Bindungsangst: Was ist passive Aggressivität?

Aktive Aggressionen sind bekannt, beispielsweise in Form von körperlicher Gewalt. Aber passive Aggressionen als Ausdruck von Bindungsangst? Ein Kommunikationsexperte sprach einmal von Mord z.B. bei Schweigen … Was ist passive Aggressivität?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Psychologisch kann man zwischen aktiven und passiven Aggressionen unterscheiden. Unter aktiven Aggressionen verstehen wir solche, die auch für Außenstehende klar als Aggression zu erkennen sind: Sei es durch verbale Angriffe, Beleidigungen, Streit oder auch körperliche Gewalt. Die passive Aggression zeigt sich hingegen nicht offen, sondern versteckt. Das Wort „mauern“ bezeichnet gut das Wesen der passiven Aggression. Nicht-reagieren, Zuspätkommen, Trödeln, Vergesslichkeit, Schweigen, sexuelle Verweigerung sind typische Verhaltensweisen, mit denen passive Aggression ausgelebt werden. Eine weitere Methode, um passive Aggression zu leben, die Bindungsängstliche gern verwenden, ist die Flucht. Flucht in die Arbeit, Flucht in Hobbys, Flucht in sexuelle Abenteuer usw. Bei der passiven Aggression geht es darum, dem Gegenüber etwas zu verweigern, ohne für dieses „Nein“ eine klare Verantwortung zu übernehmen. Der passiv-Aggressive zeigt dem Konfliktpartner seine Verweigerung, seine Wut nicht, sondern er lässt ihn auflaufen beziehungsweise am gestreckten Arm verhungern. Dies bringt das Opfer in eine hilflose Position, die es sehr wütend machen kann. Das Opfer empfindet dann jene Wut, die der passiv-Aggressive in sich trägt.


Lesen Sie im nächsten Teil, der am Freitag erscheint:
Können Bindungsängstliche sich jemals wieder auf eine enge Beziehung einlassen?

3 Gedanken zu „Bindungsangst: Was ist passive Aggressivität?“

  1. Das trifft es ganz genau, was ich mehrere Jahre erlebt habe. Mein Exfreund, in den ich sehr verliebt war, hat mich ohnmächtig gemacht. Einerseits habe ich mich sehr gemocht gefühlt, andererseits hat er oft nicht auf meine Nachrichten reagiert, mich an der langen Leine zappeln lassen oder mich auf die Wartebank gesetzt. Ich vermute, dass er zudem ein Workaholic ist. Durch die Ausrede „Arbeit“ konnte er mir aus dem Weg gehen.
    Wenn wir uns dann mal gesehen haben, war es allerdings sehr besonders magisch und wunderschön. Sein Verhalten war für mich sehr ambivalent und ich bin nicht daraus schlau geworden. Es ging über Jahre und war mehr als eine Affaire aber weniger als eine „normale“ Beziehung. Öfter habe ich Schluss gemacht, aber er hat sich immer wieder gemeldet und mir die Hoffnung gemacht, dass es besser wird. Manchmal hat er die Situation auch verkehrt und mich verantwortlich gemacht. Irgendwie konnte ich ihm selten so richtig etwas anhaben… Da ich ihn so geliebt habe, bin ich immer wieder auf ihn eingegangen.
    Vor einem Jahr habe ich es erneut beendet und bin seither stark geblieben. Er meldet sich jedoch regelmäßig und ich komme innerlich nicht wahrhaft von ihm los. Äußerlich bin ich immerhin bisher konsequent geblieben. Natürlich möchte ich nicht mehr so leiden wie in unseren Beziehungsepisoden… Kürzlich wollte er sich mit mir verabreden und er hat mir zu verstehen gegeben, dass er noch sehr an mir hängt – am liebsten wäre er mit mir übers WE weggefahren, was ich früher immer so gerne gemacht hätte, aber er hatte ja nie Zeit. Ich habe gesagt, dass dieser Vorschlag von seiner Seite nun wirklich zu spät käme, aber dass wir uns auf einen Kaffee treffen könnten. Das wollte er sehr gerne. Den vereinbarten Termin hat er jedoch nicht eingehalten… Verwundert war ich irgendwie nicht…
    Ich habe ihm später einen Link mit einem Artikel über passive Aggression geschickt. Er hat darauf noch nicht geantwortet. Wie gehe ich mit ihm weiter um? Warum hänge ich überhaupt so an ihm? Macht er sich durch seine passive Aggression interessant und ich falle einfach auf eine blöde Masche herein?

  2. Ich hing 1,5 Jahre an einem Mann mit Bindungsängsten. Selbst ein „wie geht es dir“ konnte schon eine halbe Krise auslösen. Panikattacken und Fluchtreaktionen nach viel Nähe und Sexualität wurde zur Normalität. Ein paar Monate nach dem Kennenlernen wurden künstlich Streitsituationen provoziert, wurde mir gegenüber ausfallend, im Laufe der Zeit verbal aggressiv und sehr abwertend. Ich machte den Fehler, wenn man das so nennen mag, ihn ab und zu damit mit meinen Beobachtungen zu konfrontieren was wiederum erneut Aggressionen auslöste und plötzliche, unvorhersehbare Kontaktabbrüche. Ich musste schlussendlich auch meinen eigenen Anteil an der Sache erkennen und an mir arbeiten. Heute bin ich überzeugt, dass kein psychisch stabiler Mensch an einen Bindungsängstler gerät und bei ihm bleibt denn in meiner aktuellen Beziehung war dann ich diejenige die in den ersten Beziehungsmonaten mit Panikattacken von jedem Treffen wegfuhr, mir einredete mein Partner sei nicht der Richtige und nach jedem Treffen zwanghaft überlegte wie ich die Beziehung beenden kann. Ich habe es ausgehalten und wurde mit einem tollen Partner belohnt.

  3. Das freut mich für Dich. Und Du hast eine wertvolle und wichtige Erfahrung gemacht. Es liegt an einem selbst, den richtigen Partner zu finden.

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