Fernsehtipp ‚Make Love‘:
Sex-Aufklärungsdoku im mdr

Vorgänge, Nervenbahnen in einer Frau. Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion
Vorgänge, Nervenbahnen in einer Frau.
Bild: MDR/gebrueder beetz filmproduktion

Wir leben in einer Zeit der „Generation Porno“. Mit Jugendlichen, die vor ihrem ersten Sex bereits einen Porno im Internet gesehen haben. Und Manche kennen nicht mal den Unterschied zwischen einer Harnröhre und ihrer eigenen Klitoris. Oder sie verwechseln Sex mit ausschließlich vögeln.

TV-Sendungen der 90er – wie „Liebe Sünde“ oder „Wa(h)re Liebe“ – machten die ersten Schritte, uns von einem Laster der Moral vergangener Zeit – vor allem kirchlicher Fesseln – zu befreien. Vor allem auch dank Alfred Kinsey, dem ersten Menschen, der unsere Sexualität frei und offen erforschte (in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts). PS: Er war im übrigen Zoologe und auf Gall-Wespen spezialisiert 🙂

„Oversexed and underfucked“

Insbesondere die Nordamerikaner zeigen mit ihrer Medienkultur, wie zufriedener Sex auf Dauer garantiert nicht funktioniert: Moralistisch im TV – und parallel dazu die größte Pornoindustrie (DVD, Internet) der Welt, die teilweise abstruse Lügen und Illusionen über Sex in ihren Filmen verbreitet.

Wir leben in einer Zeit von „oversexed and unterfucked“, wie die Berliner Zeitung Zitty mal schrieb. Wir wissen zuviel – und gleichzeitig so wenig. Sex wurde zum Konsum, zum kurzen und schnellen Kick – aber nicht mehr das, was Sex ursprünglich ist: Die schönste Nebensache der Welt. Raum für Entspannung, intime Berührung und Nähe, fallen lassen und einfach Mensch sein.

 

Wir Europäer zeigen, allen voran die Skandinavier, wie man mit der „schönsten Nebensache“ der Welt offener umgehen könnte.

Heute startet der mdr mit einer fünfteiligen TV-Aufklärungsdoku, unser Prädikat: Sehenswert! Nicht nur für Jugendliche, junge Erwachsene, sondern auch für die Menschen 40, 50 oder 60plus.

EU: Skandinavier haben den Spaß am Sex erfunden 🙂

Die Schweizer haben angeblich die Hustenbonbons erfunden, die Skandinavier vermutlich den Sex. Und nun kommen wir Deutschen. Das Land der Dichter & Denker. Und Ingenieure. In der mdr-TV-Sendung hat ein Paar echten Sex, nicht anzüglich, pornografisch, eher intim, berührend. An praktischen Paarbeispielen und aufwendigen Computeranimationen demonstriert diese längst überfällige TV-Aufklärungsdoku des 21. Jahrhunderts, wie man man Sex & Lust erleben kann. Nicht nur dann, wenn es nicht mehr funktioniert. Motto: „Gemeinsam fliegen gehen“ – statt Rammler-Sex im heimischen Kaninchenstall. Der Bischof von Limburg wird sich vielleicht grämen, weil der deutsche „Schamlippen-Paragraph“ verletzt wurde, aber vermutlich nur er. Die mdr-Aufklärungsserie erinnert mich zwar auch an Oswald Kolle, aber eher an die erste Welle aus Dänemark und Schweden, Grundlage der europäischen Sex-, Aufklärungs- und Pornokultur.

Brauchen wir überhaupt noch Sexualaufklärung an den Schulen?

Nicht erstaunlich, dass diese Serie auch in den Medien – wie BILD – für erheblichen Gesprächsstoff sorgte. Sie basiert auf dem Buch von Ann-Marlene Henning „Make Love – ein Aufklärungsbuch“. Die Dänin wirkt als Paar- und Sexualtherapeutin in Hamburg, studierte Sexualität (was in Skandinavien möglich ist) – sowie Neuropsychologie in Hamburg. Das Buch erschien im Mai 2012. Prädikat: ebenso empfehlenswert! Nicht nur für Jugendliche, die zuerst im Internet, dann meist über die Mutter oder Freunde aufgeklärt werden. Statt über Biologie- oder Ethik-Unterricht. Viele reifere Erwachsene sind verklemmter als sie glauben, wenn es um die „schönste Nebensache der Welt geht“. Ihnen fehlt es an offener Kommunikation!

„Make Love
– Liebe machen kann man lernen“

 

Sendetermine:

mdr:
3. November 2013, 22.20 Uhr
10. November 2013, 22.20 Uhr
17. November 2013, 22.20 Uhr
24. November 2013, 22.20 Uhr
01. Dezember 2013, 22.20 Uhr

Dauer: jeweils 45 Minuten, immer sonntags.

SWR:
6. November 2013, 22:00 Uhr
13. November 2013, 22:15 Uhr (!)
20. November 2013, 22:00 Uhr
27. November 2013, 22:00 Uhr
04. Dezember 2013. 22.00 Uhr

Dauer: jeweils 45 Minuten, immer mittwochs.

 

Recherchen: u.a. unsere Facebook-Redakteure Andrea & Alex

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