Online-Singlebörsen: Mehr Durchblick und Transparenz

Henning Wiechers:
Experte in Sachen
Internet-Singleportale
Von eDarling, Elitepartner bis Elflirt. Eine immense Zahl von Internet-Singlebörsen buhlt um Mitglieder und prahlt mit beeindruckten Zahlen.

Welcher Single blickt da noch durch, wenn er eine neue Liebe sucht?

Ich habe mit Henning Wiechers gesprochen, der die Branche bestens kennt. Er weiß, wo man genau hinschauen sollte und er gibt wertvolle Tipps für Anfänger.

Der Kölner betreibt das Portal singleboersen-vergleich.de, testet Internet-Singlebörsen und erzählt in unserem Interview unter anderem, wie viele Menschen in den Online-Singlebörsen tatsächlich aktiv sind.

 

Wie viele Online-Singlebörsen sind bei Ihnen gelistet? Was zählen Sie sonst zu dem Markt, außer den üblichen Singlebörsen?

Henning Wiechers: Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es schätzungsweise an die 2500 Singlebörsen. Davon haben wir auf dem Portal eine Auswahl von etwa 500 deutschen, und in Österreich und der Schweiz jeweils um die 150 getestet sowie bei uns gelistet.

Von ihnen sind 90% „gutartig“ und 10% eher Warnungen. Die meisten dieser Portale sind allerdings relativ klein und unbedeutend.

 

 

Henning Wiechers: Die nennenswerten Portale aus den wichtigsten Kategorien belaufen sich insgesamt auf höchstens 50. Zu den Kategorien zählen Online-Partneragenturen, Kontaktanzeigen-Portale, Seiten Erotik-Dating – darunter Casual Dating – sowie Seitensprungportale und Sexkontaktseiten – ferner regionale und Themen-Singlebörsen etwa für Senioren, Alleinerziehende, bestimmte Berufsgruppen, Mollige,….

Wir unterscheiden beim Online-Dating nach zwei Methoden: Partnervermittlung (Single erhält Kontaktvorschläge) und Kontaktanzeigenportale (Single erstellt sich ein Profil und sucht selbständig nach passenden Partnern). Eines dieser beiden Grundprinzipien liegt den meisten Singlebörsen zugrunde.

Neben der seriösen Partnersuche und der Suche nach lockeren Flirts und Dates im engeren Sinne, zählen wir zum Online-Dating im weiteren Sinne auch die Bereiche Singlereisen, Chat- und Voting, sprich das so genannte Social Dating (etwa Badoo) und das große Segment des Adult-Datings.

 

Können Sie sagen, wie viele „echte, reine“ Single-Börsen darunter sind? Wie viele Online-Seitensprungagenturen existieren?

Henning Wiechers: Der Markt ist ja schon recht komplex, und die Übergänge sind oft fließend. Hinzu kommen wie gesagt noch Single-Reisen, Speed-Dating-Veranstalter und und und. Um Ihnen dennoch ein paar Zahlen zu geben: Gute „reine“ Singlebörsen gibt es rund 30, gute, unpornografische Sextreffs eher 10 und an brauchbaren Seitensprung-Agenturen eher 3 (von 12 bekannteren Anbietern).

 

Wie sind Sie persönlich zu Ihrem Vergleichsportal gekommen? Aus Ärger über Intransparenz oder mehr aus rein unternehmerischen Gesichtspunkten? Was motiviert Sie persönlich dazu?

Henning Wiechers: 2002 war ich der einzige im Bekanntenkreis, der einen Scanner hatte. Da habe ich mit meinen Singlefreunden Kontaktanzeigen gebastelt. Und mich geärgert, dass es keine Übersicht über die Seiten gab. Heute ist es ein Business, wir sind in knapp 20 Ländern aktiv und ich freue mich, dass ich einen so lustigen Beruf habe.

 

Nutzen Sie persönlich Internet-Singleplattformen?

Henning Wiechers: Nö, ich bin seit 2002 glücklich vergeben, bin verheiratet und hab zwei Kinder. Also die nötige Distanz zum Produkt. Ich kenne natürlich die meisten Singlebörsen auch von innen, habe Testprofile und probiere herum. Meine heimlichen Favoriten sind aber nicht unbedingt die Testsieger bei uns…

 

Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt: Plattformen wie “ Reif-trifft-jung.de“, regionale Plattformen, welche für Esoteriker oder Behinderte? Welche drei Plattformen empfinden Sie als besonders originell, ob von der Idee oder dem Geschäftsmodell?

Henning Wiechers: Das Geschäftsmodell ist ja immer gleich: Singles zahlen Geld für die Nutzung einer Plattform. Besonders originell heißt häufig aber leider auch, dass es nicht besonders bekannt ist, denn die Anbieter mit Geld und viel Marketingpotenzial machen eben nicht Originelles, sondern Mainstream. Unter den namhaften Portalen ist an Hervorstechendem eigentlich nur Shop-a-Man zu erwähnen, wo Frauen Männer im Einkaufswagen shoppen können, sowie Secret von FriendScout24, das wie ein erotischer Maskenball aufgezogen ist.

Originell muss nicht zwingend witzig sein – unter den meist spezielleren Nischen-Singlebörsen denke ich da zum Beispiel an Singlebörsen für Behinderte oder Menschen mit einer Erkrankung. Die finde ich persönlich besonders wertvoll, weil sie Singles, die sich aufgrund ihrer Einschränkung auf Mainstream-Portalen vielleicht unsicher fühlen, einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen und geschützten Raum bieten, um auf Partnersuche zu gehen.

Nachtrag der Redaktion:

Beispiel für eine Singlebörse für behinderte Menschen:
Handicap-Love.

Ein Beispiel für Menschen 50plus:
50plus-Treff

 

Welche ist die teuerste Plattform, welche die billigste? Welche Modelle gibt es überhaupt und was unterscheidet sie von der Qualität?

Henning Wiechers: Bei den Singlebörsen ist es wohl AcademicPartner, aber auch das etwas unseriöse Flirtportal Flirtcafe. Wer nicht rechtzeitig das Probeabo kündigt, hat knapp 500 Euro an der Backe! Auf der anderen Seite gibts gute kostenlose wie Badoo, Jappy oder Finya.

Generell gilt, dass Sie bei Online-Partnervermittlungen wie Parship oder ElitePartner im Vergleich zu Kontaktanzeigen die höheren Mitgliedsbeitrage zahlen, also für 3 Monate etwa 170-200 im Vergleich zu 60-80 Euro bei Portalen wie Friendscout24. Sie haben bei ersteren ja den Persönlichkeitstest und die Vermittlung aufgrund des Matchingverfahrens.

Und Sie finden hier auch die „ernsthafteren“ Partnersucher, ganz einfach, weil jemand, der relativ viel Geld für die Partnersuche investiert, auch ein deutlich größeres Interesse hat, eine dauerhafte und feste Beziehung auf diesem Wege zu finden.

 

Sieht dies im Bereich der erotischen Portale ähnlich aus, beispielsweise bei poppen.de, joyclub.de, C-Date, ab18.de oder eronitiy.com ?

Henning Wiechers: Hier ist „kostenlos“ eher die Ausnahme! Poppen.de zum Beispiel ist sehr groß, kostenlos nutzbar, aber auch ziemlich niveaulos und männerlastig. Auch hier gilt die Regel, dass (höhere) Beiträge für Premium-Nutzer eine gewisse Barriere für Leute mit unlauteren Interessen bildet und das Niveau auf dem Portal eher hebt.

 

Kostenloser Einstieg bei Portalen wie Finya.

 

Die Auswahl der Singlebörsen erscheint riesig groß – aber Sie kennen den Markt. Welche Tipps würden Sie Singles geben, die online noch keine Erfahrung haben?

Henning Wiechers: Wir unterscheiden da zweierlei Tipps, einmal allgemein den Dating-Markt betreffend, einmal das Persönliche des Singles selbst. Wenn jemand noch keinerlei Ahnung von der wirklich komplexen Singlebörsen-Landschaft hat, dann regen wir immer dazu an, sich auf unserem Informationsportal erst einmal ein bisschen umzuschauen, einmal alle Rubriken, die ihn oder sie interessieren, anzuklicken und sich auch den ein oder anderen Testbericht durchzulesen. Da bekommt man dann schon ein erstes Gefühl dafür, was vielleicht für einen selbst am ehesten passen könnte. Ob Speeddating-Veranstalter oder Reisepartner, das hängt ja nun einmal auch von Ihrer persönlichen Bedürfnislage und Ihren Präferenzen ab.

Dem einzelnen Single raten wir dann zu einigen Maßnahmen, um sich nicht nur erfolgreich, sondern auch sicher auf dem Singlebörsenparkett zu bewegen. Das fängt an beim Nickname und der kostenlosen Nick-Mailadresse und geht bis zum Tipp, sich erst einmal gratis bei mehren interessanten Portalen anzumelden und umzuschauen, ehe man sich eventuell für eine kostenpflichtige Mitgliedschaft bei einem Anbieter entscheidet.

Und ganz wichtig: Lesen Sie den ein oder anderen Ratgeber auf dem Portal, sei es über knifflige AGBs, sei es dazu, wie man eine tolle Kontaktanzeige baut, dann laufen Sie nicht mehr Gefahr, sich über automatische Aboverlängerung oder andere böse Überraschungen ärgern zu müssen.

 

 

Wie hoch schätzen Sie die Zahl der tatsächlichen Singles in Deutschland (von-bis)?

Henning Wiechers: Einzige amtliche Zahl ist die der Ein-Personen-Haushalte mit rund 17 Millionen.

2005 hat Parship rund 11 Millionen Singles ermittelt. Nach den neuesten Familienstands-Erhebungen durch den Zensus 2011 zählt Deutschland insgesamt rund 32 Millionen Ledige, aber dazu gehören ja nicht nur Singles, sondern auch Babys, Kleinkinder und Teenager. Sie sehen also, das hängt immer stark von der Definition ab. Macht man z.B. bei 60, 65 oder 99 Jahren Schluss mit der Bezeichnung „Single“…

Bei den Singles- die Online-Dating betreiben, sind die Zahlen schon etwas eher fassbar. Da gehen wir aktuell von rund 7 Millionen Singles aus, die auf Online-Dating-Portalen unterwegs sind, etwa 4,3 Mio. auf der Suche nach einer festen Bindung, 2,8 Mio. auf der nach lockeren Flirts und Dates.

Dazu kommen dann noch einmal 3,5 Millionen Leute auf Erotikportalen, aber darunter sind auch viele Nicht-Singles (Fremdgänger, Swingerpaare,…).

 

Eine letzte Frage: es erscheint, als befände man sich in einem großen Supermarkt. Ist Liebe zur Ware geworden? Ist das das Ende der traditionellen Liebe?

Henning Wiechers: In der Neuzeit gab es jedesmal einen Aufschrei, wenn ein neuer Weg der Partnersuche aufkam. Hamburger „Jungfernstieg“, die erste Diskothek, Online-Dating. Jedes Mal soll es das Ende der Liebe gewesen sein… Das ist Quatsch.

Online-Dating ist nur ein neuer Treffpunkt für letztlich dieselben Menschen. Eine Singlebörse stellt in gewisser Weise nur den Rahmen zur Verfügung, der große Rest hängt dann aber doch vom Einzelnen selbst ab.

Und wie gerade erst eine aktuelle US-Studie gezeigt hat, gelten die im Internet geschlossenen Partnerschaften sogar als die glücklicheren und länger anhaltenden!

Die „Liebe als Ware“ ist also mitunter nicht mehr als ein Unkenruf oder bestenfalls eine aufregende Schlagzeile.

Danke für das Gespräch!

singleboersen-vergleich.de

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