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Foto: Erwin Lorenzen, pixelio.de


Erotische Beziehungen im Internet-Zeitalter verlaufen nach meiner persönlichen Erfahrung sehr häufig nach einem Muster: es beginnt mit Sympathie, vielleicht folgt eine körperliche Anziehung, man „macht zusammen Liebe“, teilt andere gemeinsame Interessen.

Nach etwa 6-12 Wochen kommt dann ein markanter Zeitpunkt, bei dem man sich mehr wünscht oder sich die Frage stellt: „Passt der oder die überhaupt zu mir?“. Wie sehen Sie das? Existieren solche Muster/Prozesse überhaupt?

 

Volker Drewes: Natürlich kann es sein, dass man sich selbst in einem sich wiederholenden “Muster” oder “Prozess” erlebt. Aber – mit Verlaub – wie kommen Sie auf 6-12 Wochen?

Ah ja, die eigene Erfahrung :-) Damit ist das Stichwort gegeben. Nur durch unsere eigene Erfahrung bekommen wir die notwendige Rückmeldung, die uns sagt, was für ein Typ wir sind, wer zu uns passt und wo möglicherweise unsere Schwachstellen liegen.

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Quelle: Eitepartner.de


Könnte man im Zeitalter von Internet und IT nicht den perfekten Persönlichkeitstest entwickeln, der 100% garantiert, dass zwei Menschen zusammen passen?

 

Volker Drewes: Eine schöne, angenehm ironisch formulierte Frage. Nein – könnte man nicht, und das ist auch gut so.

Wenn man es könnte, dann hätten wir es wohl mit einer Art neuer Spezies zu tun, die nach bestimmten Programmen abläuft, vielleicht ist es ja in einigen Jahrhunderten soweit, weil wir dann möglicherweise auch andere menschliche Eigenschaften im Griff haben müssen, so die Neigung, sich immer wieder gegenseitig den Schädel einzuschlagen.

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Henning Wiechers:
Experte in Sachen
Internet-Singleportale

Von eDarling, Elitepartner bis Elflirt. Eine immense Zahl von Internet-Singlebörsen buhlt um Mitglieder und prahlt mit beeindruckten Zahlen.

Welcher Single blickt da noch durch, wenn er eine neue Liebe sucht?

Ich habe mit Henning Wiechers gesprochen, der die Branche bestens kennt. Er weiß, wo man genau hinschauen sollte und er gibt wertvolle Tipps für Anfänger.

Der Kölner betreibt das Portal singleboersen-vergleich.de, testet Internet-Singlebörsen und erzählt in unserem Interview unter anderem, wie viele Menschen in den Online-Singlebörsen tatsächlich aktiv sind.

 

Wie viele Online-Singlebörsen sind bei Ihnen gelistet? Was zählen Sie sonst zu dem Markt, außer den üblichen Singlebörsen?

Henning Wiechers: Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es schätzungsweise an die 2500 Singlebörsen. Davon haben wir auf dem Portal eine Auswahl von etwa 500 deutschen, und in Österreich und der Schweiz jeweils um die 150 getestet sowie bei uns gelistet.

Von ihnen sind 90% “gutartig” und 10% eher Warnungen. Die meisten dieser Portale sind allerdings relativ klein und unbedeutend.

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Foto: Tomizak, pixelio.de


Welchen Einfluss haben Gesellschaft, die eigene Herkunftsfamilie und die Medien, vor allem das Internet, bei der Partnersuche?

Volker Drewes: Partnersuche ist immer eingebettet gewesen in das soziale Umfeld und war nie allein von biologischen Faktoren abhängig. Das ist wirklich ein weites Feld.

Zunächst definiert ja die Gesellschaft ihre Rollenerwartungen an die zugehörigen Individuen.

So gab es ja im vorletzten Jahrhundert zwar die romantische Liebe in der Literatur – in der Lebensrealität herrschte aber das Ökonomieprinzip vor. Man heiratete, weil man mußte, weil es sich so gehörte (ungewollte Schwangerschaft), um Vorsorge für das Alter zu treffen, um eine Sippe vor Machtverlust zu schützen etc. etc.

So wurde eben auch ein Lebenspartner ausgesucht oder zugeführt; man selbst hatte eigentlich wenig Freiheiten, erwartete dies aber auch nicht. Die Geschlechterrollen sorgten für ein Übriges.

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Foto: Südberliner, pixelio.de


Angenommen … ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung trifft auf einen anderen Menschen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung.

Welche Risiken sind bei solch einer Bindung zu erwarten? Worauf sollte man – bei dem Beispiel – achten?

Volker Drewes:
“Es ist gar nicht schwer mich zu täuschen, denn ich täusche mich so gern.”

Das etwas frei aus dem Russischen übersetzte Zitat von Puschkin beschreibt ganz schön, worum es hier geht: die Selbsttäuschung und damit auch die Täuschung meines Gegenübers.

Wohlgemerkt: hier liegt (meist) keine böse Absicht vor. Ein Mensch mit einer, wie auch immer gearteteten Persönlichkeitsstörung “weiß” ja nichts – oder wenn, nur wenig – davon. Das macht es auch so schwer, zu Einsicht und Veränderung zu kommen.

Wie kann man sich vor unliebsamen Überraschungen schützen?

Was uns hier in erster Linie interessiert ist aber ja nicht die Frage nach Diagnose und Heilung. Sondern vielmehr die praktische, pragmatische Fragestellung, wie wir uns beim Kennenlernen bzw. Neubeginn einer potentiellen Partnerschaft etwas besser vor unliebsamen Überraschungen schützen können.

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Der neue Dating-Partner:
Normal, markant oder gestört?
Foto: Jürgen Christ

Wie grenzt sich eine markante Persönlichkeit von einer Persönlichkeitsstörung ab?

Volker Drewes: Dies ist eine sehr interessante Frage, wie ich finde. Denn sie berührt einen etwas wunden Punkt in der psychologischen (Psychotherapie-)Forschung. Diese beschäftigt sich nämlich in erster Linie mit den Abweichungen vom “Normalverhalten”, mit den psychischen Störungen. Diese sind natürlich definiert, kategorisiert und damit Grundlage für eine Behandlung, die dann auch von den Krankenversicherungen übernommen werden. Deutlich wird hier der Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Kontext. Was ist normal, was ist abweichend, was ist krank.

Das Wort “markant” in der obigen Frage geht ja sogar noch einen Schritt weiter. Es suggeriert etwas Positives, ja geradezu etwas Erstrebenswertes. Wir können uns hier also ein Kontinuum vorstellen, das von den beiden Extremen “wünschenswertes, erstrebenswertes” und “abweichendes, krankhaftes” Verhalten gekennzeichnet ist.

“Auch als graue Maus kann man leben”

Dazu will ich gleich etwas Desillusionierendes vorweg sagen: die meisten Menschen bewegen sich in der Mitte, und das ist auch gut so. Freud sagte einmal, Ziel der Psychotherapie sei geradezu die Desillusionierung. Wir müssen lernen, uns mit unserer Mittelmäßigkeit zu versöhnen. Oder, wie ein ehemaliger Ausbilder von mir zu sagen pflegte: “Auch als graue Maus kann man leben.”

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Gegenseitige Anziehung kann schnell im Sande verlaufen…
Foto: pixelio.de

Welche Rolle spielt die Persönlichkeit bei der Partnerwahl?

Und welchen Einfluss haben Persönlichkeitsstörungen bei der Partnersuche und in der Partnerschaft?

Volker Drewes: Wie bereits zuvor erwähnt, ist die Rolle der “Persönlichkeit” in der Partnerwahl schwierig zu beurteilen und hat auch im Laufe der Forschung neue Einschätzungen erfahren. Dies liegt einfach an der Komplexität des Untersuchungsbereiches. Vielfach ist ja gar nicht klar, was unter “Persönlichkeit” überhaupt verstanden werden soll – man hat zwar ein Alltagsverständnis für diesen Begriff, aber der variiert eben auch stark von Person zu Person.

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