Freundschaft zwischen Mann und Frau – ohne Sex?

Foto: S.v.Gehren, pixelio.de

Heute möchte ich mich dem Thema Freundschaft zwischen den Geschlechtern widmen.

Geht so etwas überhaupt, Freundschaft zwischen Mann und Frau, ganz ohne Beziehung – oder sagen wir mal: ohne erotischen Kontakt?

Oder funktionierte das nur in der Kindheit?

 

„Ja, es geht, und es sind Perlen – aber….“

Kindheit? Waren Jungs und Mädels nicht lieber unter sich 🙂 Es war nie einfach zwischen den Geschlechtern.

Es war wie „igitt“ – wir haben auf die „Kacke“gehauen“, uns Finger in den Po gesteckt, an dem, ich sage mal „ihhh“ gerochen. Es roch nach „Pipi“. Wir waren lockerer und nicht so verkrampft wie heute!

Morgen treffe ich eine langjährige Freundin aus meiner Region wieder. Sie ist nun 44. Und wir kennen uns nun seit 22 Jahren. Davon waren wir 8 Jahre ein Paar, haben zusammen gelebt und gearbeitet, gründeten in der Trennungsphase der Beziehung sogar noch eine gemeinsame Firma.

Nach der Trennung brauchten wir weitere 8 Jahre, um den alten Ballast abzuschütteln, alles aufzuarbeiten, haben uns viel gestritten.

Seit nun mehr 6 Jahren ist Ruhe, wir arbeiten hin und wieder zusammen – hatten aber seit der Trennung nichts mehr miteinander, wie man so schön sagt.

Ich vertraue ihr heute noch meinen Wohnungsschlüssel an (falls ich meinen verlieren sollte) – aber ich möchte keine (erotische) Beziehung mehr mit ihr eingehen.

 

Erfolgsgeheimnisse:
Akzeptanz, Respekt, Zuverlässigkeit und Wahrheit

Es gibt sicherlich mehrere Erfolgsgeheimnisse für eine solide, vertrauensvolle Freundschaft – und auch Beziehung – zwischen Mann und Frau.

Was – nach meiner Ansicht- nicht zur anfänglichen Grundvoraussetzung zählt, so paradox es klingen mag, ist Vertrauen. Denn Vertrauen entsteht automatisch durch andere Faktoren, kann aber nicht – durch Disziplin – erzwungen werden.

Zu oft lese ich bei meinen Internet-Single-Börsen-Tests, dass für Frauen Treue und Vertrauen zählt. Die Grundlage ist wohl eher Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und gegenseitige Achtung, aus dem Vertrauen entsteht, oder?

Ein echtes Erfolgsgeheimnis ist Zuverlässigkeit, im Notfall für den Anderen da sein. Bedingungslos. Das erfordert viel Selbstdisziplin und die Entscheidung zur Nächstenliebe.

Gegenseitiger Respekt ist mindestens ebenso wichtig. Zum Beispiel zu respektieren, dass meine Ex einen neuen Partner hat. Und ich so bei einem Treffen in meiner Wohnung gewisse Grenzen einzuhalten habe.

 

Ein Freund oder Partner ist kein Seelen-Klo

Respekt bedeutet für mich aber auch, dass eine Freundin – oder Partnerin – keine Seelen-Mülltonne ist, ich sie nicht für die Lösung meiner eigenen Probleme missbrauche.

Einige Menschen duschen ihren Körper jeden Tag – aber die Seelen-Hygiene bleibt komplett auf der Strecke und sie laden ihren giftigen Seelen-Müll stattdessen beim Partner oder den besten Freundinnen ab. Im Glauben, das wäre Freundschaft oder Beziehung.

Ein weiteres Geheimnis ist gegenseitige Akzeptanz. Den Anderen so sehen und so nehmen, wie er wirklich ist. Ganz gleich, ob dumm oder intelligent, dick oder dünn, religiös oder atheistisch, ob mit oder ohne Lebensabschnittsgefährte. Hierzu befrage ich mein Herz, nicht meinen Verstand.

Ich meine mit gegenseitiger Akzeptanz nicht die Akzeptanz der kleinen Macken, die jeder so ab 40 oder 50plus haben dürfte, sondern eine bedingungslose Akzeptanz.

 

„Was ich am Anderen verändern will,
stört mich in Wirklichkeit an mir selbst“

Den Anderen nicht ändern zu müssen oder zu wollen, das ist für mich Akzeptanz. Und wenn man auf derartige Gedanken kommen sollte, wäre es besser zu fragen, ob es was mit sich selbst zu tun hat und man in Wirklichkeit einen eigenen Mangel beseitigen möchte (Projektion).

Und letztendlich die Wahrheit: einer echten Freundin darf ich die Wahrheit sagen. Aber ich sollte besser nicht auf die Idee kommen, einer Liebhaberin zu sagen, dass sie zu dick ist. „Eine Geliebte bedarf Deiner Wahrheit nicht“, so meinte der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry einmal sinngemäß. Wie wahr. Einer guten Freundin darf ich sagen, dass sie sich gehen lässt, zu viel Schokolade isst und jeden Abend bei Facebook abhängt.

 

Beziehung + Freundschaft = Arbeit

Gleiches wie für eine Freundschaft gilt für eine Beziehung. Sie ist keine Hängematte mit erotischem Abenteuer für sexuell Ausgehungerte. Arbeit ist angesagt, vor allem an sich selbst. Mit Rücksicht auf den Anderen. Nächstenliebe und Selbstliebe bilden neben der erotischen Liebe die Fundamente einer zufriedenen Partnerschaft.

Leider gibt es Menschen, die das nicht akzeptieren können: sie sind vielleicht beziehungsunreif und sehen die Gründe für das scheitern ihrer Beziehungen immer beim Ex-Partner.

Meine Freundschaft zu der oben genannten Frau hat jede Affäre überdauert, weil wir beide daran gearbeitet haben – mit wenig Romantik- und Wellness-Programm. Aber es hat sich gelohnt, auch wenn wir nicht mehr das Bett, dafür hin wieder die Suppe oder Pizza teilen.

 

Fazit:

Es gibt in Wirklichkeit keine Erfolgsformel. Jeder Mensch ist einzigartig – und daher, rein mathematisch gesehen, ist auch jegliche Freundschaft und Beziehung einzigartig.

Wir Menschen suchen nach Erfolgsformeln, nach Checklisten, die das Leben und die Liebe perfekt beschreiben und uns sagen, wie wir uns zu verhalten haben. Aber es gibt sie nicht. Wir müssen sie uns selber erarbeiten. Von Beziehung zu Beziehung, von Freundschaft zu Freundschaft neu.

Ob allerdings eine „Freundschaft mit Sex“, so ganz ohne Beziehung geht, na, ich weiß nicht, denn letztendlich entsteht daraus doch wieder eine Form von Beziehung zwischen Mann und Frau…

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