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Wenn ein bindungsängstlicher Mensch seine Bindungsangst erkannt und auch akzeptiert hat: darf er oder sie nie wieder eine Beziehung eingehen?

Stefanie Stahl: Das wäre ja eine unsinnige Forderung. Wichtig ist, sein Problem zu reflektieren. Wenn ich schon erkannt habe, dass ich unter Bindungsangst leide und verstehe, wie sich dies auf mein Verhalten auswirkt, dann bin ich ja schon einen großen Schritt weiter. Viele Betroffene gehen dann zum Beispiel die nächste Beziehung sehr viel offener an, indem sie die Karten von Anfang an auf den Tisch legen und ihrem – zukünftigen – Partner ihr Problem mitteilen. Hierdurch entsteht Transparenz und der Partner weiß schon mal, worauf er sich einlässt. Gleichwohl ist die Erkenntnis des Problems noch nicht dessen ganze Heilung. Folglich bemühen sich viele Bindungsängstliche, wenn sie ihrem Problem auf die Schliche gekommen sind, um Veränderung. Ich bekomme ständig Anfragen für Psychotherapie beziehungsweise Anfragen, ob ich Psychotherapeuten in der Nähe des Wohnortes empfehlen kann. Allerdings kann es auch, zumindest vorübergehend, eine vernünftige Lösung sein, sich von Liebesbeziehungen fernzuhalten, wenn man genau weiß, dass man ohnehin wieder davonlaufen beziehungsweise den Partner verletzen wird.


Lesen Sie im nächsten Teil, der am Montag erscheint:
Warum sind Bindungsängstliche in ihrem Leben erfolglos und lieblos?


 
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