Bindungsangst: Gefahren und Risiken für die Partner

Gesunde Menschen schütteln vielleicht mit dem Kopf – andere spielen Bindungsangst herunter. Mir hat bei meinen Recherchen ein betroffener Partner erzählt, dass er sie am liebsten umbringen würde. Das klingt sehr krass. Was ist das Gefährliche an Bindungsangst? Welches Risiko besteht bei einer Beziehung mit einem bindungsängstlichen Menschen?

Stefanie StahlStefanie Stahl: Das Gefährliche ist die große Schwierigkeit der Betroffenen, sich auf eine Liebesbeziehung einzulassen. Sie tänzeln ständig zwischen Nähe und Distanz. Der Bindungsängstliche lässt den Partner in einem Moment nah an sich heran und im nächsten Moment stößt er ihn wieder weg. Dies ist für die betroffenen Partner zutiefst verunsichernd und kränkend. Da viele Bindungsängstliche ihr Problem nicht richtig erkennen, liefern sie verwirrende Erklärungen für ihr Verhalten ab. Das macht den Partner noch konfuser und unsicherer. Viele Partner neigen dann dazu, den Fehler bei sich zu suchen beziehungsweise kommt es auch nicht selten vor, dass der Bindungsängstliche dem Partner die Verantwortung für sein Problem zuschiebt, indem er seine ambivalenten Gefühle für den Partner auf dessen vermeintliche Schwächen zurückführt. Zum einen nagt das Verhalten der Bindungsängstlichen zutiefst am Selbstwertgefühl ihrer Partner, weil sie so viele Zurückweisungen hinnehmen müssen. Zum anderen können die Partner, weil sie das Verhalten des Bindungsängstlichen unbedingt verstehen wollen, zu tief in den Sog der Störung des Bindungsängstlichen abrutschen. Damit will ich sagen, dass sich bei manchen Bindungsängstlichen (nicht bei allen!) ein Abgrund an Gefühlskälte auftun kann, der zutiefst erschreckend ist.


Lesen Sie im nächsten Teil:
„Sind bindungsängstliche Menschen überhaupt fähig zu lieben?“

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