Begleitende Probleme von Beziehungssucht

Haben Menschen, die beziehungsabhängig sind, auch sonstige psychische Probleme?

bild-159.jpgDr. Barbara Kiesling: Grundsätzlich ja. Ich begreife „Beziehungsabhängigkeit“ ohnehin nicht als ein fest umrissenes Krankheitsbild. Wie ich in den vorangegangenen Antworten bereits betont habe, lassen sich Abhängigkeiten und sämtliche sonstigen psychischen Störungen auf abträgliche Erfahrungen im Kindesalter zurückführen.
Das ist erst einmal sehr pauschal gesagt. Es gibt im Leben eines Kindes aber viele Möglichkeiten, die ein späteres psychisches Leiden abwenden können. Jedes Kind wächst unter anderen Umständen und in anderen Konstellationen auf und macht dementsprechend auch eine andere Entwicklung durch. Da gibt es vielleicht im Leben mancher Kinder liebevolle Tanten oder Onkels, fürsorgliche Nachbarn, engagierte Erzieherinnen und Lehrer. Solche Menschen im Umfeld eines kleinen Kindes können sehr viel abfangen. Deshalb stellen sie gewissermaßen einen „Schutzfaktor“ dar.

Diejenigen, bei denen keine „Schutzfaktoren“ vorhanden sind, bleiben mit ihrem Leid allein. Das hat dann aber auch schwerwiegende Auswirkungen. Diese können sich – je nach Temperament – unterschiedlich äußern. Viele fallen später in eine Depression. Einige von ihnen begehen sogar Selbstmord. Ich habe an früherer Stelle bereits erwähnt, dass die Statistik jedes Jahr allein in Deutschland 11 000 Selbstmörder aufweist. Man muss sich diese Anzahl an Menschen nur einmal auf einem großen Platz vorstellen. Andere wiederum versuchen, ihre quälenden inneren Zustände mit Drogen oder Alkohol „aufzulösen“. Bei ihnen ist – wie auch bei den Beziehungsabhängigen – die Abhängigkeit lediglich ein Symptom. Das Symptom einer zugrundeliegenden unausgeheilten Verletzung: Nämlich der Verletzung des Selbstgefühls, der Verletzung des Ichs oder letztlich der Verletzung der Seele.


Lesen Sie im nächsten Teil unserer Serie ‚Beziehungssucht‘:

Welche Rolle spielt dabei die Sex-Sucht?

Ein Gedanke zu „Begleitende Probleme von Beziehungssucht“

  1. Sehr geehrte Frau Dr. Kiesling,

    seit 2 Jahren bin ich in Therapie, Auslöser waren Depression, Angst- und Panikattacken und eine schwierige Beziehung, aus der ich mich noch heute (wir kennen uns seit 5 Jahren) nicht wirklich innerlich gelöst habe. In unserem letzten Gespräch brachte meine Therapeutin das Thema sehr gezielt auf meine Beziehung, und verglich meinen Partner mit einem Alkoholbonbon, nach dem ich süchtig wäre. Ich war erschrocken, denn als süchtig hatte ich mich nicht eingestuft, abhängig habe ich mich oft gefühlt und auch nicht in der Lage, trotz vieler Verletzungen, die Beziehung wirklich zu lösen. Sie schreiben von der Verletzung des Selbstgefühls, der Verletzung des Ichs oder der Verletzung der Seele in der Kindheit, die Ursachen für das Entstehen einer Beziehungssucht / Abhängigkeit sein können.
    Ich kann mich ja nicht erinnern, was heißt Verletzung der Seele? Welche Art Verletzung ist das?
    Ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, mich einzulassen und habe Angst, daß mir nie eine partnerschaftliche Beziehung gelingen wird, habe Angst, daß, wenn ich liebe, „zuviel“ liebe und klammere und es schmerzhaft wird. Wie kann ich die Ursachen herausfinden? Muß ich das? (Um aufzuarbeiten)?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

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