Die Kunst des Liebens

Die Kunst des Liebens

Vor rund 30 Jahren schenkte mir jemand ein Buch über die Liebe, weil die Person spürte, dass ich mich sehr für Liebe und Partnerschaft interessierte.

Das Buch heißt „Die Kunst des Liebens“, von Erich Fromm, und es steht immer noch, schon ziemlich vergilbt, in meinem Bücherregal.

Heute, 35 Jahre später, eine gute Gelegenheit dieses wundervolle Buch von 1956 erneut zu lesen und sich mal wieder auf die Basics zu besinnen.

„Die Kunst des Liebens“ (im amerikanischen Original „The Art of Loving“) – ein lesenswerter Klassiker im Zeitalter der Liebe mit Fernsehen, Handys und SMS, mit Facebook und E-Mail, mit tausenden von Beziehungsratgebern und Psychotherapeuten.

 

Das Ende der Liebe im Internet-Zeitalter?

Das Schicksal wollte es so, dass ich meine Leidenschaft nicht zum Beruf machen konnte – und ausgerechnet die elektronischen Medien mein Beruf wurden, die bei zahlreichen Menschen mit dem Internet-Zeitalter das Ende der Liebe einläuteten, wie ich mit den Jahren erfahren musste.

Ich übe keine pauschale Internet-Kritik, denn ich lebe recht gut davon und damit.

Aber Internet & mobile Kommunikation in Sachen Liebe und Gefühle? Nach meiner Erfahrung machen wir uns selbst immer mehr zu Single-Produkten, zu Liebes-Käufern und -Einkäufern. Zur kopflastigen Ware, wenn es um die schönste und einfachste Nebensache der Welt geht: um erotische Liebe zwischen zwei Menschen – sowie bei Partnerschaften auch um Nächstenliebe und Selbstliebe.

Liebe ist vielfältig

Ich war irgendwann nicht mehr nur theoretischer Liebesforscher, sondern selbst auch praktisch betroffen. Mit der Zeit vergaß ich, was Liebe wirklich ist, las hunderte von Beziehungsratgeber, sah unzählige von Fernsehsendungen – und sichtete umso mehr Internet-Foren, Blogs und Facebook-Seiten – um immer mehr zu erblinden. Und Erich Fromms Buch geriet immer mehr in Vergessenheit.

Im Rückentext der deutschsprachigen Ausgabe von 1987 heißt es:

„Wir Menschen sind meistens nicht imstande, unsere Fähigkeit zum Lieben zu entwickeln: zu einer Liebe, die Reife, Selbsterkenntnis und Mut umfasst.“

Fromm teilte sein Buch in einen theoretischen sowie einen praxisbezogenen Teil. Dem Thema „Die Liebe und ihr Verfall in der heutigen westlichen Gesellschaft“ widmet er ein eigenes Kapitel. Es klingt fast so, als wenn er bereits in den 50er Jahren das Internet und die mobile Kommunikation erahnt hätte.

Im theoretischen Teil erklärt er anschaulich die verschiedenen Formen der Liebe (er nennt es „Objekte der Liebe“): 1. Nächstenliebe. 2.Mütterliche Liebe. 3.Erotische Liebe. 4.Selbstliebe. 5.Liebe zu Gott.

Im praktischen Teil nennt er Faktoren wie Demut, Objektivität, Vernunft, Mut, Glaube, Selbsterkenntnis usw. – viele Fähigkeiten, charakterliche Eigenschaften, die nach seiner Ansicht Liebe überhaupt erst ermöglichen. Werte, die uns (leider) vielfach verloren gegangen sind, weil Liebe – und wir selbst mehr und mehr zur Ware wurden.

Fromm bezeichnet im übrigen Narzissmus als den Gegenpol der Liebe.

Erich Fromm wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren und starb 1980 in der Schweiz. Er war Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe.

Fazit: Liebe existiert in verschiedenen Formen. Und nur der, der sie kennt, das Wissen darüber hat und weiter entwickelt, reif genug ist, sich selbst erkennen und reflektieren kann, und auch noch mutig ist, übt, übt, … kann theoretisch ein Künstler der Liebe werden. Liebe ist eine Entscheidung, eine Haltung, ein Wert. Und Liebe kann Gefühle wie Lust und Freude hervorbringen.

Ich kann diesen Klassiker nur wärmstens jedem Menschen empfehlen, der sich ernsthaft mit Liebe beschäftigen möchte.

Mir hat das Buch immer dann geholfen, wenn ich den „Weg der Liebe“ mal wieder verlassen hatte. Und aus der wahren Liebe Ware wurde.

 

Wer nichts weiß, liebt nichts.
Wer nichts tun kann, versteht nichts.
Wer nichts versteht, ist nichts wert.
Aber wer versteht,
der liebt, bemerkt und sieht auch…
Je mehr Erkenntnis einem Ding innewohnt,
desto größer ist die Liebe…
Wer meint, alle Früchte
würden gleichzeitig mit den Erdbeeren reifen,
versteht nichts von den Trauben.

Paracelsus

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