Unter welchen Voraussetzungen kann Polyamorie überhaupt funktionieren?

Foto: Gerd Pfaff, pixelio.de
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Letzte Frage an Dipl.Psychologe Wulf Mirko Weinreich:
In welchen Fällen, unter welchen Voraussetzungen kann Polyamorie, eine offene Beziehung, überhaupt funktionieren? Oder bleibt sie eine Illusion?

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Sind Sadomasochisten gestörte Persönlichkeiten?

Sind Sadisten oder Masochisten durch besondere psychologische Merkmale gekennzeichnet, beispielsweise durch Persönlichkeitsstörungen wie krankhaften Narzissmus?

racRobert Coordes: Auf der Internetseite datenschlag.org, einer Informationsplattform für SM-Interessierte, findet man unter der Rubrik „Die Psychologie des Sadomasochismus“ folgende Anmerkung: „…es keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass SM-Anhänger irgendeine gemeinsame Psychopathologie oder gemeinsame Symptome haben.“

Aus der klinischen Literatur ist kein konsistentes Bild von SM-Anhängern hervorgegangen. Es hat einige begrenzte Versuche gegeben, psychologische Tests zur Unterscheidung einer SM-Stichprobe und einer Kontrollgruppe anzuwenden, doch wurden keine nennenswerten Unterschiede festgestellt (Gosselin & Wilson 1980; Miale 1986; Moser 1979).

In der psychologischen Typisierung nach A. Lowen findet sich ein masochistischer Charakter – dieser ist allerdings nicht einer sexuellen Präferenz gleichzusetzen. Sadomasochismus selbst ist als Teil des Formenkreises der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen als Störung der Sexualpräferenz im ICD 10 unter der Schlüsselnummer F65.5 gelistet – d.h. Sadomasochismus selbst gilt unter gewissen Umständen als psychopathologisch relevantes Störungsmuster.

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Was haben Swingerclubs, Partnertausch etc. mit Polyamorie zu tun?

Die Swingerclubs haben in den letzten 10-15 Jahren deutlich ihr Niveau angehoben – und sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Partnertausch, Gruppensex, „Sex en masse“ – was hat das noch mit freier Liebe und/oder Polyamorie zu tun?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Über die Unterschiede von Liebe und Sexualität habe ich ja schon zuvor gesprochen. Swingerclubs können eine Hilfe sein, der Sexualität ihre Exklusivität zu nehmen.

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Warum stöhnen Menschen beim Sex?

Auf der Website Beautiful Agony – Motto: „Facetten des kleinen Todes“ – sind nur schmerzverzerrte Gesichter von Menschen während eines Orgasmus zu sehen. Was ist so schmerzhaft daran? Und warum stöhnen Menschen eigentlich beim Sex? Tut das weh?

maschingerSilke Maschinger: Der Orgasmus wird im Französischen nicht deswegen kleiner Tod genannt, weil er wehtut, sondern weil der Herzschlag nach dem Sex langsamer wird und der Körper sich entspannt und man danach meist erstmal etwas geschafft ist. Einige schlafen nach dem Sex vor lauter Entspannung ja auch mal gerne ein.

Dass einige Gesichter anscheinend schmerzverzerrt aussehen, liegt aber nicht am Schmerz, sondern daran, dass man die Anzeichen falsch deutet.

Beim Sex wird im ganzen Körper Spannung aufgebaut, die sich dann durch den Orgasmus entlädt. Deswegen ist Sex unter anderem auch so schön, weil man danach so entspannt ist. Die Gesichter zeigen also nur die erotische Spannung, die im gesamten Körper aufgebaut wird.

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Haben Sie selber Erfahrungen mit Polyamorie gesammelt?

Es klingt so einfach, wenn Therapeuten etwas sagen oder schreiben. Haben Sie denn persönliche Erfahrung mit Polyamorie gemacht? Schöne Erfahrungen? Oder tat es manchmal weh, sich eine(n) Partner(in) zu teilen?

Weinreich 2009 originalWulf Mirko Weinreich: Ich mache gerade polyamore Erfahrungen. Ich habe es nie gewollt, aber die neue Liebe passierte mir halt. Ich sah darin aber keinen Grund, warum ich meine langjährige Lebenspartnerin deshalb nicht mehr lieben sollte. Beide Frauen sind sehr, sehr verschieden. Deshalb war ich ziemlich hin- und hergerissen. In dieser Not habe ich von einem Freund ein Buch über Polyamorie geliehen bekommen, was mir geholfen hat, meine Beziehungsvorstellungen in Frage zu stellen.

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Was ist überhaupt so „schmutzig“ am „schmutzigen Sex“?

"Männer sind Schweine - "Foto: Janusz Klosowski, pixelio.de
Foto: Janusz Klosowski, pixelio.de

Schmutziger Sex ist für manche Menschen besonders gut. Wir möchten gerne vom Sexualcoach Silke Maschinger wissen, was denn überhaupt so „schmutzig“ an „schmutzigem Sex“ ist, und was überhaupt guten Sex ausmacht.

maschingerSilke Maschinger: Mach dich nicht schmutzig, fass das nicht an, wasch dir die Hände, spring nicht in die Pfütze. Diese Sprüche hat garantiert jedes Kind mehrfach gehört. Einerseits sind das natürlich auch wichtige Hygiene-Regeln, andererseits nimmt es einem auch die Lebendigkeit, die Lust, im Feuchten zu wühlen, mit den Händen dahin zu fassen, wo es schmatzt und knatscht. So lernt das Kind, was schmutzig ist, hält sich zurück und lernt Sauberkeit.

Wie immer kommt es darauf an, in welchem Maße man zur Sauberkeit erzogen wird. Doch wenn aus Sauberkeit Sterilität wird, kann es dazu führen, dass auch die sexuelle Lust als schmutzig empfunden wird, denn beim Sex geht es feucht zu: Fremde Haut, vielleicht Schweiß, Feuchtigkeit bei der Frau, Lusttropfen bzw. das Ejakulat beim Mann.

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Sadomasochismus: Sexualität eng mit Kindheit und Jugend verbunden

Foto Gabriele Remscheid, pixelio.de
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Ich habe bei meinen Recherchen Menschen kennen gelernt, die emotionale und verbale Formen von SM praktizieren, die Lust dabei empfinden, wenn sie andere Menschen mit Worten oder beispielsweise ausbleibenden Handlungen, z.B. Unzuverlässigkeit – oder durch gezielte Untreue verletzen. Ist das überhaupt noch SM? Wie geht man damit als Freund oder Partner um?

bvuBettina Uzler: In der SM-Szene gibt es eine Regel die sich Safe, Sane and Consensual, kurz SSC nennt, zu deutsch „sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“.

Grob gesagt bedeutet dies, dass die Spielpartner keine gesundheitlichen Risiken eingehen die sie nicht überschauen können, dass sie Fantasie von der Realität unterscheiden können und das alles in gegenseitigem Einvernehmen geschieht. Die Rahmenbedingungen werden vor dem Spiel besprochen. Es gibt ein „Safeword“ mit dem das Spiel beendet wird, wenn etwas zu weit geht.

All diese Dinge zu klären und zu besprechen bevor man sich auf ein Spiel mit SM-Elementen einlässt bedeutet, dass alle Beteiligten um einen bewussten Umgang mit dieser Situation bemüht sind und dass sie sich mit ihren Fantasien und Wünschen offen auseinander setzen.

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