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Dr. Barbara Kiesling
Das Selbstwertgefühl entscheidet weitgehend über das Schicksal eines Menschen. Derjenige, der sich als wertvoll einschätzt, wird ganz anders auftreten und von vornherein viel Gutes von seiner Umwelt erwarten. Ein Mensch, der sich als Kind nicht wirklich geliebt fühlte, konnte kein ausreichendes Selbstwertgefühl entwickeln. Die damit einhergehende ausgeprägte Selbstwertproblematik bildet die Basis, auf der Suchtkrankheiten entstehen können. Aus psychoanalytischer Sicht stellt die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit einen Selbstheilungsversuch dar. Das lässt sich auch auf alle anderen Formen von Abhängigkeiten übertragen.
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Dr. Barbara Kiesling
Besonders in diesem Bereich, der sich einer direkten Beobachtung entzieht, gibt es vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Der bekannte Psychoanalytiker Arno Gruen geht davon aus, dass 16 % der Bevölkerung „durch Nicht-Liebe geformt wurden“. Dem gegenüber stehen 16 %, die der Liebe verbunden sind. Das große Mittelfeld bilden all jene, die zwischen diesen beiden Randbereichen liegen.
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Dr. Barbara Kiesling

Foto Dorothee Bächle (Photocase.com)
Die Grundlagen für alle Abhängigkeiten bilden sich während der frühkindlichen Entwicklung. Besonders Traumatisierungen führen zu Beeinträchtigungen, die spätere Abhängigkeiten begünstigen. Meist fehlen den Betroffenen innige symbiotische Erfahrungen mit einer Bezugsperson. Wer den Zustand liebender und schützender Nähe in seiner Kindheit nie erfahren hat, dem fehlt gewissermaßen der Boden, von dem aus alle weiteren Entwicklungsschritte gegangen werden können. Eine Abhängigkeit entsteht, wenn ein Mensch in psychischer Hinsicht hungrig geblieben ist. Da er nie das bekommen hat, was er dringend benötigt hätte, konnte er keine innere Versorgungsquelle errichten. Aus diesem Grund kann er sich später nicht selbst von innen her sättigen. Dadurch bleibt er auf die Außenwelt angewiesen und ist gezwungen, das Vermisste später vergeblich anderswo zu suchen.
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Dr. Barbara Kiesling
Viele Betroffene erkennen erst im relativ hohen Erwachsenenalter, dass etwas in ihren Beziehungen nicht stimmt. Wie kommt das?
Hier spielt sicher zunächst die Hoffnung eine große Rolle. Ein zwanzigjähriger Mensch, der mehrfach „Unglück in der Liebe“ hatte, schaut sich um und erkennt, dass er nicht der Einzige ist, der noch nicht den richtigen Partner gefunden hat. Auch ein dreißigjähriger Mensch kann noch immer „auf den Richtigen“ hoffen. Im Laufe der Jahre verändert sich das. Wenn dieser Mensch dann sein 40. Lebensjahr vollendet hat und immer noch nicht das ersehnte „Glück in der Liebe“ gefunden hat, regen sich schon ernstere Zweifel. Viele Betroffene fühlen sich durch die erlebten Beziehungserfahrungen inzwischen so verletzt, dass sie sich nicht mehr so leicht auf jemanden einlassen können. Die Phasen des Single-Daseins verlängern sich.
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Dr. Barbara Kiesling
Das ist eine sehr bedeutsame Frage. Die meisten Menschen in unglücklichen Beziehungen fragen sofort: Wer ist schuld? Schließlich möchte niemand selbst schuld sein. Wer sich selbst die Schuld gibt, muss quälende Schuldgefühle aushalten. Um das zu vermeiden wird versucht, die alleinige Schuld auf den anderen zu schieben. Das schafft Entlastung.
Doch wenn wir uns mit dem Wesen der Schuld beschäftigen, werden wir zu völlig anderen Erkenntnissen kommen.Nehmen wir das Beispiel des „Alkoholiker-Paares“: Ist er schuld daran, ein Alkoholiker zu sein? Und ist sie schuld daran, dass sie eine Co-Alkoholikerin ist?
Wie ich bereits betonte, sind es die psychischen Strukturen, die diese Menschen zu ihrem Handeln prädestinieren: Ihr mangelndes Selbstwertgefühl, ihre eingeschränkte Liebesfähigkeit und die damit einhergehenden ausgeprägten Konflikte. Die psychische Belastung ist in diesen Fällen oft so groß, dass die Betroffenen unbedingt Entlastung brauchen. Manche suchen diese Entlastung in Suchtmitteln; andere suchen diese Entlastung bei einem Partner.Sie haben sich nicht freiwillig für die Beeinträchtigungen und der daraus hervorgehenden Qual entschieden, das heißt, zunächst einmal können sie nichts dafür, dass sie so geworden sind, wie sie sind.
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