partnerschaft Arbeit?

Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de
Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Heute las ich in einem provokanten Blogartikel u.a. zum Thema „Arbeit in Beziehungen/Partnerschaften“ folgende Zeilen, die mich dazu anregten nochmals nachzudenken und zu recherchieren.

PS: Weitere Meinungen aus dem Internet findest Du am Ende dieses Artikels.

Madama Vaillant erwähnt auch, dass eine Ehe „keine leichte Sache“ ist. Hätte nur noch gefehlt, dass noch kommt „Liebe / Beziehung ist Arbeit“.

Meine ganz ehrliche Meinung:

eine Beziehung, die von Liebe und Respekt getragen wird, ist niemals Arbeit. Nie, nie und nochmals nie!

Leider liest man derlei fragwürdige Statements allethalben. Für mich ausgemachter Unsinn. Denn im Gegensatz zur Arbeit, im Sinne von Broterwerb, die sich viele Leute tatsächlich nicht wirklich aussuchen können oder öde finden, sucht man sich seinen Partner ja aus.

[….]

Und das macht man, weil man sich mit diesem einen Menschen ein Leben in Liebe und Harmonie vorstellt. Niemand geht eine Beziehung zu jemanden, den er liebt ein, weil er dann „dran arbeiten“ möchte. Wenn dieser Punkt eintritt, ist die Beziehung eigentlich schon vorbei.

PS: Die Bloggerin bezog sich in ihrem Artikel auf ein Interview mit der französischen Buchautorin Maryse Vaillant.

 

Beziehungsarbeit bedeutet vor allem Arbeit an sich selbst

Nun, es klingt vielleicht so, als leben manche Menschen irgendwo zwischen einer Traumwelt der Romantik des 19. Jahrhunderts, einem Märchen der Gebrüder Grimm und einer Hollywood-Liebesschnulze. Jedem so, wie es ihm gefällt, leben und leben lassen.

Aber … Wenn eine Partnerschaft also Arbeit macht, ist sie vorbei? Schaffe ich gleich mein Auto ab, wenn es in die Werkstatt muss?

Es gibt leider einige Menschen, die so denken, wie ich immer mal wieder höre. Ich möchte solche Aussagen auch nicht weiter kommentieren oder bewerten. Sie sprechen für sich selbst, weil …

… betroffene Paare, Psychologen und Paartherapeuten genau das Gegenteil sagen: Eine zufriedene Partnerschaft bedeutet eben Arbeit!

Ich denke dabei nur an meine Eltern, die mehr als 50 Jahre verheiratet sind. Ich habe sie gefragt. Ihre ehrliche Antwort: „Verdammt viel Arbeit, aber sie macht sehr zufrieden.“

Beziehungsarbeit bedeutet viel Arbeit an sich selbst, sich (innerlich wie äußerlich) nicht gehen zu lassen, sich eigene Fehler bewusst zu machen und daraus zu lernen. Verwirrte Romantiker oder bequeme Liebeskonsumenten sind nach meiner Erfahrung dazu nicht in der Lage.

 

Zufriedene Partnerschaft = Erotik, Sex und Nächstenliebe

Für eine gesunde Partnerschaft bedarf es vor allem der Ausgewogenheit von drei Komponenten, damit die Beziehung rund läuft: Erotik, Sexualität und – vor allem nach dem ersten verknallt sein – Nächstenliebe, wie uns der Psychologe Volker Drewes anschaulich in der Serie „Wer passt zum Wem?“ vermittelt hat. Die Liebe sorgt letztendlich für ein verantwortliches Bindungsverhalten!

Nächstenliebe bedeutet immer Arbeit. Helfe ich Menschen bei der Tafel, arbeite ich. Bin ich für meine Freundin auch in heiklen Situation da, bzw. stelle mich Konflikten und laufe nicht gleich weg, bedeutet das Arbeit. Schenke ich ihr einmal die Woche Blumen, so habe ich diese von dem Geld gezahlt, was ich zuvor erarbeitet habe. Braucht mich meine Freundin jetzt und sofort, fahre ich sofort zu ihr hin (bei getrennten Wohnungen), also Arbeit … habe ich vielleicht einen Fehler gemacht, so muss ich daran arbeiten.

Beziehungsarbeit findet nicht nur in Partnerschaften statt: es ist ein allgemeiner Begriff für die Arbeit an zwischenmenschlichen Beziehungen – wie es bei Wikipedia nachzulesen ist.

Im Netz fand ich folgende Quellen zum Thema „Beziehungsarbeit“:


 

„Auch wenn das vielleicht nicht sonderlich romantisch klingt, ist es lohnenswert, ein bisschen Arbeit in die eigene Partnerschaft zu investieren.“

„Das ABC einer erfolgreichen Partnerschaft“
zeitzuleben.de


 

„Von Anfang an muss alles passen, sonst kann die Liebe nicht gelingen…Hört sich romantisch an. Und einfach. Ist aber für eine lebenslange Liebe ziemlich unrealistisch und die falsche Einstellung. Gerne von Romantikern erträumt, gerne von bequemen Liebeskonsumenten angenommen.

Nur hat es wenig mit wirklicher Partnerschaft zu tun. Liebe macht Arbeit und es gibt keine Beziehung ohne Kompromisse. Wums…das hört sich erst einmal ziemlich unangenehm an. Ist aber so! Immer mehr Paarforscher und Psychologen stellen das deutlich heraus.“

„Über die harte Arbeit der glücklichen Partnerschaft“
elitepartner.de

 


 

„Beziehungsarbeit bezeichnet ein Vorgehen in zwischenmenschlichen Beziehungen, in dem von den Beteiligten bewusst versucht wird, ihr Verhalten gegenüber dem jeweils anderen zu hinterfragen und im Sinne einer positiven Gestaltung der Beziehung veränderbar zu halten. Sie hat das Ziel, Vertrauen zu ermöglichen, größere Abstimmung (sachlich / emotional) und offeneren Austausch zu erreichen.

Beziehungsarbeit bedeutet, gezielt auf einen Menschen zuzugehen, etwas gemeinsam mit ihm zu erleben, persönliche Berührungspunkte herzustellen oder andere in der Beziehungsbildung anzuleiten.

Beziehungsarbeit kann auch das Hinterfragen eigener Verhaltensmuster sowie von „Motivationen“ für bestimmte Verhaltensweisen dem anderen gegenüber beinhalten.“

„Beziehungsarbeit“
wikipedia.de

 


 

„Das Liebesglück ist keine Selbstverständlichkeit: Wer eine langfristige Beziehung harmonisch, interessant und knisternd gestalten will, sollte folgende Regeln beachten. Eine Garantie für die Liebe gibt es jedoch nie.

Liebe ohne Garantie: Selbst die beste Ehe kann zerbrechen. In einer Partnerschaft können sich beide Partner ihrer Liebe nie sicher sein. Eine langfristige Beziehung in Harmonie bedeutet Arbeit und wird umso reizvoller, desto intensiver sich beide Partner umeinander bemühen.

„Die besten Tipps für eine langfristige Beziehung“
wallstreet-online.de

 


 

„Was mir hier besonders auffällt, ist der Ausspruch „An einer Beziehung muss man immer arbeiten…“ Wie, zum Donner, arbeitet man an einer Beziehung?“

„Wie arbeite ich an einer Beziehung?“, eine Userin im Forum von Gofeminin.de

 


 

„[….]

Der Standardtipp vieler Experten in solchen Fällen lautet, man müsse an der Beziehung arbeiten, damit sie sich weiterentwickelt. Fragt sich nur: Um was genau geht es eigentlich bei dieser so häufig angemahnten Beziehungsarbeit? Und vor allem: Wie viel Einsatz ist erforderlich? Kann es vielleicht sogar zu viel des Guten werden?“

„So pflegen Sie Ihre Liebe“
cosmopolitan.de

 

 

2 Gedanken zu „Bedeutet eine zufriedene Partnerschaft Arbeit?“

  1. Ich musste diesen Artikel mehrmals lesen, um das Geschriebene überhaupt zu verstehen. Manchmal fehlen einem dann ganz einfach die Worte. Beziehung ist harte Arbeit pur………wenn man daran interessiert ist. Natürlich nicht mit der Arbeit des täglichen Lebens vergleichbar. Hier reden wir von Menschen, Menschen die eine Partnerschaft eingehen wollen. Mit allem was dazugehört……Lieben, Streiten, Vertragen………….man muss es nur können und bereit dazu sein. Aber, die liebe Dame scheint dazu nicht bereit zu sein. Jeder klug denkende Mensch weiß, wenn ich was will/möchte, dann versuche ich es zu bekommen, und strenge mich an und tue etwas dafür.

    Solche Menschen wie diese Bloggerin tun mir eigentlich nur leid. Ich kann mich mit so einer Meinung überhaupt nicht identifizieren und lehne solche Einstellung grundsätzlich ab. Mir fliegen auch keine gebratenen Tauben in den Mund, ich muss was dafür tun. Also tue ich auch was für eine Beziehung, denn ich will ja nicht körperlich/geistig/emotional verhungern. Und dann arbeite ich eben und zwar mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln. Hart aber fair…..

  2. @Andrea: Leben und leben lassen, jedem das Seine. „Ich gegen den Rest der Welt“ – oder ich gemeinsam mit dem Rest der Welt, um für mehr Liebe und Menschlichkeit einzustehen.

    Es bedarf einer gewissen Reife, um das für sich selbst zu erkennen. Bei wenigen Menschen kommt diese Erkenntnis früh, bei anderen später, bei manchen nie.

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